Der Dirigent

Welch satanische Strahlkraft der Dirigent hat, wenn er seine Instrumente wie Feuerdämonen ihren Schlachtgesang anstimmen lässt. Die Instrumente wirken wie ägyptische Streitwagen, die ihre Pferde — Musiker — antreiben. Teufel, lass deine Dämonen ihre Peitschen schwingen! Und wenn auch Blut spritzt, was interessieren mich diese armseligen Gäule und Mähren?

Sieh ihn! Für einen Moment fuhr der Teufel aus dem Leib des armen Mannes — wenigstens für die Dauer einiger Noten. Sein Morgenstern wurde wieder zum Dirigentenstock und für einen Augenblick konnte er sich wieder als sich selbst fühlen. Für einen Augenblick war der Teufel aus dem Leib dieses armen Mannes gefahren.

Dann fuhr er wieder hinein wie ein böser Sturm. Und aus Dirigent wurde wieder Teufel, aus Stab wieder Morgenstern, die Musiker wieder blutig gepeitschte Pferde.

Es braucht den Teufel für einen musikalischen Höllenritt. Und den hatte mein lieber Dirigent.

Drei Angestellte und der Mindestlohn kommt

Als Unternehmer habe ich drei Angestellte:

  1. Einen, der für 9 Euro pro Stunde arbeitet.
  2. Einen, der für 11 Euro pro Stunde arbeitet.
  3. Einen, der für 13 Euro pro Stunde arbeitet.

Der Mindestlohn steigt auf 15 Euro und ich kann es mir nun nur noch leisten, einen der Angestellten zu behalten. Welchen kündige ich?

Die ersten Antwort ist: Die ersten beiden, denn der dritte ist wahrscheinlich der bestqualifizierteste und verdient aus gutem Grund am meisten.

Die korrekte Antwort ist: Alle drei und suche mir lieber einen, der Leistung und Qualifikation für 15 Euro hat.

Der Mindestlohn hat Nebeneffekte.

So haben die Unternehmen mit einer drastischen Kürzung der Praktikumsplätzen reagiert auf die Einführung des Mindestlohns reagiert.1


  1. https://www.spiegel.de/karriere/wegen-mindestlohn-unternehmen-bieten-weniger-praktika-an-a-1094347.html 

Und deswegen nimmt keiner die Politik ernst

Der Umstand, dass Frau X keine explizit drogenpolitische Expertise hat, muss ja nicht zwingend dazu führen, dass sie dieses Amt nicht bekleiden kann.

Soweit so politisch. Aber dann kommt es Dicke:

Im Übrigen war es nach meiner Erinnerung auch nicht, dass die anderen Drogenbeauftragten der Bundesregierung in der Vergangenheit so einen Hintergrund hatten.

Und dann:

Was sie mir in den Mund legen wollen, dass ich unterstellt habe, dass sie nicht qualifiziert ist, habe ich so nicht gesagt.

WAS?

Wie werden wir eigentlich regiert? Genauso, wie wir es verdient haben.

Temperamentarbeit

Temperamentarbeit ist der Bereich der Selbstentwicklung, der die konstruktive Arbeit am eigenen Temperament betrifft. Das Temperament ist hier über das Big-Five-Persönlichkeitsmodell definiert.

Wir wollen das Temperament vor allem als eine Weise verstehen. Das heißt, dass weder ein hoher noch ein niedriger Wert für bestimmte Persönlichkeitseigenschaften an sich gut oder schlecht sind. Das heißt natürlich nicht, dass einige Eigenschaften in bestimmten Umgebungen nützlicher sind als andere. In einer leistungsorientierten Kulturgemeinschaft ist ein hoher Wert für Gewissenhaftigkeit sicherlich förderlich für den beruflichen Erfolg und den öffentlichen Status. Doch sogar hier gibt es Nachteile. Ein äußerst hoher Wert für Gewissenhaftigkeit ist hinderlich für eine vernünftige Work-Life-Balance. In Kombination mit anderen Persönlichkeitseigenschaften und moralischen Glaubenssätzen ist man unter Umständen in Gefahr sich zu überlasten, seine Familie zu vernachlässigen oder ist leicht auszunutzen.

Ziel der Temperamentarbeit ist die Ausbildung eines weiten Repertoires an Weisen des Seins und des Handelns in der Welt. Als ein arbeitsamer Mensch muss ich meinen Alltag anders strukturieren als ein weniger arbeitsamer Mensch, will ich mein Leben in Bedeutung und Harmonie verbringen.

Analyse heißt töten

Es gibt einen großen Unterschied dazwischen etwas kennenzulernen und etwas zu analysieren. Es sind beides Formen des Verstehens. Doch bei einem akzeptiert man die Lebendigkeit des Verstandenen und beim anderen tötet man.

Auszug aus dem Buch “Fleisch und Kabel”: Nudge und blaue Pillen

Er überlegte, warum Menschen so einen Drang dazu verspürten, sich in diesen Dämmerschlaf aus Fastfood, Betäubungsmitteln und virtueller Realität zu begeben. Warum wollten die Menschen nicht aufwachen und, waren sie zufälligerweise wach, nicht wach bleiben?

Was ist es, dass uns unsere Sinne geben können, sodass wir bereit sind unsere Seele sterben zu lassen? Die Frage kam ihm so bizarr vor, dass er sich fragte, ob diese Frage überhaupt Sinn ergeben konnte. Er spürte einen Koten in seinem Kopf. Die einzig mögliche Antwort konnte nur lauten: Nichts! Doch die Realität strafte seine Wirklichkeit lügen.

Ein lautet Hupen riss ihn aus seinen Gedanken. Unachtsam war er auf die Straße gelaufen. Und sprang zurück. Es war ein unnötiger Reflex, den kaum einer Abstellen konnte. Das automatische Steuersystem hatte wahrscheinlich sein Gesicht schon hunderte Meter zuvor gescannt und festgestellt, dass er in Gedanken war und die Geschwindigkeit so reduziert, dass es rechtzeitig bremsen konnte, aber schnell genug geblieben, um ihn einem erzieherischen Schrecken zu unterziehen. Ein Prinzip, dass sich auf Thaler und Sunstein zurückzuführen war. Ein Nudge war ein erzieherisches Mittel, ohne von Ge- oder Verboten Gebrauch machen zu müssen. Erziehung durch tausend Schubser. Das Lingchi-Protokoll für die Mündigung des Bürgers.

Er hob beschwichtigend die Hand, weil er wusste, dass der Bordcomputer dies als Indiz für erfolgreiche Erziehung an die zentrale Bürgerrechenanlage seines WeChat-Datei bewerten würde.

Aus irgendeinem Grund fiel ihm eine Werbung für einen Stimmungsaufheller auf. Es war der neuste Schrei alte Szenen aus Filmen neu zu editieren. “Schluck die blaue Kapsel.”, sagte Morpheus. “Rote Kapseln tun dir nur weh.” Es tobte gerade ein intensiver Kampf um Marktanteile und die Werbung war entsprechend aggressiv. Welcher Film war das nochmal? Seltsam. Ihm fiel es nicht mehr ein. Und noch seltsamer: Warum ärgerte ihn das?