Temperamentarbeit

Temperamentarbeit ist der Bereich der Selbstentwicklung, der die konstruktive Arbeit am eigenen Temperament betrifft. Das Temperament ist hier über das Big-Five-Persönlichkeitsmodell definiert.

Wir wollen das Temperament vor allem als eine Weise verstehen. Das heißt, dass weder ein hoher noch ein niedriger Wert für bestimmte Persönlichkeitseigenschaften an sich gut oder schlecht sind. Das heißt natürlich nicht, dass einige Eigenschaften in bestimmten Umgebungen nützlicher sind als andere. In einer leistungsorientierten Kulturgemeinschaft ist ein hoher Wert für Gewissenhaftigkeit sicherlich förderlich für den beruflichen Erfolg und den öffentlichen Status. Doch sogar hier gibt es Nachteile. Ein äußerst hoher Wert für Gewissenhaftigkeit ist hinderlich für eine vernünftige Work-Life-Balance. In Kombination mit anderen Persönlichkeitseigenschaften und moralischen Glaubenssätzen ist man unter Umständen in Gefahr sich zu überlasten, seine Familie zu vernachlässigen oder ist leicht auszunutzen.

Ziel der Temperamentarbeit ist die Ausbildung eines weiten Repertoires an Weisen des Seins und des Handelns in der Welt. Als ein arbeitsamer Mensch muss ich meinen Alltag anders strukturieren als ein weniger arbeitsamer Mensch, will ich mein Leben in Bedeutung und Harmonie verbringen.

Analyse heißt töten

Es gibt einen großen Unterschied dazwischen etwas kennenzulernen und etwas zu analysieren. Es sind beides Formen des Verstehens. Doch bei einem akzeptiert man die Lebendigkeit des Verstandenen und beim anderen tötet man.

Auszug aus dem Buch “Fleisch und Kabel”: Nudge und blaue Pillen

Er überlegte, warum Menschen so einen Drang dazu verspürten, sich in diesen Dämmerschlaf aus Fastfood, Betäubungsmitteln und virtueller Realität zu begeben. Warum wollten die Menschen nicht aufwachen und, waren sie zufälligerweise wach, nicht wach bleiben?

Was ist es, dass uns unsere Sinne geben können, sodass wir bereit sind unsere Seele sterben zu lassen? Die Frage kam ihm so bizarr vor, dass er sich fragte, ob diese Frage überhaupt Sinn ergeben konnte. Er spürte einen Koten in seinem Kopf. Die einzig mögliche Antwort konnte nur lauten: Nichts! Doch die Realität strafte seine Wirklichkeit lügen.

Ein lautet Hupen riss ihn aus seinen Gedanken. Unachtsam war er auf die Straße gelaufen. Und sprang zurück. Es war ein unnötiger Reflex, den kaum einer Abstellen konnte. Das automatische Steuersystem hatte wahrscheinlich sein Gesicht schon hunderte Meter zuvor gescannt und festgestellt, dass er in Gedanken war und die Geschwindigkeit so reduziert, dass es rechtzeitig bremsen konnte, aber schnell genug geblieben, um ihn einem erzieherischen Schrecken zu unterziehen. Ein Prinzip, dass sich auf Thaler und Sunstein zurückzuführen war. Ein Nudge war ein erzieherisches Mittel, ohne von Ge- oder Verboten Gebrauch machen zu müssen. Erziehung durch tausend Schubser. Das Lingchi-Protokoll für die Mündigung des Bürgers.

Er hob beschwichtigend die Hand, weil er wusste, dass der Bordcomputer dies als Indiz für erfolgreiche Erziehung an die zentrale Bürgerrechenanlage seines WeChat-Datei bewerten würde.

Aus irgendeinem Grund fiel ihm eine Werbung für einen Stimmungsaufheller auf. Es war der neuste Schrei alte Szenen aus Filmen neu zu editieren. “Schluck die blaue Kapsel.”, sagte Morpheus. “Rote Kapseln tun dir nur weh.” Es tobte gerade ein intensiver Kampf um Marktanteile und die Werbung war entsprechend aggressiv. Welcher Film war das nochmal? Seltsam. Ihm fiel es nicht mehr ein. Und noch seltsamer: Warum ärgerte ihn das?

Männer und Frauen sind genau gleich promiskuitiv

Es gibt das seltsame Gerücht, dass Frauen und Männer sich in ihrem promiskuitiven Verhalten unterscheiden. Es gibt das Gerücht, dass Männer durchschnittlich mehr Sexpartner in ihrem Leben hatten als Frauen.

Doch das ist unmöglich, wenn wir davon ausgehen, dass wir geschlossene Märkte für Hetero- und Homosexuelle haben.

Ein heterosexueller Mann kann den Schnitt seines Geschlechts nur erhöhen, wenn er Sex mit einer Frau hat, also auch den Schnitt der Frauen erhöht. Heterosexuelle Männer und Frauen haben garantiert genau gleich viele Sexualpartner. Auch Gruppensex ändert nichts daran. Selbst, wenn er gleichzeitig mit 10 Frauen Sex hat, erhöht er die Zahl der männlichen Sexualpartner um 10 und die Frauen die Zahl ihrer Sexualpartner auch um 10.

Man muss sich das nur als Fußballspiel vorstellen, bei dem man ein Tor nur schießen kann, wenn man dem Gegner erlaubt, bei sich selbst ein Tor zu schießen. Das Spiel geht immer unentschieden aus.

Vergangenheit schiebt Zukunft zieht

Die Vergangenheit schiebt und jagt. Das Vergangene ist damit ein Aspekt der Fremdbestimmung, der Nötigung und der Unfreiheit. Doch gleichzeitig bietet sie Sicherheit und Gewissheit.

Doch die Zukunft zieht nicht. Sie bietet vielmehr Halt, sodass wir uns selbst ziehen können. Das Zukünftige ist damit ein Aspekt der Selbstbestimmung, Souveränität und Freiheit. Doch gleichzeitig gibt es uns Unsicherheit und das Unbekannte.

Gehen wir zu schnell in die Zukunft verlieren wir den Boden unter den Füßen. Das Chaos hat uns im Griff. Doch greifen wir nicht aktiv nach einer der unendlichen Zukünfte, werden wir zerdrückt und komprimiert, die Vergangenheit verwandelt sich in Tyrannei, die all unsere Beweglichkeit einfriert.

Der gute Umgang mit Zeit ist immer aktiv und wohldosiert. Der schlechte Umgang mit Zeit ist passiv und übermütig oder ängstlich.

Der säkulare Staat stiftet keinen Sinn

> Der säkulare Staat stiftet keinen Lebenssinn; er sättigt nicht die transzendentalen Bedürfnisse des Menschen. Es sind die Spätaussiedler, die aufgrund ihrer mehrheitlich christlichen Verwurzelung und gelebten Religiosität auch ihren in Deutschland geborenen Landsleuten etwas vorleben. Quelle

Feminismus löst auch weibliche Privilegien auf

Traditionelle Geschlechterrollen lösen auf spezifisch weibliche Privilegien auf. Ein beträchtlicher Teil von dem, was Feministen als das Patriarchat bezeichnen, dient dem Schutz der Frau. So auch die kulturelle Annahme, dass Frauen einen besonderen Schutz verdienen. So wie Männer blinde Flecken in der Wahrnehmung der weiblichen Lebenswelt haben, haben auch Frauen blinde Flecken für die männertypische Lebenswelt. Der besondere Schutz der Frau ist ein kulturelles Gut, das durch den Verlust traditioneller Geschlechterrollen bedroht ist.

Für diese Überlegungen sind moralische Gebote nicht entscheidend. Der Einwand, dass Gewalt prinzipiell abzulehnen ist, ist kein Einwand. Wir haben es hier mit soziologischen Untersuchungen zu tun, die beschreiben, wie es ist, nicht moralischen Untersuchungen, wie es sein soll!

Fall von feministisch-ideologischer Verblendung: Illouz und Shades of Grey

> Shades of Grey ist schlechte Literatur. Und doch kreuzt der Roman “die Unterscheidung zwischen Fiktion und Wahrheit”, weil er uns vor Augen führt, wie es heute um unser Sexual- und Liebesleben bestellt ist.[illouz2013]

So lautet das überraschende Ende der kurzen Analyse von Illouz Die neue Liebesordnung. Frauen, Männer und Shades of Grey. Warum ist das Ende überraschend? Über 80 Seiten argumentiert die Autorin für die Wirksamkeit des Romans. Selbst direkt im Nachsatz nach diesem unsinnigen Urteil schreibt sie, dass der Roman eben das macht, was gute Romane machen: Sie geben uns einen Spiegel, der uns etwas zeigt, was noch realer als die Realität ist.