Hedonismus und Nihilismus

Hedonismus ist die Haltung, dass nichts weiter zählt, als die Lust. Es ist die Genusssucht. Es ist die Bewahrung des emotionalen, naiven Verhältnisses zu Lust. Alles, was Lust macht ist gut. Alles, was Schmerz macht, ist schlecht.

Hat man einmal beschlossen, dass das Leben bedeutungslos ist, bleibt man auf einer niedrigen Sinnstufe hängen. Bedeutung entsteht durch ein harmonisches Verhältnis von Ordnung und Chaos. Doch der Nihilist leugnet eben, dass es überhaupt ein ausgeglichenes Verhältnis geben kann. Hedonismus und Nihilismus sind gleichermaßen Ablehnung von Bedeutung. So können sie einander hervorbringen.

Als Hedonist verschließt man sich vor der Möglichkeit eines harmonischen Verhältnis von Lust und Schmerz. Die Welt teilt sich nur in Lust und Schmerz auf, während sich beide auf keinen Zweck richten. Sie erscheinen als Zweck an sich, sodass die logische Konsequenz eines Hedonisten ist, dass Lust zu maximieren und Schmerz zu minimieren ist. Chaos erscheint immer nur als Schmerz und Ordnung erscheint immer nur als Lust. Weil das Leben erst dann sinnvoll und bedeutsam sein kann, wenn Ordnung und Chaos in einem harmonischen Verhältnis zueinander stehen, gibt es für ihn weder Sinn noch Bedeutung. Was bleibt ist der naive, emotionale Blick auf Lust und Schmerz. Das Leben eines Hedonisten ist Genuss, Leiden und Naivität.

Als Nihilist verneint man bereits die Möglichkeit eines harmonischen Verhältnisses von Ordnung und Chaos. Man verneint die Möglichkeit von Sinn und Bedeutung. So ist auch für ihn die Welt nichts weiter als Lust und Schmerz. Wenn der Nihilist noch die Möglichkeit hat, sein Leben mit Lüsten zu füllen, wird er das noch tun. Der Hedonismus ist keine Flucht vor dem Nihilismus. Vielmehr ist Hedonismus die nihilistische Flucht vor den schlimmeren Konsequenzen des Nihilismus, wie der Kriegserklärung gegen das Leben.

10 Responses to “Hedonismus und Nihilismus”

  1. Mitleser

    “So ist auch für ihn die Welt nichts weiter als Lust und Schmerz. Wenn der Nihilist noch die Möglichkeit hat, sein Leben mit Lüsten zu füllen, wird er das noch tun.”

    Ich kann dir nicht folgen: Wieso reduziert sich die Welt auf Lust und Schmerz? Ist das biologisch begründet? Und ich verstehe auch nicht, wieso ein Nihilist zwangsläufig (wie ich dich verstehe) sein Leben mit Lüsten füllt. Wäre interessant, wenn du dazu noch etwas schreiben könntest. Damit würde der Nihilist der Lust ja Vorrang vor dem Schmerz geben.

    Antworten
  2. donnerundpflicht

    Moin Mitleser,

    das zu Grunde liegende Modell ist, dass Bedeutung aus Chaos und Ordnung besteht. Diese wiederum sind die komplexen Veredelungen von Lust und Schmerz. Das Gehirn benutzt im Grunde Schmerz als eine Art Substanz, um Chaos abzubilden. Deswegen kann es psychischen Schmerz geben. Wenn man Nihilist ist, kann man im Chaos oder in Ordnung nicht mehr die Bestandteile von Ordnung sehen.

    Man kann beispielsweise das Verhalten von Menschen nicht verstehen, wenn sie Chaos suchen oder Ordnung meiden, selbst wenn dadurch die Ordnung wieder hergestellt werden würde. Sie führen alles nur noch auf Lust und Schmerz zurück. Sie verstehen beispielsweise nicht, weshalb Künstler sich immer wieder an die Grenzen ihres Verstandes bringen. Eine nihilistische Bewertung läuft darauf hinaus, dass Künstler es schlussendlich für Anerkennung machen oder schlichtweg krank sind.

    Zwangsläufig ist das nicht, dass der Nihilist zum Hedonisten wird. Er kann auch zum Massen- oder Selbstmörder werden. Es ist ein Henne-Ei-Problem. Aber ein Vogel ist kein Huhn. :)

    Heißt: Hedonismus und Nihilismus sind zwei Seiten einer Medaille. Aber es gibt noch andere Medaillen die nihilistische Währung sind.

    Aber auch ganz praktisch gedacht: Wenn für dich alles egal ist und du nur noch deine Empfindungen hast. Dann ist es alleine schon reflexhaft zweckrational Lust zu suchen und Schmerz zu vermeiden. :)

    Antworten
  3. Pia

    Sind am Ende nicht Hedonist und Nihilist gleich dumm?! Der eine erkennt zwar die Möglichkeit eines harmonischen Verhältnisses zwischen Schmerz und Lust, verschließt sich aber davor, während der andere selbst die Möglichkeit eines harmonischen Verhältnisses zwischen Schmerz und Lust von sich weist. Am Ende stehen also beide ohne ein harmonisches Verhältnis von Schmerz und Lust da… haben also nichts erreicht. Was ist also die Quintessenz?

    Antworten
    • donnerundpflicht

      Ein Hedonist ist ein Hedonist. Also ja. :)

      Das Problem beider ist, dass sie glauben, dass die wahre” Betrachtungsweise des Lebens ist, dass es aus *nur Schmerz und Lust besteht. Die Quintessenz ist: Schmerz und Lust vergehen. Was den Menschen trägt sind Sinn und Bedeutung.

    • Wolfgang

      Wenn ich über meine Sinne(was anderes bleibt mir nicht übrig)Die Lust suche und den Schmerz vermeiden will,um ein gutes und glückliches Leben zu erfahren.Dann gebe ich Dingen oder Menschen etc.eine Bedeutung da sie in meinem Sinn zur Erlangung meines Ziel”s beitragen.Wenn Lust(glücklichsein) und Schmerz(unglücklichsein) hier durch Sinn und Bedeutung ausgetauscht werden,dann bitte aber auch welcher Sinn und welche Bedeutung (keine metaphisischen) die nicht durch Zeit und Umstand sich verändern müssen…..Danke !

  4. Wolfgang

    Sinn und Bedeutung arbeiten sich immer an dem Thema Lust(glücklichsein) und Schmerz(unglücklichsein)ab.Jeder Sinn oder jede Bedeutung behauptet von sich aus uns zum Glück zu tragen.Das macht aber die einfache Hedonistische Formel auch:Lust(Glücklich)erlangen Schmerz(Unglücklich) vermeiden.Der Wege wie man das Glück erlangt sind so viele wie der Sand am Meer.Und ich bin schon viele gegangen.die einzigen die dauerhaft tragen und von Motte und Rost verschont bleiben,sind Metaphysisch und deshalb eine Glaubenssache Wem es hilft?Jedem das seine….

    Antworten
  5. Wolfgang

    Sinn(Zweck)sind Zielorientiert sowas ändert sich… Bedeutungen sind Mutmaßungen wer die Deutungshoheit hat…hat Recht…sowas ändert sich

    Antworten

Leave a Reply

  • (will not be published)

XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>