Soziologie erkrankt an naiven Soziologen

Wilson schreibt:

Everyone knows that the social sciences are hypercomplex. They are inherently far more difficult than physics and chemistry, and as a result they, not physics and chemistry, should be called the hard sciences. They just seem easier, because we can talk with other human beings but not with photons, gluons, and sulfide radicals. Consequently, too many social-science textbooks are a scandal of banality. Such is the paradox of the social sciences. Familiarity bestows comfort, and comfort breeds carelessness and error. Most people believe they know how they themselves think, how others think too, and even how institutions evolve. But they are wrong. Their understanding is based on folk psychology, the grasp of human nature by common sense — defined (by Einstein) as everything learned to the age of eighteen — shot through with misconceptions, and only slightly advanced over ideas employed by the Greek philosophers. Advanced social theorists, including those who spin out sophisticated mathematical models, are equally happy with folk psychology. As a rule they ignore the findings of scientific psychology and biology. That is part of the reason, for example, why social scientists overestimated the strength of communist rule and underestimated the strength of ethnic hostility. They genuinely startled when the Soviet empire collapsed, popping the cap off the superpower pressure cooker, and were surprised again when one result of this release of energies was the breakout of ethnic strife and nationalistic wars in the spheres of diminished Russian influence. The theorist have consistently misjudged Muslim fundamentalism, which is religion inflamed by ethnicity. At home in America, they not only failed to foresee the collapse of the welfare state, but cannot agree on its causes. In short, social scientists as a whole have paid little attention of the foundations of human nature, and they have had almost not interest in its deep origin.1

Das Kernproblem der Soziologie ist nicht, dass sie nicht gut betrieben werden kann, also an und für sich Pseudowissenschaft ist. Vielmehr sind es die Soziologen, die Anspruch erheben Aussagen über das menschliche Zusammenleben machen zu können, aber sich nur mit der Interaktion, nicht aber mit den Beteiligten zu beschäftigen.

Die beste Testfrage, die ich kenne, um solche Luftpumpen zu entlarven, ist einfach den biologischen Grundlagen zu fragen, die für ihre angebliche Perspektive relevant ist. Einen Genderkonstruktivisten muss man nur nach der genauen Funktion von Vasopressin und Testosteron bei der Hirnentwicklung eines Embryos. In 99,9% der Fälle ist die Antwort mangelhaft bis ungenügend. Solche Menschen behaupten etwas über die Gehirnfunktionen, ohne sich auch nur ein kleines Bisschen mit den grundlegenden Wirkmechanismen auszukennen.

Bizarr, dass so etwas ein gewöhnliches Phänomen in der universitären Wissenschaft ist, der angeblichen Bildungselite.


  1. Edward O. Wilson (1998): Consilience. The Unity of Knowledge, New York: Alfred A. Knopf Inc. S. 183/184. 

Die Einheit des Wissens – Wissen, Chaos, Ordnung (und das Böse?)

The assumptions [he enlightenment thinkers] made of a lawful material world, the intrinsic unity of knowledge, and the potential of indefinite human progress are the ones we still take most readily into our hearts, suffer without, and find maximally rewarding through intellectual advance.1

Die Annahmen der Denker der Aufklärung, die Welt folgte Gesetzen, es gäbe eine innere Einheit des Wissens und die Möglichkeit unbegrenzten menschlichen Fortschritts sind nach wie vor diejenigen, die wir mit dem Herzen annehmen, ohne leiden und den höchsten intellektuellen Genuss bedeuten.1

Der Gedanke, dass es eine Einheit des Wissens gibt — Hand in Hand, dass die Welt entsprechend geordnet ist — ist das, was am ehesten mit unserer Seele räsoniert.

Das ist ein Gedanke, den Jordan Peterson wahrscheinlich teilen würde. Jeden Einzelgedanke von Wilson können wir als Frage zwischen Ordnung und Chaos deuten:

  1. Die Einheit des Wissens besagt, dass es eine ordnende Grundlage des Wissens gibt, welche die einzelnen Disziplinen miteinander in eine harmonische Beziehung bringt. Sie besagt, dass es eine höhere Ordnung gibt. Ohne die Einheit des Wissens zerfielen die einzelnen Disziplinen in isolierte Inseln, ohne starke Aussagekraft. Es gäbe keine Stimme des Wissens, keine Stimme der Vernunft, keine einheitliche Stimme der Ordnung.
  2. Die Welt, die Gesetzen folgt, hat eine innere Ordnung, die wir verstehen können. Wäre das Geschehen der Welt nicht nach Gesetzen geordnet, gäbe es da draußen nichts zu verstehen. Wir selbst wären hilflose Partikel, die auf einem unendlichen Ozean treiben, tosende Orkane des Chaos treiben uns mal hierhin, mal dorthin, mal himmelshoch auf eine Turmwelle, mal fielen wir tief in die dunkle See.
  3. Das unbegrenzte menschliche Potential verspricht einen gangbaren Weg. Machtlosigkeit Chaos, denn wer keinen Weg zu gehen hat, treibt nur herum. Er gleicht dem sich chaotisch umhertreibenden Staubkorn in der Luft.

In der Einheit des Wissens steckt die Hoffnung auf Ordnung. Und ohne diese Hoffnung versinkt unsere Seele im Chaos. Wer etwas wissen will, der sollte sich diese Hoffnung bewahren, sie hüten und nähren. Wer sich nicht hütet, versinkt selbstverschuldet im Chaos. Wer sich diese Hoffnung nicht bewahrt, der macht sich schwach. Und die Schwachen, die holt das ewige Raubtier. Es gibt sie wirklich die Sendboten des Chaos, die Dämonen, die unseren hoffnungsvollen Blick blenden wollen, uns dazu verführen wollen, Hoffnung und Inspiration aufzugeben. Wer zulässt, dass er ein solches Opfer wird, der wird entweder passive Beute, hoffnungslos, uninspiriert, ängstlich und unsicher. Oder, abgestoßen von der eigenen Schwäche, wird selbst zu einem Raubtier, einem Dämon — ein Diener des Chaos und erklärter Feind der Hoffnung.

Oder nüchtern: Wer kritischer Theorie, Postmodernisten, modernen Feministen nicht mit äußerster Vorsicht begegnen, der macht sich zum Opfer. Wenn es möglich ist, dass ein “wissenschaftliches” Journal Passagen von Hitlers Mein Kampf in feministischer Sprache veröffentlichen würde, dann zeigt sich, dass es hier nicht um unschuldige, aber (sau-)dumme Theoretiker handelt, sondern um etwas Gefährliches, dass noch nicht die Gelegenheit hatte, Macht zu missbrauchen.


  1. Edward O. Wilson (1998): Consilience. The Unity of Knowledge, New York: Alfred A. Knopf Inc, S.8. 

Undemokratische Demokratie

Es ist völlig klar, dass die SPD, aber auch die Union, die FDP und weite Teile der Grünen mit der klaren Unterstützung des Afghanistan-Einsatzes gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung stehen. Dennoch bleibe ich dabei: Die Interessen Deutschlands werden auch am Hindukusch verteidigt. quelle

Das Zitat ist nicht sinnentfremdet, wenn man es kürzt:

Gegen den Mehrheitswillen der Bevölkerung bleibe ich dabei. – Peter Struck

Wir werden nicht von Menschen regiert, die umsetzen wollen, was die Bevölkerung will. Was die Bevölkerung will, ist Politikern eher lästig. Und je länger jemand im Amt ist, desto lästiger wird es, vorzutäuschen, man erfülle seine Aufgabe als Volksvertreter.

Psychoterror im Training – Moralische Luftpumpen im öffentlich Rechtlichen

  1. Leistungssport heißt, laufend über die Grenzen zu gehen. Es ist die Aufgabe der Trainer, die Trainierenden unter Druck zu setzen. Es ist die Aufgabe des Leistungssportlers sich selbst unter Druck zu setzen. Wenn es einem das Wichtigste ist, an der Leistungsspitze mitzumischen, muss man bereit sein die gleichen Opfer, körperlich und geistig, zu bringen, welche die anderen bereit sind zu erbringen. Danach selektieren die Trainer ihre Trainierenden, danach wird im Wettkampf selektiert. Leistungssport heißt nicht, das bestmögliche aus jedem herauszuholen, sondern zu selektieren und dann mit den körperlich und geistig Belastbarsten zu arbeiten. Es ist eine Dynamik, die im System steckt. Es werde die besten Selektierer belohnt. Das kann man nicht regulieren, denn im Leistungssport findet man einen Weg, an die Spitze zu kommen.
  2. Alles Gesagte sind gewöhnliche Erfahrungen, die man in einem einfachen Boxverein machen kann. Warum? Weil Boxen selbst ein selektierender Sport ist. Es wird trainiert und selektiert. Immer wenn der Leistungsanspruch und der Grad des Schmerzes hoch ist, wird die Ausfallquote, die Quote derer, die zurückbleiben und es nicht schaffen, hoch. Man muss dazu nur die Attitüde des durchschnittlichen Triathleten und des durchschnittlichen Zumba-Tänzers ansehen.
  3. Vor dem Hintergrund unseres wohlständigen, westlichen Verständnisses von dem, was man zu opfern bereit sein sollte, wirken solche Praktiken missbräuchlich. Die Frage, wie stark man junge Sportler belasten darf, wird (auch) kulturell beantwortet. Empörung ist kein gutes moralisches Urteil, so hoch sie auch sein mag. Andere Kulturen sehen den Westen als wohlstandsverwahlost, schwach und degeneriert an. Solche Beiträge verschleiern, dass das moralische Urteil erst noch gefällt werden muss und nicht vorausgesetzt werden kann. Schon gar nicht, wenn man nicht ein moralisches Fundament besitzt wie eine Religion.
  4. Sehr deutlich ist im Beitrag und in den Kommentaren, dass es sich hier um einen Konflikt der weiblich-biologischen Grundannahmen von Moral und der rücksichtslosen Wettkampfsituation gegen andere handelt. Man muss nur mal versuchen nach ähnlicher Kritik in Bezug auf Jungs oder Männer zu suchen, in denen die Jungs und Männer mit gleicher Einigkeit und moralisch unfundierter Empörung reagieren. Männer sind seit Anbeginn unserer Evolution als Menschen diejenigen, die zum Wohle anderer geopfert werden. Während es einst zum weiblichen Ideal gehörte, sich für andere aufzuopfern, gehört es nach wie vor zum männlichen Ideal, bereit zu sein, für andere zu sterben. Es ist ein verhaltensbiologischer Konflikt für Frauen, in sozialen Situationen sowohl Körper als auch Psyche für Status und/oder Ressourcen zu opfern. Männer dagegen gewinnen erst ihren Platz in der Welt, indem sie ihren Körper und ihre Psyche gefährden und opfern, um überhaupt in Betracht als würdige Menschen zu kommen. Kurz: Verhaltensbiologisch (das ist nicht moralisch!) haben Frauen einen Wert an sich, Männer dagegen nicht. Diesen instinktiven Motiven können wir uns nicht entziehen, sondern allenfalls in moralisch gewollte Bahnen lenken.

Dieser Beitrag zeigt sehr deutlich, dass der Westen moralisch gesehen, nichts weiter als eine Luftpumpe ist. Hier wird die Gelegenheit verpasst, sich tief und mit Blick auf das Wohl der jungen Sportler mit dem Phänomen Leistungssport auseinanderzusetzen. Was hier als Moral verkauft wird, ist nichts weiter als instinktiv motivierte Empörung. Es zeigt, dass die westliche Kultur nicht fortschreitet, sondern sich auflöst, sodass nichts weiter zurückbleibt als unser Intinkt. Zumindest ist das die Deutung, die sich nahtlos in das Phänomen Moderne als Krankheit einfügt.