Hast du Glück verdient?

Im Text “Harmonisierung der Vervollkommnung” schneide ich den Gedanken an, dass man durch den Prozess der Selbstvervollkommnung das Glück mit seinem Selbst assoziieren kann. Im nachfolgenden Beitrag will ich diesen Gedanken ausführen.

Dieser Gedankengang ist eng verbunden mit dem Konzept der Unterscheidung zwischen Selbst- und Fremdbestimmung.

Selbstbestimmung bedeutet, dass das Selbst sich als Ursache für etwas von sich selbst setzt, während Fremdbestimmung heißt, dass die Umwelt des Selbst die Ursache für etwas von sich selbst ist.

Der Beitrag dreht sich um das Thema Glück und wie man sein Lebensglück aus sich selbst heraus, aus seinem Selbst, bezieht. Was heißt es also, dass das Selbst sich als Ursache für das Glück, dass es empfindet, setzt?

Am Anfang geht es um einen Anspruch und um eine Entscheidung. Ist Selbstbestimmung erstrebenswert?

Den Sinn des Lebens habe ich als die Vervollkommnung des Selbst gesetzt. Das Lebensglück ist eine wichtige Voraussetzung für diese Vervollkommnung. Die Mindestvoraussetzung ist die Abwesenheit von psychischen Krankheiten, die das Selbst entmächtigen proaktiv seine eigene Vervollkommnung anzustreben. Ein Beispiel dafür ist eine Depression. Vervollkommnung ist ein steiniger Weg, welcher Stärke voraussetzt. Depression ist da ein Hindernis und kann bis in die Handlungsunfähigkeit führen. Wer nicht handelt, kann sich nicht vervollkommnen.

Das Selbst ist das am ehesten Kontrollierbare in der Welt. Konzepte wie das Unbewusstsein, welches als Teil der Psyche zum Selbst gehört, deuten an, dass man sich selbst nicht total kontrollieren kann.

Die Umwelt dagegen ist da draußen und entfernt von uns. Wir können nur Handlungen in die Welt werfen und gemäß unserer Gewohnheit hoffen, dass das passiert, was wir erwarten. Wir können unsere Arbeit und unseren materiellen Wohlstand durch das Wirken des Marktes verlieren. Wir können unsere Lieben durch einen Unfall verlieren. Wir versuchen uns zwar weitesgehend abzusichern, schließen Versicherungen ab oder fragen unsere Lieben, wie es ihnen geht. Schlussendlich bleibt unser Selbst mit größter Sicherheit.

Selbstbestimmung von Glück heißt, dass das Selbst sich als Ursache für sein Lebensglück setzt. Es bedeutet die Abkehr von der Umwelt als Quelle des Glücks. Das geht selbstverständlich nicht vollständig. Dies würde auch mit anderen Werten in Konflikt geraten. Treue und Fürsorglichkeit als Tugenden verstanden sind nicht ohne Umwelt möglich.

Ich will Freundschaft als Beispiel nehmen um diesen Gedanken zu Ende zu führen, obwohl natürlich materieller Besitz und Ähnliches auch hervorragende Beispiele darstellen.

Es beginnt mit der Frage: Was ist der Grund, dass ich meinen besten Freund habe? Bin ich es?

Vor einigen Jahren noch habe ich in völlig anderen Kreisen verkehrt. Mein soziales Umfeld hat sich größtenteils durch meine Zeit in einer Jugendband entwickelt. Je älter ich wurde, desto mehr habe ich Vervollkommnung zu meinem Lebensinhalt gemacht. Ich lehnte Selbstvergiftung in Form von Alkohol und Selbstzerstörung in Form von Trägheit ab. Ich zog Konsequenzen aus meiner Einstellung und versuchte widerspruchsfrei zu leben, in dem ich meine Sicht auf die Gesellschaft auch auslebte. Ich hasste die Oberflächlichkeit in Form von Mode und Etiquette. So begann ich diese abzulegen. Ich hasste die Abhängigkeit von Besitz und Bequemlichkeit. So habe ein halbes Jahr auf dem Boden geschlafen (genauer: habe mir keine neue Schlafgelegenheit besorgt, nachdem meine Matraze Schimmel gefangen hatte. Ich war zu blöd sie zu wenden, obwohl sie auf dem Boden lag) und es mir zur Gewohnheit gemacht Dinge, die ich länger als ein Jahr nicht gebraucht habe, aus meinem Besitz zu entfernen.

Ich lebte meine Version von Askese aus. Es war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar, dass dies mit einer derartigen Entscheidung zusammenhängt. Ich entfernte mich aus meinen sozialen Kreisen und lebte nur noch für den Sport und für die Philosophie. Für ein halbes Jahr bestand mein Leben nur noch aus brennenden Muskeln, Lesen und Schreiben. Ich hatte nur noch sehr sporadischen Kontakt zu Menschen, was auch mehr eine kurze Unterbrechung war, während es mich wieder zu meiner Abgeschiedenheit trieb.

Es war nicht so, dass ich nicht die Gelegenheit hatte, Freundschaften und Bekanntschaften zu schließen. Doch ich hatte kein Interesse daran. Ich hielt diesen Kontakt in vielen Fällen für Zeitverschwendung.

Doch ich lernte Menschen kennen, wie meinen ehemaligen Mitbewohner. Wir teilten viele Werte nicht, doch trieb er zu der Zeit ähnlich manisch Sport und hatte einen ähnlichen Trieb zur Vervollkommnung wie ich. Er war nur viel materieller orientiert, war mehr am Tanzen als am Kampfsport interessiert –  wir unterschieden uns in vielerlei Hinsicht und doch konnte ich viel von ihm lernen und ich hoffe auch, dass er viel von mir lernen konnte.

Schließlich lernte ich dann meinen besten Freund kennen. Tatsächlich mussten wir erst lernen uns zu ertragen. Er wahrscheinlich mehr als ich, denn ich bin ein schwieriger Mensch. Wir kannten uns schon seit Jahren, hatten uns sogar zum Thema “Zettelkasten” (wir beide führen einen, allerdings digital) angeregt ausgetauscht und doch haben wir erst einige Jahre später zusammengefunden, uns erst noch zusammengerauft.

Voraussetzung dafür ist die Entscheidung, die ich viel früher getroffen habe. Hätte ich nicht so lange alleine gelebt und in dieser Phase viele meiner Werte entwickelt, wäre ich vielleicht sehr viel mehr am Mainstream orientiert gewesen. Durch engeren Kontakt zu Medien und Menschen anderer Werte, wäre ich vielleicht ihrer Konditionierung erlegen gewesen. Mein bester Freund hätte mich nicht ertragen lernen müssen. Ich wäre vielleicht sehr viel umgänglicher gewesen, doch wesentlich ärmer an meinen jetzigen Tugenden und Werten. Hätte er mich dann so als seinen besten Freund angenommen? Selbstverständlich nicht, lautet die einzige Antwort. Eben diese Tugenden und Werte sind das, was uns zusammengeführt hat, obwohl wir uns kaum ertragen haben.

Warum bin ich der Grund dafür, dass ich meinen besten Freund habe? Warum sehe ich nicht den Grund im Zufall oder in räumlicher Nähe? Zweifellos haben diesen beiden Punkte auch eine ursächliche Rolle für unseren Freundschaft. Doch in meiner Welt habe ich alles vorbereitet um ihn als Teil meines Lebens werden zu lassen. Ich habe die Konsequenz und die Werte entwickelt, die ich für richtig hielt. Ich habe aufgehört meine Zeit mit Nichtigkeiten zu verschwenden und mich mehr mit meinem Selbst beschäftigt. Ich habe mich in dieser Zeit aktiv zu dem Menschen geformt, der ich sein musste, damit ich überhaupt einen Gewinn für meinen besten Freund sein kann.

Ich habe Kontakte abgeblockt und stark gefiltert, abgewogen, welche Menschen ich in mein Leben lasse. Dass ich mich mit meinen Entscheidungen zu diesem Menschen, der ich bin, geformt habe, ist der Grund, weshalb ich einen wirklich besten Freund habe.

Es folgt noch ein weiteres Beispiel, für die Frauen unter meinen Lesern.

Viele Frauen, mit denen ich mich unterhalte, leben das Leben einer frustrierten Single-Frau. Oft höre ich, dass es keine guten Männer gibt, dass sie nur von den Falschen angegraben werden. Ich erlebe, dass viele Frauen sich “zufrieden geben”. Ein ehrlicherer Ausdruck dafür ist, dass sie sich damit arrangieren, dass ihre Ansprüche nicht erfüllt werden.

Eine Gegenfrage, die ich stelle, ist: Was tust du um einen Teil des Lebens eines guten Mannes zu werden?

  • Wenn dir wichtig ist, dass der Mann Humor hat, bist du tatsächlich so schlagfertig und witzig, dass ein solcher Mann eine Unterhaltung mit dir genießt?
  • Wenn dir wichtig ist, dass der Mann gebildet ist, bildest du dich deinerseits entsprechend, dass ein solcher Mann mit dir diskutieren will?
  • Wenn dir wichtig ist, dass der Mann dich attraktiv findet, was tust du dafür, dass dein Körper gesund und fit ist?
  • Wenn dir wichtig ist, dass der Mann dich für voll nimmt, was tust du dafür, dass du dich zu einem vernünftigen und vollwertigen Menschen entwickelst?

Für die Frauen, die das Problem haben, dass es keine guten Männer da draußen gibt: Könnt ihr wirklich behaupten, dass ihr einen solchen Mann verdient? Ist euer Selbst genug oder wollt ihr euch nur an dem Wert des Mannes laben.

Ich kann nicht anders als mich für genug zu halten. So wie mein bester Freund eine Bereicherung für mein Leben ist, bin ich eine Bereicherung für sein Leben. Wäre ich das nicht, wäre ich ein sozialer Parasit und das will ich nicht sein.

Meine Überlegungen haben mich etwas vom eigentlichen Gedanken weggeführt. Es ist nicht der Einklang der Bereiche des Selbst auf dem Weg der Vervollkommnung, der zum Glück aus sich selbst heraus führt. Es ist der Weg der Vervollkommnung selbst, der dazu führt, dass man wenigstens die Voraussetzungen dafür schafft, dass man glücklich wird. Weil das Selbst der am ehesten kontrollierbare Teil der Welt ist, liegt auch hier die größte Verantwortung.

In der Vervollkommnung liegen mindestens Voraussetzungen für die Aspekte des Glücks, die ich als Beispiele verwendet habe. Es geht dabei um die Frage: Bin ich für meine Welt ein Wert? Diese Frage kann nur derjenige bejahen, der aus sich selbst einen vollwertigen Menschen macht. Nur derjenige, der sich auch als Wert für seine Welt betrachtet, steht dieser Aspekt des Lebensglücks überhaupt offen. Wer dies nicht sieht, kann nur davon ausgehen, dass er ein parasitäres Selbst ist. Das macht nicht glücklich.

Was heißt es also, dass das Selbst sich als Ursache für das Glück, dass es empfindet, setzt? In dem es sich selbst als Wert für die Welt annimmt, kann es behaupten: Ich verdiene Glück.

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Das Leben frisst mich

Ich werde in nächster Zeit sehr wenig Zeit haben. Man kann es schon an der abnehmenden Qualität der Beiträge erkennen. Ich schreibe zur Zeit ein Buch über Ernährung und das nimmt so viel Energie, dass mir die geistige Kapazität fehlt in alter Häufigkeit Beiträge für Donner & Pflicht zu formulieren. Ich mache mir zur Zeit wesentlich mehr Gedanken zu enzymatischen Kaskaden als zur Philosophie. Deswegen werde ich in nächster Zeit meine Beitrage auf Sonntags beschränken, dann aber die Qualität meiner Beträge wieder anheben.

Übersicht: Anleitung zum guten Leben

Manchmal habe ich das Gefühl, dass bei diesem Blog aus dem Blick gerät, dass das erklärte Ziel dieses Blogs eine zusammenhängende Anleitung zum guten Leben werden soll. Deswegen will ich heute eine vorläufige Inhaltsübersicht veröffentlichen um diesen Punkt präsent zu halten.

Ich gehe vom Selbst aus. Aus der ureigensten Erfahrung, die ich hoffentlich mit jedem teile: Jeder von uns trifft die Unterscheidung zwischen dem Selbst und allem anderen. Ich überlege, ob ich mich damit in die Tradition von Decartes begebe und cogito ergo sum behaupten muss. Das heißt für mich, dass ich mich mit den Problemen dieser Position auseinandersetzen werde.

Ich werde das Selbst in seine Bereiche (Subsysteme) einteilen und diese Einteilung rechtfertigen.

Danach werde ich mich mit einem wichtigen Teil beschäftigen, der sich mit der anfänglich getroffenen Unterscheidung beschäftigt. Wenn ich zwischen meinem Selbst und allem anderen Unterscheide. In welchem Verhältnis stehen dann Selbst und alles andere?

Diese Unterscheidung selbst ist schon ein Erkenntnisakt. Von diesem Punkt aus werde ich die beiden Begriffe Sein und Erkenntnis ins Verhältnis setzen, denn genau darum geht es.

Ab hier ist ein relativ theoretischer Teil abgeschlossen. Es ist die Spielwiese, auf welcher ich dann den praktischen Teil entfalten werde. Ich spanne diese Wiese als Verhältnis von Selbst und Welt auf.

Danach werde ich mich mit der Moralität selbst beschäftigen. Warum sollte man sich überhaupt mit ihr beschäftigen? Was bedeutet es sich mit ihr zu beschäftigen? Hier findet die grundsätzliche Weichenstellung statt. Ist ein moralisches, ein gutes, Leben ein Leben um glücklich zu sein oder gibt es andere Zwecke im Leben. Welche Konsequenzen hat diese Entscheidung?

Wenn man zu einer Entscheidung gekommen ist, was der persönliche Zweck des Lebens ist, dann stellt sich die technische Frage, wie das Selbst gestaltet werden muss um diesen Zwecken entsprechen zu können. Das führt uns in das Reich der Tugenden. Welche Tugenden sind wichtig um ein gutes Leben zu führen?

Soweit der praktisch-philosophische Teil

Danach ist die einzige Lücke, die ich sehe, der praktisch-technologische Schritt seine Zwecke zu erreichen. Eine prominente Frage wird sein, wie man seine Tugenden ausprägt. “Sei mutig!” ist kein besonders hilfreicher Ratschlag. Wie sehr ich in diesem Teil ins Detail gehen werde, steht noch nicht fest. Einerseits ist dieser Teil unentbehrlich. Andererseits ist dies keine philosophische Frage.

Das Inhaltsverzeichnis sieht dann so aus:

  1. Das Selbst
  2. Sein und Erkenntnis
  3. Moralität
  4. Tugenden
  5. Methoden der Vervollkommnung
  6. Körper
  7. Geist
  8. Seele

Das Leben ausbalancieren

Heute will ich nur ein Video teilen. Nehmt euch 40min Zeit und seht euch folgendes Video an. Ab 11:30 geht es bei diesem Video um Regeneration und das Verhältnis dieser zu Anstrengung. In den nächsten Tagen werde ich das Thema Vervollkommnung etwas ruhen lassen und mich auf ein Modell konzentrieren, mit welchem man sich bezüglich der Anforderungen des Lebens orientieren kann. Es bildet ein drei Zonen aus Unterforderung, Forderung und Überforderung. Es wird das erste Werkzeug sein, dass ich hier veröffentlichen werde.

Harmonisierung der Vervollkommnung

Ich wurde häufig mit der Frage konfrontiert, warum ich so viel Sport mache. Ich halte die körperlichen Mittel zur Vervollkommnung für sehr effektive Mittel und in diesem Post will ich erklären warum.

Harmonisierung ist ein mächtiges Mittel der Vervollkommnung. Unsere Lebenszeit auf der Erde ist begrenzt. Findet man einen Weg durch zur gleichen Zeit mehrere Bereiche seines Selbst zur Vervollkommnung zu bringen, hat man viel gewonnen. Durch intentionale Anreicherung von Situationen kann man dies wenigstens dem Anspruch nach erreichen. Was ist intentionale Anreicherungen? Intention heißt Absicht. Man reichert also Situationen mit Absichten an.

Viele verbinden mit sportlichem Training nur die Verbesserung des Körpers. Sie würden also den Gang zum Boxverein der körperlichen Vervollkommnung zuordnen. Doch er kann viel mehr als das sein.

Wer sich mit dem Boxen intensiver beschäftigt, wird auf die Behauptung “Boxen ist Schach mit den Fäusten” stoßen. Ob man nun die Komplexität von Schach und Boxen vergleichen kann, sei dahingestellt. Was aber stimmt ist, dass man beim Boxen sehr viel davon hat, sein strategisches Verständnis zu verbessern. Außerdem nützt es einem viel, wenn man seine Fähigkeit Muster zu erkennen ausprägt. Man versteht schneller, wie man seinen Fuß dreht um die Hüfte zu drehen um den Schlag härter und schneller werden zu lassen. Man versteht, warum man sich in der Ringmitte aufhalten sollte und nicht an die Seile gedrängt boxt. Wenn man Neugier als Offenheit des Geistes auffasst, dann ermöglicht es einem ein guter Geist den Anweisungen des Trainers aufmerksam zu sein. Mit einem guten Geist wird man besser im Boxen. Man kann das Boxtraining benutzen um seinen Geist zu trainieren.

Ebenso kann man seine Seele durch das Boxtraining zur Vervollkommnung bringen. Sich in den Ring zu stellen erfordert so einiges. Man muss sich gegen die lockenden Alternativen wehren, die sich einem sehr schnell auftun. Man könnte auch mit Freunden Eis essen, anstatt sich in eine Situation zu begeben, in welcher man womöglich verletzt wird und sehr wahrscheinlich Schmerzen ertragen muss. Nicht umsonst gibt es jede Menge Motivationsvideos, in welchen verschiedene Sportler vorbildhaft sich selbst überwinden und sich trotz aller Gründe weiter in Richtung ihrer Ziele werfen. Sport kann den Charakter bilden. Warum habe ich dann den Begriff der intentionalen Anreicherung verwendet?

Ich habe ihn verwendet, weil es auch ohne alle dieser geistigen und seelischen Aspekte möglich ist Sport zu treiben. Man kann sich lustlos in ein Fitnessstudio schleppen, seinen Geist und seine Seele so abschalten, wie man es in einer Anstellung am Fließband machen würde. So trennt man Geist und Seele vom Körper ab. Man wird selbstverständlich seinen Körper ein kleinwenig verbessern, obwohl mit Neugierde, Aufmerksamkeit und Durchsetzungswillen auch der körperliche Aspekt des Trainings stärker werden würde. Der größte Verlust ist jedoch die Trennung von Geist und Seele. Man muss sich aktiv für eine Anreicherung entscheiden, muss sich aktiv für einen Einklang der Aspekte seines Selbst einsetzen.

Man hat so viel mehr vom Leben im Sinne der Vervollkommnung, wenn man die Bereiche seines Selbst zum Einklang bringt, so dass alle Handlungen über alle drei Kanäle laufen. So gewinnt man immer in allen drei Bereichen.

Auch das Lebensglück profitiert von diesem Einklang. Bringt man die drei Aspekte seines Selbst zur gleichen Ausrichtung und führt alles zugleich zur Vervollkommnung, erfährt man das Gefühl eins mit sich zu sein. Man erlebt, wie es ist, wenn man sich der Situation völlig bewusst ist und spürt sehr direkt, wie das Selbst wächst und gedeiht. Es ist das Gefühl, dass man das richtige Leben führt. Das ist unheimlich beruhigend und vermittelt Sicherheit, so dass man mehr in sich ruht.

Das Glück, das man empfindet, hat nicht gleichen Charakter als würde man sich besaufen und mit seinem Kumpels Playstation spielen. Ich behaupte, dass es viel fundamentaler ist, weil es nicht nur die primitiven Bereiche des Gehirns stimuliert und das Glücksempfinden mit eine Handlungen und Situationen verbunden werden (Besoffen mit Freunden). Man erhält die Möglichkeit das Glück mit sich selbst zu assoziieren. Man erhält die Möglichkeit sich selbst genug zu sein, wie Nietzsche sagen würde. Deswegen rechne ich dem körperlichen Bereich große Bedeutung zu, denn hier ist es leicht die anderen Bereiche mit einzubeziehen, während Situationen mit geistiger oder seelischer Vervollkommnung eher schwer mit der körperlichen Vervollkommnung in Einklang zu bringen sind.

In welchem Verhältnis man die Situationen seines Lebens gestaltet ist natürlich dem eigenen Ermessen überlassen. Ich sehe keine Rechtfertigungsmöglichkeit zu bestimmen, welches Verhältnis von Körper, Geist und Seele bei der Vervollkommnung anzustreben ist. Weil der körperliche Aspekt so viel Potential hat eben auch den anderen Bereichen zu Wachstum zu verhelfen, halte ich es für einen Fehler diesen Bereich zu vernachlässigen.

Es geht über das Sprichwort “Mens sana in corpore sano” hinaus. Ich formuliere dies als Imperativ:

Lass’ deinen Körper Abbild eines gesunden Selbst sein.

Donner und Pflicht hat sich entwickelt

Doch wohin? In diesem Beitrag will ich relativ frei und ungefiltert meine Reflektionen über dieses Projekt teilen.

Ich bin überrascht, wieviele Besucher dieses kleine Projekt hat. Es scheint doch mehr Relevanz für einige Menschen zu haben, als ich gedacht habe. Eigentlich habe ich das Projekt so geplant, dass ich mir mit diesem Blog die Selbstverpflichtung auferlegen wollte, einmal pro Woche wenigstens einen Text zu schreiben, der mit Philosophie zu tun hat. Momentan konzentriere ich fast meine ganze geistige Energie auf andere Projekte. Philosophie sollte nicht zu kurz kommen.

So wie ich in der Anleitung auch geschrieben habe, soll hier eine stimmige Anleitung zum guten Leben entstehen, doch der Enstehungsprozess, war von mir anders vorgestellt. Ich interagiere mehr mit Lesern als ich dachte. Das erste Mal hat mir jemand für mein Schreiben gedankt. Ein seltsames Gefühl.

Gestern habe ich mich mit einer Frau unterhalten, der ich geholfen habe Klarheit über ein Problem in ihrer Beziehung zu finden. Dabei habe ich die gleichen Paradigmen verwendet, die ich auch in Donner und Pflicht verwende. Ich legte keine Grundwerte fest, sondern decke nur mögliche Widersprüche als Punkte des Lebens auf, wo man sich einer Entscheidung bedienen muss. Sie hat sich viel Zeit zum Nachdenken genommen und hat dann festgestellt, dass sie viel an sich selbst arbeiten muss. Ich war erfreut und überrascht, dass ich einen Menschen dazu anregen konnte, an sich selbst zu arbeiten und das Leben mit der Tugend der Proaktivität anzureichern.

Mir scheint, dass ich mit Donner und Pflicht ein Projekt gestartet habe, dass Wirkung auf Menschen hat. Dass ich vermehrt positives Feedback von meinen Lesern erhalte, weicht meine Position auf, dass die Reaktion auf meine Grundhaltung zum Leben vor allem in der Intensität meiner Persönlichkeit liegt (ich bin sehr leidenschaftlich; mein bester Freund sagt, dass ich chronisch und auf eine fröhliche Art wütend bin).

Ich habe den Sinn meines Lebens als die Vervollkommnung meines Selbst gesetzt. Das ist die zentrale praktische Relevanz von Philosophie, wie ich sie verstehe. Deswegen werde ich über kurz oder lang ein Thema in den Kanon von Donner und Pflicht aufnehmen, dass ich noch am Anfang ausgeschlossen habe. Wo ich früher nur das Sollen, die moralische Vorschrift, als Thema zugelassen habe, werde ich über kurz oder lang auch Methoden des moralischen Lebens aufnehmen. Es geht dabei um die Art des Lebens um sein Selbst zur Vervollkommnung zu bringen. Das heißt, dass ich im übertragenden Sinne Trainingsübungen zur Selbstvervollkommnung präsentieren werde.

Fast wie von selbst entsteht gerade ein vorläufiges Inhaltsverzeichnis für Donner und Pflicht als Buch. Die Artikel summieren sich allmählich zu einer ansehnlichen Textmenge auf. Ich freue mich auf ihrer Basis meine Anleitung zum guten Leben zu formulieren. Eine Anleitung, die dieser Bezeichnung würdig ist. Anleitend und nicht vorschreibend.

Im nächsten Jahr wird Donner und Pflicht, so weit ich absehen kann, die gleiche Priorität haben wie jetzt. Meine heimliche Fantasie ist es, mich durch dieses Projekt irgendwie in eine Sendung zu schummeln um einmal gegen Precht in aller Öffentlichkeit zu wettern. Ich würde über ihn herfallen wie die Heuschrecken über die Ägypter. Soweit mein Größenwahn.

Im nächsten Post wird ein weiteres Mal um Vervollkommnung gehen. Es wird um die Frage gehen, wie Situationen mit Absichten angereichert werden können, so dass man gleichzeit an mehr als an einem Bereich des Selbst arbeiten kann.

Alle Bereiche des Selbst sind wichtig

Im letzten Post habe ich meinen eigenen Weg zur Vervollkommnung als Beispiel gewählt um zu illustrieren, wie so etwas in der Anwendung aussehen soll. Eine Anschlussfrage ist: Warum sind alle Bereiche gleichermaßen wichtig? Ich formuliere zunächst formal: Alle Bereiche des Selbst sind wichtig, wenn man sein Selbst zur Vervollkommnung bringen will.

Meine erste Begründung ist, dass man in keinem Bereich wirklich exzellent sein kann, wenn man in mindestem einem anderen erhebliche Defizite hat. Die verschiedenen Bereiche des Selbst sind dicht miteinander vernetzt. Wenn ich nicht an meinem Körper arbeite und ihn zur Vervollkommnung bringe, kann ich emotional nicht gut funktionieren. Das scheint erstmal widersprüchlich, wenn man sich den großen Mut vieler Todkranker ansieht, die im Angesicht des körperlichen Verfalls sogar die Angehörigen trösten. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es bei der Vervollkommnung um einen Prozessbegriff handelt. Das heißt nicht, dass man einen vollkommenen Körper braucht um eine vollkommene Seele zu haben. Man muss aber auch an der Vervollkommnung seines Körpers arbeiten um sich seelisch zur Vervollkommnung zu bringen. Wie kann man den Widerspruch zu den Todkranken auflösen?

Ein Patient mit Krebs im Endstadium ist zwar in einem verfallenden Körper gefangen, doch in dem Augenblick kämpft er um das Überleben. Wie könnte man sich stärker zur Vervollkommnung bringen? Welcher gesunde Mensch kann diese innere Stärke nachempfinden, die man braucht um gegen den Tod zu kämpfen? Ein Krebspatient, der um sein Leben kämpft, bringt seinen Körper mit aller Macht zur Vervollkommnung und zwar innerhalb seiner Möglichkeiten. Die umfassen zwar keinen Marathonlauf, doch gerade dieser Akt der Anstrengung ermöglicht es dem Krebspatienten die seelische Größe zu entwickeln für seine Angehörigen da zu sein, obwohl er es ist, der stirbt.

Im Bereich des Geistes ist es leicht nachzuvollziehen. Wenn man sich nicht bemüht seine geistigen Kapazitäten zu erweitern, scheitert man kognitiv daran seinen Körper und seine Seele zur Vervollkommnung zu bringen. Wenn man nicht bereit ist sein Verständnis vom Körper zu verbessern, stehen einem keine besseren Trainings- und Ernährungsmöglichkeiten zur Verfügung. Wenn man nichts von der Möglichkeit des Unbewussten wissen will, dann kann man nicht mitbedenken, dass einige Motivationen nicht direkt zur Verfügung stehen. Man wird andere Menschen und sich selbst nicht so gut verstehen können, dass man wohlwollendes Verständnis für sie oder sich selbst aufbringen kann, auch wenn man selbst oder andere sich nicht gemäß der eigenen Ansichten von richtig und falsch verhalten. Neugier ist der hier als Beispiel verwendete Aspekt der geistigen Vervollkommnung.

Wenn man seine Tugenden nicht ausbildet, ist man psycho-emotional nicht in der Lage den Widerständen der Vervollkommnung standzuhalten. Man muss hart gegen sich selbst sein können, wenn man wirkliche körperliche Vervollkommnung erreichen will. Genauso muss man sich gegen die Angst vor Neuem wehren und der wohligen Vertrautheit des Bekannten widerstehen, wenn man neues dazulernen und seine Neugier als wichtigen Aspekt des Geistes wach halten will.

Man sieht also sehr deutlich, dass alle Bereiche des Selbst so miteinander zusammenhängen, dass sie sich gegenseitig bedingen. Kein Bereich funktioniert gut ohne den anderen.

Die zweite Begründung ist banaler. Selbst wenn die Bereiche des Selbst für sich stehen, sind sie trotzdem Teilbereiche des Selbst für dieses Modell. Man wird natürlich dort die besten Steigerungsmöglichkeiten finden, wo das Potential am wenigsten ausgeschöpft ist. Vernachlässigt man einen Bereich, werden die Chancen sein Selbst in diesem Bereich zur Vervollkommnung zu bringen immer weiter steigen. Selbst wenn man es irgendwie geschafft hat geistig und seelisch starke Entwicklungen zu erreichen, kann man schon mit geringer Anstrengung große Fortschritte bei dem kränklichen und schwachen Körper erreichen, den man zwangsläufig hat, wenn man sich nicht um diesen kümmert. Kränklich und schwach ist natürlich immer in Relation zum angelegten Potential zu verstehen.

Gemäß der ersten Begründung wird man hier mit sehr geringem Aufwand den rückständigen Bereich seines Selbst verbessern können, diese Verbesserungen kommen sogar noch die weiter entwickelten Bereichen zu gute.

Also: Vernachlässige keinen Bereich deines Selbst, wenn du dich für den Weg der Vervollkommnung entschieden hast. Du stündest dir so nur selbst im Weg.

Wie vervollkommne ich mich?

In diesem Beitrag gebe ich mich selbst als Beispiel. Ich bin selbstverständlich nicht vollkommen. Ich bin noch nicht die Version meiner Selbst, die ich selbst sein will. Doch beanspruche mich auf den Prozess der Selbstvervollkommnung eingelassen zu haben. Daher will ich ein bisschen von meinem Leben schreiben um ein Beispiel zu geben, wie so etwas aussehen kann.

Ich unterteile mein Leben grob in drei Bereiche.

  1. Körper
  2. Geist oder auch Verstand
  3. Seele oder auch Emotion

Ich kann dieses Modell zunächst noch nicht ganz begründen, doch ich ich vertraue zunächst darauf, dass dieses Modell wenigstens nachvollziehbar ist.

Ich bemesse der Körperlichkeit einen großen Wert, weil sie alle Fundamente für die anderen Bereiche legt. Selbstverständlich geht dies nicht nur in eine Richtung. Wenn ich psychische Probleme habe, dann können sich diese auch körperlich manifestieren. Schließlich gibt es den großen Bereich der Psychosomatik. Ich organisiere mein Lebensmodell nur von dieser Seite aus.

Ich will im Leben also den vollkommsten Körper, den vollkommensten Geist und die vollkommenste Seele haben, die mir möglich ist. Das schließt nur die Gegenwart und die Zukunft ein und Vergangenheit kann etwas ausschließen. Wenn jemand aufgrund eines Autunfalls querschnittsgelähmt ist, kann er selbstverständlich keinen Marathon mehr laufen. Doch er kann auf Basis des ihm jetzt Gegebenen (Gegenwart) seinen Körper zu Vervollkommnung führen (Zukunft), was immer das auch heißen mag. Es hängt eben davon ab, was möglich ist.

Gleiches gilt für geistige und seelische Beschränkungen. Eine Kopfverletzung, eine psychische Störung und Ähnliches schränken vielleicht ein, aber sie verhindern nicht, dass man das Beste aus den Anlagen macht, die man in diesem Augenblick hat.

Ich habe mich für den sportlichen Weg eines Generalisten entschieden, wobei ich momentan zu einer schwerathletischen Version dessen tendiere, was ich mir vor einigen Jahren vorgestellt habe. Mein Weg der Vervollkommnung bedeutet, dass ich mit meinem Training in vielen Bereichen gute Fähigkeiten und Fertigkeiten erwerbe anstatt mich auf weniges zu konzentrieren. Das heißt für mich momentan, dass ich zum Fundament Maximal- und Schnellkrafttraining absolviere. Dazu mache ich Sprint- und Explosivkrafttraining mit dem Medizinball und dem eigenen Körpergewicht. Damit verbessere ich meine Bewegungseffizienz und die Fähigkeit meinen Körper (z.B. Klimmzüge) und Objekte in meiner Umwelt (z.B. Kniebeuge mit der Hantel auf dem Rücken) zu bewegen. Ich organisiere dieses Training vor allem um Anpassungen meines Nervensystems herum.

Desweiteren betreibe ich Kampfsport (Boxen und Bodenkampf im weitesten Sinne, wobei ich mich momentan ausschließlich auf Boxen konzentriere, weil ich mit meiner Zeit haushalten muss) und trainiere meine Ausdauer mit intensiven Intervall- und Zirkeltrainings.

Neben dem Sport ernähre ich mich sechs Tage pro Woche nach einer abgewandelten Paläoernährung und faste einmal pro Woche. Sonntags esse ich dann auch mal nur nach Geschmack. So kann ich hier dem sozialen Charakter des Essens entsprechen (auch mal mit Freunden weggehen) und habe eine höhere Motivation während der nächsten sechs Tage eventuellen Versuchungen zu widerstehen.

Meinen Geist bringe ich zur Vervollkommnung durch den Weg des Schreibens, weil ich schon früh mit Schrift in Kontakt gekommen bin. Ich bin ehemals leidenschaftlicher und aktuell sporadischer Weltenbastler. Ich habe einige Jahre E-Bass gespielt, wobei dies nicht mehr Teil meines Lebens ist, weil ich dem Musizieren nicht so zugeneigt bin, wie dem Schreiben und ich mich auch um die anderen Bereiche meines Lebens kümmern muss. Ich studiere Philosophie und beschäftige mich mit Systemtheorie und der Denkensweise, die daraus folgt.

Wenn man es auf die Fähigkeit reduziert, die durch einen vollkommenen Geist zur Verfügung stehen, kann ich folgende Ziele angeben:

  • Die Fähigkeit Systeme zu erkennen und zu verstehen (Systemisches Denken)
  • Die Fähigkeit Gründe für oder gegen eine Sache zu erkennen und zu finden (Philosophie)
  • Die Fähigkeit Modelle zu erschaffen (Kreativität)

Selbstverständlich könnte ich das auch mit Musik erreichen, doch es ist eben nich der Weg, für den ich mich entschieden habe.

Was ich unter einer vollkommenen Seele verstehe ist mir noch nicht ganz klar. Ich habe hier meine größten Lücken, denke ich. Unter Seele fällt der ganze Bereich der Moral Tugend. Ich nehme mir zwei Tage pro Woche Zeit an diesem Aspekt zu arbeiten. Unter anderem habe ich dafür auch angefangen an diesem Blog zu schreiben. Soweit ich abschätzen kann, sind Gefühle wie Glück und das “im Reinen mit sich sein” Anzeichen dafür, dass man erfolgreich diesen Bereich zur Vervollkommnung bringt. Dem letzten Aspekt messe ich die zentrale Bedeutung bei, weil ich der Moral eine so große Bedeutung für mein Leben zuschreibe. Ausprägungen von Tugenden wie beispielsweise Treue oder Ehrlichkeit gehören für mich zu zentralen Aspekten meine Seele.

Ich denke, dass es für jeden einen eigenen Weg gibt, aber die Bereiche universell für jeden gelten. Ist jemand blind, ist Musik vielleicht der geeignetere Weg als zu Schreiben. Jeder hat seine individuellen Stärken und Schwächen. Es ist durchaus vernünftig seinen Schwächen erstmal den Großteil der Zeit zu widmen. Meiner Meinung nach ist die körperliche Seite bei den meisten Menschen stark unterrepräsentiert. Dabei kann man hier große Erfolge mit relativ wenig Arbeit erreichen und auch die anderen Bereiche profitieren sehr davon. Nicht nur, dass man mit einer guten Ernährung und gutem Training ein gesundes Gehirn erhalten kann. Tugenden wie Hartnäckigkeit, Durchsetzungsvermögen, Disziplin und sogar emotionalen Ausgleich kann man hier finden. Sich erst geistigem und seelischem Training auszusetzen ist der sehr viel schwerere erste Schritt zur Vervollkommnung.

Ich will aber nicht darauf hinaus, dass es erstmal um das Körperliche geht. Hier ist nur eine Haltung am leichtesten zu erkennen, die ich sehr traurig finde. Menschen geben sich mit dem zufrieden, der sie sind. Sich selbst anzunehmen und zu akzeptieren, dass man da steht, wo man sich eben jetzt befindet, ist ein wichtiger Schritt. Es ist aber nur der Erste. Leider ist das vielen Menschen genug. So bleiben so viele unglaublich weit unter ihren Möglichkeiten.

Dieser Weg ist nicht leicht, aber ich denke, dass ihn eigentlich jeder bestreiten will.

Selbstporträt von Frauen

Heute will ich einen Beitrag von FrauTV der Analyse unterziehen. Im Groben geht es dabei um einen kritischen Beitrag zum Thema Pickup[link]. Ich werde dabei so vorgehen, dass ich einige Äußerungen in diesem Beitrag auf ihre Konsequenzen hin untersuchen werde. Zum Pickup selbst als auch zu den Äußerungen des hier als Strohpuppe verwendetem PUA (Pickup Artist) beziehe ich hier keine Stellung. Das wird in einem weiteren Beitrag folgen.

Was zunächst an der Sendung auffällt ist, dass sie sehr “weiblich” gehalten ist. Viele Pink- und Rosatöne und eine mir als Frauenmusik anmutende Titelmelodie. Weil ich sehr heteronorm erzogen worden bin, verlasse ich mich da auf mein Urteil.

Das ist ein Punkt, der mir erstmal emotional aufstößt, weil diese Sendung schon den Eindruck vermittelt für Frauen zu sein – nur dass hier Klischees verwendet werden, die eigentlich immer als Mittel der Unterdrückung von Feministen angegriffen werden. Von diesem Eindruck aus wirkt die Sendung für mich allein von der Aufmachung her anti-feministisch.

Kommen wir nun zu einigen Äußerungen.

“Männer haben es schwer mit uns Frauen, das geben wir ja zu, aber das ist kein Grund den Weg zurück in die Steinzeit anzutreten und alles mitzunehmen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, finden wir.”
  1. Männer haben es schwer mit Frauen. Was soll dieser Satz? Da schwingt das Selbstverständnis mit, dass man mit Frauen nur unter Anstrengung Umgang haben kann. Das ist erstmal ein defizitäres Selbstbild. Als Frau ist man unangenehm im Umgang.
  2. Männer können alles mitnehmen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist? Männer sind die Subjekte, die Frauen “nehmen”? Die Frau wird hier in eine Passivität gedrängt, die sie zum Objekt degradiert.

Man setze sich einen Augenblick sicher hin und lasse diesen Anfangssatz sacken. Die Moderatorin degradiert in diesem einen Satz Frauen als lästige Objekte. Vor dem Hintergrund, was ich als moralische Subjekte und Objekte verstehe, ist das ein krasser Minderwertigkeitskomplex, der über Medien transportiert wird. Frauen sind hier als die moralischen Objekte dargestellt, als die man behinderte Menschen verstehen kann. Sie sind leidensfähig, unvernünftig und deswegen bedürfen sie einer besonderer Fürsorge und Umgehensweise.

Das ist kein Frauenbild, dass ich annehmen möchte.

„Push and pull“ ist eine Methode der manipulativen Tricks, die ganz bewusst natürlich weibliches Verhalten ausnutzt: Anlocken, abweisen, loben, erniedrigen, diese ständige Ambivalenz verunsichert die Frau, der Mann rückt in den Mittelpunkt ihrer Gedankenwelt, da sie ja nicht versteht, was er von ihr will. Und typisch weiblich ist es dann, genau in diesen Mann zu investieren. Er ist ja anders als alle anderen, glaubt die Frau und will ihn ergründen.

Natürlich weibliches Verhalten? Wenn eine Frau auf diese einfache Technik so gut hereinfallen, weil es ihr natürlich weibliches Verhalten auslöst, ist diese Frau hochgradig defizitär. Scheinbar gibt es eine ganz einfache Bedienanleitung für Frauen. Man muss diese nur lesen und schon kann man sich in den Mittelpunkt ihrer Gedankenwelt bringen. Ich denke, dass es unstrittig ist, dass eine wirklich vollwertige Frau nicht so primitiv und simpel ist, dass es für sie eine derart einfach Bedienungsanleitung gibt. Das ist aber eben das, was Voraussetzung für diesen Beitrag ist. Es ist ein primitives und simples Frauenbild.

Deswegen habe ich diesen Beitrag als passend ausgesucht. Es ist genau das, was ich in “Schäme dich, Weib!” ausdrücken wollte: lupus est homo homini. Hier degradieren sich Frauen selbst und gegenseitig. Zu allem Überfluss wird so eine Selbstunterwanderung auch noch medial verbreitet. Der Anstrich voller Rosa und Klischee vermittelt den Eindruck “pro Frau”, obwohl das einer der Gründe ist, warum Frauen es in der heutigen Gesellschaft unnötig schwer haben.