Die Welt ist ein Witz voller Rempler

Heute will ich nur kurz über einen Gedanken schreiben, den ich heute mit zwei quasi Fremden geteilt habe. Die beiden schienen von der Idee angetan zu sein, obwohl die Umsetzung nicht ganz klar schien.

Ein Grund, weshalb ich diesen Blog gestartet habe, war ehemals das, was ich im “About” als Donner bezeichnet habe. Der Blog sollte Ausdruck meiner Wut sein, denn ich wusste und weiß oft nicht wohin mit dieser. Ungerechtigkeit, Rücksichtslosigkeit und Gleichgültigkeit sind Dinge, die mich wirklich zur Weißglut bringen.

Das geht soweit, dass ich das Verhalten in der Fußgängerzone oder in der Unihalle der Passanten derart lächerlich finde, dass ich jeden Einzelnen von ihnen an seinem eigenen Gedärm aufhängen will (auf Russisch klingt das sehr plastisch. Falls einige dieser Sprache mächtig sind, wissen sie hoffentlich, was ich meine).

In Bielefeld hat sich folgendes Verhalten verfestigt: Die Menschen gucken einen an, erkennen, dass man sich auf Kollisionskurs befindet, weichen aber kein bisschen aus. Sie ignorieren einen und weichen entrüstet erst im letzten Augenblick aus. Ich empfinde dieses Verhalten als unglaublich belästigend. Ich gehe einige Meter und inbesondere beim Erkennen des Kollisionskurses leicht (ungefähr die Hälfte der nötigen Strecke) aus und drehe mich leicht ein. Das scheint nicht zu reichen.

Oft bin ich mit dem Gedanken “Den nächsten Wichser erwürge ich.” herumgelaufen. Ich habe meine Wut als gerechtfertigt empfunden und ein bisschen ist das immer noch so. Für mich ist es ein wichtiger Charakterzug von mir, dass ich emotional berührt bin, wenn ich Dinge sehe, die ich für unmoralisch halte, selbst wenn es um so Kleinigkeiten geht.

Heute bin nach wie vor emotional berührt, fasse aber meinen oben genannten Gedanken wörtlich: Es ist lächerlich. Ich lache nur noch über so ein Verhalten. Wo ich früher Gewitterwolken über dem Kopf und Donnerkeile in den Händen hatte, macht mich so ein Verhalten wirklich glücklich.

Wenn mich jemand umrennt, es nicht schafft auszuweichen, weil er zu stumpf ist, irgendwie auf die Umwelt zu reagieren und so etwas wie Rücksicht zu zeigen – das muss keine Bosheit sein, Stumpfheit reicht – ich lache nur noch. Die Welt ist für mich zur Komödie geworden.

Wie habe ich das gemacht? Im wahrsten Sinne des Wortes war das hartes Training für mich. Auf der einen Seite will ich mir nicht vorheucheln, dass die Welt ein schöner Ort ist. Ich will den Leuten auch nicht unterstellen, dass sie mich vielleicht nicht gesehen haben oder andere Ausreden und Rechtfertigungen für sie bereit halten. Auf der anderen Seite halte ich es nicht für rational mir die Laune zu verhageln und mich damit von der Stumpfheit der anderen (fremd-)steuern zu lassen.

Ich habe angefangen gegen mein Bedürnis zu lachen. Ich habe mich bei jedem noch zu kleinstem Zwischenfall gezwungen das ganze als Witz zu sehen. Ich habe bewusst angefangen die Welt, so wie sie jetzt ist, einfach als Witz zu betrachten.

Ich weiche nach wie vor nur zur Hälfte aus und werde nach wie vor von stumpfen Leuten angerempelt oder ganz entrüstet angesehen, dass ich als Teil der Umwelt vorhanden bin. Ich lache aber bloß noch. Ich lache, weil ich es mir zur Gewohnheit gemacht habe, erst zu lachen. Und es wirkt. Ich gehe nun unbekümmerter durch die Welt.

Ich sage mir, die Welt ist schon unmoralisch genug. Aber davon lasse ich mich nicht mehr steuern und meine Laune bestimmen. Wie im vergangenen Post beschrieben ist glücklich sein eine wichtige Voraussetzung für die Vervollkommnung und die nehme ich mir jetzt.

Vervollkommung und glücklich sein

Vervollkommnung muss glücklich machen. Glücklich zu sein gehört zu den wichtigen Voraussetzungen der psychischen Gesunderhaltung.

Das heißt im Mindestfall Selbsterhaltung. Wenn der Prozess der Vervollkommung nicht gewährleistet, dass man so glücklich ist, dass die psychische Selbsterhaltung nicht gewährleistet ist, wird auch die Vervollkommung scheitern. Die Psyche als Teilaspekt des Selbst bricht zusammen. Das äußert sich dann in einer psychischen Störung, was man hier besser als einen gestörten Zustand der Psyche bezeichnen sollte. Depression, drückende Einsamkeit, sexuelle Frustration können Ausprägungen einer Fehlinterpretation von Vervollkommnung sein.

Psychische Gesundheit ist ein sehr wichtiger Aspekt eines guten Lebens. Egal, welche Zwecke du in deinem Leben gesetzt hast, Gesundheit ist die Voraussetzung. Gesundheit bedeutet im schwachen Fall, Selbsterhaltung. Ist diese nicht gewährt, bist du nicht mehr. Wie willst du ein gutes Leben führen, dein Leben und dein Selbst zur Vervollkommnung bringen, wenn du so unglücklich und psychisch gestört bist, dass du dir das Leben nimmst?

Ein starkes Verständnis ist, dass psychische Gesundheit nicht nur die Abwesenheit von psychischer Krankheit ist. Psychische Gesundheit ist die aktive Zugewandtheit zum Leben. Eine große psychische Gesundheit äußert sich im aktiven Ja-sagen zum Leben.

Allein durch Alltagsverständnis kann man an diesem Punkt bereits erkennen, dass Vervollkommnung und glücklich sein sich nicht widersprechen können. Nicht auf lange und ganzheitliche Sicht gesehen. Wenn man eine schwache Sicht auf psychische Gesundheit einnimmt, dann ist dieser Widerspruch ohnehin absurd.

Vervollkommung ist ein anstrengender und steiniger Weg. Man kann diesen nicht gehen, wenn man sein Streben nach Glück und sein Streben nach Vervollkommnung nicht in Einklang bringt. Natürlich kann man in einem Bereich seines Lebens herausragende Leistungen erbringen, ohne dass man wirklich glücklich ist. Man sehe sich nur die Kinder der chinesischen Zirkusakademie an.

Was haben diese Kinder zur Vervollkommnung gebracht? Nicht sich selbst, eine Sache haben sie zur Vervollkommnung gebracht. Natürlich sind diese Kinder zu enormen körperlichen Fertigkeiten in der Lage. Zumindest ihren Körper haben sie verbessert. Das kann aber nur als Nebeneffekt der Sache verbleiben.

Vervollkommnung heißt nicht, dass man immer auf Glück verzichten sollte. Glücklich zu sein muss Teil des Lebensplans sein. Glücklich sein kann zwar nicht Sinn des Lebens sein, aber es ist eine wichtige Voraussetzungen diesen Sinn überhaupt zu verfolgen.

Für Frauen

Frauen ist nun eine eigene Seite gewidmet. Meiner Beobachtung nach haben Frauen viel Nachholbedarf. Ich erlebe, dass Frauen gemäß der Maßgaben eines guten Lebens defizitärer sind als Männer. Ich lege deswegen oft harte Ansichten bezüglich von Frauen an den Tag. 

Mein Yogalehrer hat mir von einer Übungsreihe für unterdrückte Frauen erzählt. Als ich ihn fragte, inwiefern diese vereinfacht wurde, widersprach er mir. Diese Frauen hätten viel Nachholbedarf und deswegen sind diese Übungsreihen die Härtesten, die man finden kann.

So will ich es bei Donner & Pflicht halten. Meine Bezüge zu Frauen sind oft sehr hart. Ich unterscheide nicht, ob Frauen in ihrer biologischen Anlage Nachteile haben oder ob sie durch soziale Umstände unterdrückt und geschwächt werden.

Mir tut der Rückstand leid, den ich beobachte. Daher richte ich mich in Frauen vor allem kritisch. Ich habe den Eindruck, dass sie Wachstum am dringendsten brauchen.

Bist du lau, bist du Kotze.

Im Beitrag “Vervollkommne dich!” habe ich darüber geschrieben, dass die Annäherung des aktualen Ichs an das ideale Ich ein vernünftigeres und auch durchhaltbares Konzept für den Sinn des Lebens ist. Jetzt will ich erst einmal ausschließen, was Vervollkommnung nicht sein kann.

Nehmen wir zwei Eigenschaften.

  • Temperamentvoll zu sein
  • Ruhig zu sein

Keine maximale Ausprägung beider Eigenschaften scheint sinnvoll zu sein. Maximal temperamentvoll zu sein führt in die Manie. Maximal ruhig zu sein führt in die Lethargie.

Ein Mittelmaß deutet sich als Alternative zur einseitigen Ausprägung, doch will ich mäßig temperamentvoll sein, wenn ich auf den sexuellen Höhepunkt zusteuere? Wahrscheinlich nicht. Genauso wenig will ich mich auf einem mittelmäßigem Energielevel befinden, wenn ich versuche zu schlafen.

Nachfolgend gehe ich von einem Menschenbild aus, dass multiple Seiten voraussetzt. Ich kann sowohl ruhig als auch temperamentvoll sein. Abhängig von dem Kontext können sich alle Seiten als die Schlechten herausstellen.

Wenn man Situationen verschiedener Anforderungen möglichst gerecht werden will, muss man die Fähigkeit entwickeln Zugang zu den verschiedenen Seite seiner Persönlichkeit zu erhalten. Man muss bestimmte Seiten ausblenden und andere Seite verstärken können.

Will man sich in solchen Situationen noch besser zurechtfinden, sollte man die verschiedenen Seiten seiner Persönlichkeit selbst entwickeln. Man könnte zum Beispiel Meditation lernen um die Ruhe als Persönlichkeitsfacette zur Entfaltung zu bringen.

Die Kernthese dieses Beitrags ist, dass wir mit verschiedenen Anforderungen konfrontiert werden. Deswegen sollten wir verschiedene Seiten unserer Persönlichkeit entwickeln. Eine Vermischung zu einem Mittelmaß ist ein schlechter Kompromiss. In vielen Situationen macht uns ein Mittelmaß sogar handlungsunfähig:

Haben wir gelernt unsere Aggressionen immer zu zügeln, so dass wir allenfalls sarkastische Witze hinter vorgehaltener Hand erzählen, sind wir im Falle einer Verteidigungssituation nicht aggressiv genug, um uns selbst und unsere Nahe stehende zu verteidigen. Dann wird man in der Kneipe vom betrunkenen Rohling in der Kneipe verprügelt und die Begleitung gedemütigt.

Das Leben ist begrenzt durch den Tod. Will man rational mit dieser Begrenztheit umgehen, muss man entscheiden, ob man dies überhaupt berücksichtigt oder nicht. Wenn man das tut, dann ist ein Mittelmaß nicht das, was man anstreben sollte. Mäßigung ist ein Kompromiss, der uns daran hindert das Bestmögliche aus dem Leben herauszuholen, bevor der Tod uns seinerseits aus dem Leben holt.

“Ich weiß deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. ” Offenbarung 3,15/16

Die Bibel liefert diesen Aphorismus, der die Einstellung illustriert:

Ich will mein Leben und zwar möglichst viel davon.

Solange man akzeptiert, dass das Leben Grenzen hat und dass man diesen Grenzen einen Wert beimisst. Solange du beschließt, dass die Begrenztheit des Lebens an sich einen Effekt auf dein Leben haben soll, dann halte dich an folgendes Motto:

Sei heiß oder kalt. Bist du lau, bist du Kotze.

Schweine, Spaß und Ernst

Geh’ aus der Situation raus um ernst genommen zu werden. So lautet eine Forderung, wenn man sich in einer Situation befindet, in welcher soziale Regeln befolgt werden, die mit den eigenen Wünschen kollidieren.

Wo des einen Spaß anfängt, hat des anderen Spaß schon aufgehört. Wenn man sich im spielerischen Gegeneinander befindet, dann ist es für den Offensiven kaum erkenntlich, wann die Grenzen des Spiels überschritten sind. Schließlich soll sich der andere auch wehren, denn sonst funktioniert das Spiel nicht.

Ich hatte so eine Situation mit dem Sohn meiner Cousine. Wir kämpften um einen Schlüssel. Erst war alles noch Spaß. Doch von einem Moment auf dem anderen kippte die Situation für mich. Wenigstens in meiner Wahrnehmung. Ich habe mich darauf konzentriert, dass meine Niederlage als realistische Möglichkeit in Betracht kam. So habe ich übersehen, wie die Situation für den Jungen allmählich kippte. Deswegen schien mir der Wechsel abrupt.

Ein anderes Beispiel ist die typische Situation, in welcher die Frau, aus welchen Gründen auch immer die Lust am Flirt verliert. Sie fängt an abweisender zu werden. Für sie ist ihre Gefühlslage klar, weil sie ihr unmittelbar zur Verfügung steht. Der Mann dagegen erfährt nur allmählich die Änderung. Das Spiel “Flirt” dreht sich sehr oft darum, dass die Frau sich wehrt, in dem sie sich rar macht und ihr Interesse nur sehr subtil mitteilt. Es dreht sich darum, dass die Frau sich gegen die Avancen des Mannes verteidigt, obwohl sie selbst Interesse hat. Für einen Mann in der Situation ist es sehr plausibel, dass das abweisende Verhalten einer Frau nur eine weitere spielerische Abwehr ist. Es gilt die Frau auszutricksen. So bricht die Frau die Situation nicht ab, sondern verschärft lediglich die Bemühungen des Mannes. Wer sich verteidigt, der flirtet. Wer flirtet hat Interesse.

Um in beiden Situationen als Defensiver souverän zu agieren gilt es: Mach’ klar, dass du das Spiel abbrechen willst. Meinem Neffen weise ich selbstverständlich keine Verantwortung zu. Ich war verantwortlich, weil ich der Erwachsene war und er das Kind. Auch wenn ich in dieser Situation erschwerten Bedingungen unterlag, hätte ich besser aufpassen müssen. Ich bin dieser Verantwortung nachträglich nachgekommen, in dem ich ihn erklärt habe, wie die Grenze zwischen Spiel und Ernst funktioniert. Ich habe ihm gesagt, dass es für mich schwer war und ihm meine Sicht erklärt. Dazu habe ich ihm gesagt, dass er solche Situationen vermeiden kann, wenn er in dem Augenblick, wo er es nicht mehr als Spiel empfindet, dies auch so sagt. Auch hier obliegt es nicht seiner Verantwortung das auch umzusetzen. Er ist ein Kind und ist deswegen dieser Verantwortung entbunden, obwohl es selbstverständlich Anforderung ist. Bis er entweder verantwortlich für so etwas gemacht wird oder ohne in Verantwortung zu sein diesen Anforderungen entspricht, gilt es für mich: Aufmerksamer sein.

In Bezug auf die Frau sieht das ganze anders aus. Vielen Frauen ist dieser Zusammenhang nicht klar. Die meisten Frauen, denen ich diesen Zusammenhang erklärt habe, haben protestiert und gesagt, dass man es doch merken müsse. Liebe Frauen: Als Mann befindet man sich in dieser Situation im sozialen Nebel. Es ist ohnehin schon schwer die Gefühle des anderen zu erkennen. Doch wenn Ernst und Spaß im Verhalten kaum einen Unterschied machen, ist dies eine kaum schaffbare Aufgabe.

Soll der Mann im Flirt kühl und rational auf die Zeichen einer Frau reagieren oder soll er vielmehr sich auf die Situation einlassen und mehr von seiner emotionalen Seite einbringen? Ein Flirt wird erst dann zu eine kühlen und rationalen Angelegenheit, wenn man den Gegenüber manipulieren will. Das heißt, man verhält sich gemäß einer Zweckrationalität. Das stellt die Frau in einer Flirtsituation vor die Entscheidung: Entweder man lässt sich zum Mittel des Mannes reduzieren und wird kühl und rational manipuliert oder man akzeptiert die Schwierigkeit, mit welcher ein Mann konfrontiert wird.

Der letztere Fall heißt aber nicht, dass man sich eben mit der Situation abfinden muss. Berührung kann etwas Schönes sein, wenn ein attraktiver Mann die Hand auf den Rücken legt, um die Frau durch die Tür zu führen. Sie kann etwas Anregendes sein, wenn er bewundert das Bein streichelt.

Wenn man dagegen kein Interesse an dem Mann hat, kann die gleiche Berührung mit der gleichen Motivation seitens des Manns eine ganz andere Bedeutung für die Frau gewinnen. Die Hand am Rücken kann sich wie ein ungeduldiger Schubs sein, der zeigt, dass der Mann endlich seinen schweißnassen Körper über die Frau wälzen will. Die Hand auf dem Bein kann vom falschen Mann den puren Ekel auslösen, weil er sich was nehmen will, was nicht ihm gehört und niemals gehören wird.

Die Lösung ist: Sobald du als Frau das Interesse am Mann verlierst, signalisiere es nicht. Sage es in direkten klaren Worten.

  • “Es ist nicht persönlich gemeint, aber ich habe kein Interesse an dir und beende diese Unterhaltung an dieser Stelle.”
  • “Danke für deine Bemühungen, aber ich beende die Unterhaltung. Ich merke, dass ich kein Interesse an dir habe.”

Wenn du dem Gegenüber nicht in klaren Worten vermittelst, dass du kein Interesse (Ernst beginnt, Spaß hört auf) hast und die Situation beendest (Spiel hört auf, die sozialen Regeln ändern sich), gibst du dem Mann keine faire Chance. Für viele Frauen ist das Begehren ein großes Kompliment und selbstverständlich ist so ein Begehren ein sehr Starkes. Verzichte darauf, denn so wie du nicht willst, dass der Mann dich zum Mittel seiner Zwecke macht, mach’ mit ihm nicht das Gleiche. Der Mann ist nicht dafür da, dir ein gutes Gefühl zu geben.

Darüber hinaus nimmst du Schaden in einer solchen Situation. Einerseits du befindest dich in einer unangenehmen Lage, ständig in die Defensive zu gehen. Das ist im Flirtspiel schön, während es normaler Weise unangenehm ist. Indem du dieses Verhalten auslebst, verstärkst du die Anlage der Defensivität. Willst du defensiv sein? Das bedeutet, dass du dich selbst zum Objekt machst, denn wer defensiv ist, reagiert bloß, ist passiv.

Andererseits lernst du, dass Männer oberflächliche Schweine sind, die man zum eigenen Wohl manipulieren soll. Du lernst, deine Gefühle zu unterdrücken, denn sie behindern nur die Zweckrationalität. Wenn du gefühlskalt und manipulierend sein willst, dann nur zu. Doch sei dir der Folgen gewiss. So zu werden geht nicht ohne psychischen Schaden.

Das ist kein Plädoyer der Frau alle Verantwortung zuzuweisen. Kein Mensch hat das Recht die Grenzen eines anderen zu verletzen. Doch von dem Mann zu verlangen die Grenzen zu erkennen, wenn sie sich auf derart subtile Weise verändern, während die Frau die Möglichkeit hat sie klar zu kommunizieren, ist nicht angemessen. Liebe Frau, du hast die Macht Klarheit zu schaffen. Zu deinem Wohl und zum Wohl des Gegenübers. Wenn du sie nicht nutzt, dann sei dir der Folgen gewiss. Du bist nicht verantwortlich für das Verhalten des Mannes, doch du bist für dich und dein Selbst verantwortlich. Die Folgen einer solchen Situation wirst du in voller Schwere tragen. Deswegen rate ich dir: Sei offen und direkt. Auch wenn es unangenehm ist, richtig und falsch ändern sich dadurch nicht.

Sinn und Welt

Präambel: Das ist ein Post eines Forum. In ihm formuliere ich die Antwort auf die Frage, ob alles nur Physik und bedeutungslos ist oder ob ich an einen sinnhaften Zugang zur Welt glaube. (Der Post wurde nachträglich zur Veröffentlichung etwas bereinigt)

Für mich macht es überhaupt keinen Unterschied, ob ich nun eine Seele habe oder alles nur neurologische Prozesse sind. Ich trenne nicht zwischen mir, meinem Körper, meinem Gehirn und meinem Geist. Geistigkeit ist ein anderer Zugang als der Wissenschaftliche. Das rechtfertigt erstmal keinen von beiden gegenüber dem anderen.

Ich bin deiner Meinung, dass alles, womit ich arbeiten kann, schlussendlich in mir selbst ist. Daraus schließe ich aber nicht auf das Sein. Ich trenne zwischen meinem Eindruck und dem, was ich irgendwie Realität nenne. Diese Trennung beruht auf einem Pragmatismus. Wenn alles nur in mir selbst wäre, wäre Irrtum ausgeschlossen. Weil ich mich aber schon geirrt habe, gehe ich von meiner Irrtumsmöglichkeit aus, die sich am besten durch ein bestimmtes Verhältnis von Innen (=ich) und Außen (=Welt) erklären lässt. In gewisser Weise bin ich daraus folgernd getrennt von der Welt.

So muss ich in dieser Trennung irgendwohin navigieren. Meine Triebe tun ihr ihriges um meine Handlungen zu steuern. Irgendwann muss ich auf’s Klo und der Drang zu Schlafen wird übermächtig. Nun muss man sich aber entscheiden. Entweder ist einem das genug. Dann läuft alles nur auf Glück und Strom im Glückszentrum hinaus. Wenn ich aber nicht an meinem Selbst arbeite, sehe ich mich in Konflikt mit einem Haufen anderer Werte. Ich will mich vor dem Hintergrund meiner eigenen Ansprüche von Geistlosigkeit unterscheiden. Das heißt zum Beispiel ganz konkret, dass ich kein Facebookuser bin, weil genau das erklärtes Geschäftsziel von FB ist. Ich könnte natürlich einen wie auch immer gearteten maßvollen Umgang pflegen. Ich fühle aber mein Leben mit Dingen, die mich meinen Zwecken näher bringen. Für Facebook gibt es einfach andere und viel lohnendere Alternativen.

Du siehst, dass ich schon von Zweck und Ziel spreche. Ob man sich ein solches setzt oder nicht ist Entscheidungssache. Die Konsequenzen sind aber teilweise notwendig. Wenn ich Menschen so behandle, dass sie moralische Subjekte und nicht bloß Objekte sind, muss ich ihnen zwangsläufig Verantwortung zuweisen. Dann kann ich nicht sagen “du kannst nichts dafür”, wenn die Person einfach nicht die Kraft vernünftig zu essen oder der Zigarette zu widerstehen oder sonstwas. Sobald ich jemandem psychologische (neurologische) Ursachen unterstelle, kann ich diese Person nicht mehr als moralisches Subjekt und verantwortlich behandeln. Beides zusammen geht nicht.

Deswegen sage ich Leuten, die mir sagen “aber das ist so schwer”, dass das ok ist. Das ist eben das Feedback, aber das ändert nichts an der Richtigkeit der Sache. Wenn man das nicht kann, dann muss man eben Scheitern akzeptieren und damit leben, dass man Sachen tut, die man nicht für richtig hält, weil man schwach ist. Ich habe mich dagegen entschieden aus Schwäche zu handeln. Schwäche ist an sich schlecht und deswegen akzeptiere ich nicht, dass sie vorliegt, in dem Sinne, dass ich mich damit abfinde. Wenn ich eine Schwäche identifiziere, dann arbeite ich daran. Je nachdem welche Priorität das hat mehr oder weniger intensiv.

Als Gegenmodell habe ich immer die unzufriedenen Frauen vor Augen, die mir vorheulen, dass sie zu dick, zu dünn, zu unfit oder sonstwas sind, aber mir dann im gleichen Atemzug sagen, dass sie nicht auf Keckse, ihre sozialisierten Schönheitsideale oder ihre durchsoffenen Wochenende verzichten können. Ich will in keiner Welt aus Zombies leben. Deswegen behandle ich entsprechende Personen nicht als vollwertige Menschen, sie haben eben ihr Defizit im Wert, den ich moralische Störung nenne.

Wenn man meine Biographie auseinander nimmt, findet man mit Sicherheit Ursachen für mein Denken. Mein weist meinen Eltern bestimmte Rollen zu und irgendwelchen körperlichen Defiziten auch. Ich benutze aber das, was ich Bewusstsein nenne, um mir meine Zwecke selbst zu setzen. Das ist mein Zugang zu meinem Leben, der sich natürlich von dem eines Biographen unterscheidet. So siehst du: Ich komme aus einer anderen Richtung in ziemliche Nähe deines Standpunktes. Bedeutung, Sinn und Einheit sind Sachverhalte, die für mich nicht nur wichtig sind. Sie sind notwendig aus meiner Entscheidung mein Leben in der mir eigenen Art zu führen erwachsen und damit kann ich nicht anders als sie als Teil meiner Realität zu sehen.

So funktioniert mein Zugang zur Philosophie. Ich setze nicht die Axiome irgendwelcher Werte- und Bedeutungssysteme fest. Ich identifiziere begriffliche Notwendigkeiten und Unmöglichkeiten. Hier sind dann die Entscheidungspunkte. Will ich das eine, muss ich sowohl seine Zwänge als auch das Ausgeschlossene annehmen. Wenn man das nicht macht, ist man in sich widersprüchlich. Das wiederum ist für mich eine ganz klare Entscheidung. Widersprüche sind immer scheiße. Sie fühlen sich an, als sei man nicht vollständig und vielmehr abgetrennt von dem, was man sein Selbst nennt.

Vervollkommne dich!

Die klassische und oft belächelte Frage nach dem Sinn des Lebens ist trotz ihres schlechten Rufs eine zentrale Frage in unser aller Leben. Wenn Moral die Antwort auf die Frage “Was soll ich tun?” liefern soll, dann erhält man durch die Frage nach dem Lebenssinn ein grundsätzliches Ziel, an welchem man seine Handlungen orientieren kann. Diesem Zweck sollten die Handlungen dann dienen, wenn man diesen Sinn gefunden hat. Ob und welchen man finden kann, will ich mit den nächsten Zeilen herausfinden.

Hier schließt sich dann die Begriffsfindung an. Was soll dieser Sinn überhaupt sein? Nachfolgend will den letzten Zweck, der allen Handlungen schlussendlich eine Richtung geben soll, Sinn des Lebens oder synonym Lebenssinn verstehen.

Das Leben ist begrenzt durch den Tod. Diesem kann man nun Bedeutung beimessen oder nicht. Wenn man in seinem Leben mehr Dinge machen will, als seine aktuellen Bedürfnisse zu stillen, dann muss man diesem Sachverhalt Bedeutung für sein Handeln beimessen. Wenn man es nicht tut, ist man schneller tot, als man die Zwecke realisiert, die man sich gesetzt hat.

Ich sehe nun grundsätzlich zwei Dinge, die als Kriterium für eine Setzung eines letzten Zwecks in Frage kommen:

  1. Das Glücksparadigma: Alles, was das Glück erhöht, ist gut.
  2. Das Vervollkommnungsparadigma: Alles, was mich zu einem besseren Selbst macht, ist gut.

Ich spreche mich stark für Zweiteres aus, denn der erste Punkt ist sehr angreifbar, weil er in Konflikt mit anderen Werten kommt:

Wenn ich mich als Mensch beweisen will, muss ich ich zeigen, dass ich kein Tier bin. Dass sollte man immer dann tun, wenn man sich der Rechte eines Menschen versichern will. Für Rechte muss man sich qualifizieren, man muss die Kriterien ihrer Zuweisung erfüllen. Entscheidet man sich nun für das Glücksparadigma, macht man genau das, was das Konzept des Tieres erfüllt. Man reduziert sich auf seine Instinkte und es zählen einzig Fressen, Saufen, Schlafen und Ficken. Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, entscheidet hier auch, ob man sich der Rechte als Mensch qualifiziert.

Selbstverständlich kann man sublimieren und sein Glücksempfinden über soziale Anerkennung usw. erhalten. Doch gegen diesen indirekten Weg spricht, dass er nicht nur unökonomisch, sondern auch inkonsequent ist. Wenn alles gut ist, was Glücksempfindungen hervorruft, dann sind Dinge, die die Zugänglichkeit zu diesen Empfindungen einschränken, schlecht. Es ist mit Sicherheit leichter einen Hamburger zu essen als sich als besonders fürsorgliche Krankenschwester hervorzutun. Außerdem ist die Lebensmitteltechnologie zuverlässiger als die Dankbarkeitsäußerungen der Patienten. Die sind manchmal auch einfach undankbar, während man die Standardisierungsbemühungen der Fastfoodketten als erfolgreich bezeichnen kann.

Führt man die Orientierung dieses Paradigmas auf die Spitze, sind sogar die Grundbedürfnisse zu stillen ein Weg zweiter Klasse sein Leben zu bestreiten. Schon einige Jahrzehnte zuvor hat man in Experimenten mit Ratten die Glückszentren elektronisch stimuliert. Es ist unser Gehirn, das wir als Mittel verwenden können Glück zu empfinden.

Entscheidet man sich konsequent für das Glücksparadigma, ist es die moralischste Lösung sich einen Chip ins Hirn zu pflanzen und auf den Schalter “Glück” zu drücken. Von hier aus ist es nur noch eine formale Frage, ob man sein Glück maximieren sollte und sterben oder ob man das Glück maximal verlängern sollte, so dass ein Glücksintegral über das Leben maximiert wird.

Das Glücksparadigma scheidet unter den obigen Voraussetzungen aus. Wenden wir uns nun dem Vervollkommnungsparadigma zu:

Der Begriff Vervollkommnung meint im moralischen Sinne grundsätzlich Selbstvervollkommnung. Dieses Selbst soll der vollkommenen Form angenähert werden. Die vollkommene Form des Selbst ist die Form, bei welcher das zur höchstmöglichen Ausprägung gebracht ist, was im Selbst angelegt ist.

Das ist eine Leerformel. Die Richtung ist nicht vorgegeben, weil nicht näher bestimmt ist, was überhaupt in Anlage zu finden ist. Das heißt, man kann aus dieser Formulierung nicht ableiten, was vollkommenes Selbst sein soll.

In der Anleitung zum Blog will ich eben gerade dies nicht bieten. Deswegen sollte spätestens an dieser Stelle klar sein, dass es nicht um den Sinn des Lebens geht, sondern welchen Sinn man sich selbst gibt, in dem man seinem Leben einen Zweck gibt. Einige Dinge schließen sich qua notwendigem Widerspruch aus, aber jeder muss selbst entscheiden, was die grundlegenden Werte sind. Man kann sich auch gegen seine Menschlichkeit entscheiden. Man muss eben bereit sein auch die Rechte eines Menschen aufzugeben. Beides zusammen geht nicht. Das zu verstehen, ist der Prozess der Heilung von einer moralischen Störung.

Tiere, die sich trotzdem für dieses Thema interessieren, sind selbstverständlich weiter eingeladen. Ich hoffe euch davon zu überzeugen, dass es im Leben nicht darum gehen sollte, lediglich die glücklichste Version seiner Selbst zu werden. Ich denke, dass man das nicht bis in die letzte Konsequenz hinein verfolgen kann.

Denjenigen, die sich für das Vervollkommnungsparadigma entschieden haben: Keine Sorge. Es gibt genug Gründe dafür, dass man glücklich sein soll, weil glücklich sein in vielen Fällen zu einem vollkommenerem Selbst führt. Es ist nur so, dass man nicht immer das Essen kann, wozu einen die Nahrungsmittelindustrie manipulieren will und man kann nicht immer einen leichten Weg wählen.

In den nächsten Posts will ich dieses Thema weiter ausarbeiten. Damit ist eine weitere Ankündigung verknüpft. Der Blog hat sich in der kurzen Zeit ein wenig weiterentwickelt. Zunächst wollte ich auch meinen ästhetischen Neigungen, was Sprache angeht, entsprechen. Entgegen der Kritik diesbezüglich wird es mit Sicherheit Posts geben, in welchen ich von überformter Sprache gebraucht mache. Ein Beispiel dafür ist “Schäme dich, Weib!“. Das Vorhaben, aus Donner & Pflicht das Sprachrohr einer fiktiven Person zu machen, stelle ich aber ein. Es wird meine Kanzel sein. Auch wenn demnächst der Fokus auf der Selbstvervollkommnung als Lebensparadigma liegen wird, überlege ich, ob ich mich als Person vorstelle. Sicher bin ich mir dabei noch nicht und es kann vielleicht für immer ausbleiben.

Nach wie vor sehe ich den Zweck dieses Blogs am Ende eine Anleitung zum guten Leben zu erhalten. Vormals ging es nur um moralische Fragen. Es ging um das “was” des Sollens. Es ist wahrscheinlich, dass ich einige Ideen zur Umsetzung der Zwecke hier zur Verfügung stellen werde. In meinem echten Leben erlebe ich es oft, dass Menschen zwar überzeugt von der Richtigkeit einer Sache sind, aber an der Auswahl der Mittel scheitern. Dem will ich Rechnung tragen.

Ich bin mir nicht sicher, wann ich diesen Post veröffentlichen werde, aber der Entwurf für einen Ratschlag zum Vermeiden kleiner Übergriffe im Alltag als Kommunikationstechnik liegt in meinem Archiv. Eine gute Freundin hat mich zu diesem Post inspiriert. Das wäre ein Beispiel für die “Wie”-Seite der Moral. Also wird dies nicht nur eine Präsentation verschiedener Zwecke sein. Es werden sich auch einige Mittel hier versammelt finden lassen.

Als nächstes werde ich dafür argumentieren, dass Vervollkommnung keine Suche nach einem Mittelmaß sein kann. Bis dahin.

Filmtipp für philosophisch Interessierte

Ein kleiner Serientipp für zwischendurch: The Walking Dead. Die Kulisse ist nicht sonderlich spektukulär. Die Zombieapokalypse ist hereingebrochen und die Menschen kämpfen in kleinen Gruppen um ihr Überleben.
Das Besondere an dieser Serie ist, dass in so einer Umgebung die Beziehungen, die Entscheidungen und das Handeln sich an sehr grundsätzlichen Fragen orientieren. Alte, nur als Konventionen gelernte, moralische Entscheidungen sind hinfällig. Es muss neu verhandelt werden, ob und wann ein Mensch getötet werden darf. Wann fängt Notwehr an? Sind Zombies bloß kranke Menschen und weist man ihnen deswegen ein Fürsorgebedürfnis zu? Oder sind sie bereits entmenschlicht und deswegen bloß gefährliche Objekte, deren Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden. Wie ist das Verhältnis von Mann und Frau. Männer können offenbar in einer solchen Situation mehr für das Überleben der Gruppe tun. Immerhin sind sie im Allgemeinen stärker und in so einer Situation kommt es oft auf Körperkraft an. Steht ihnen deswegen mehr Entscheidungsgewalt zu? Sind sie wichtiger als Frauen? Oder gar mehr Wert?
Diese Serie bietet sehr plastischen Anlass über den hobbesianischen Urzustand zu diskutieren, über das Verhältnis von Sein und Sollen und über Vieles mehr. Eine philosophische Perspektive  Als Leser von Donner & Pflicht hoffe ich doch, dass du Freude daran hast eine solche einzunehmen.

Was muss Erkenntnis sein?

Im vergangenen Post über Objektivität, Wahrheit und Liebe habe ich das Konzept der Erkenntnis benutzt. Dieses werde ich hier ein wenig weiter entfalten. Ich beginne mit einem Zitat von Niklas Luhmann. Er hat mit systemtheoretischen Begriffen eine zentrale Notwendigkeit zusammengefasst. Sie ist so grundsätzlich, dass ich mich wirklich wundere, dass sie so selten Berücksichtigung findet. Viele Debatten werden so geführt, als stünden Dinge zu Debatte, die man entweder akzeptiert muss oder nicht von Erkenntnis reden kann.

“Erkenntnis ist nicht nur möglich, *obwohl*, sondern *weil* es keine Beziehungen, keine operativen Beziehungen zur Umwelt gibt.” Niklas Luhmann

Wenn wir von Erkenntnis sprechen, dann setzen wir ein erkennendes Subjekt und ein zu erkennendes Objekt voraus. Erkenntnis kann nur dann vollzogen werden, wenn es eine Trennung von Subjekt und Objekt gibt. Diese Trennung hat sehr zentrale und einleuchtende Konsequenzen:

Irrtum ist immer möglich, weil das Subjekt nicht aus seinem aktualen Verhältnis zu seinem Objekt heraustreten kann um es von einer zweiten Perspektive heraus betrachten.

Man kann sich dieses Problem sehr anschaulich vor Augen führen. Die Prozesse des Erkennens stehen uns beim Wahrnehmen nämlich nicht selbst zur Verfügung. Wir haben nur die Produkte zur Anschauung. Das macht es im wahrsten Sinne des Wortes besonders anschaulich. Dazu will ich hier ein kleines Modell zur Wahrnehmung verwenden:

  1. Der Reiz trifft auf die Sinnesorgane
  2. Die Sinnesorgane wandeln den Reiz in ein Nervensignal um
  3. Die entsprechenden Areale des Gehirns verarbeiten das Signal zu einer Hypothese.

Selbst wenn uns erklärt wird, wie eine solche Sinnestäuschung funktioniert und wir uns mit aller Gewalt auf unser Wissen um diese Sinnestäuschung konzentrieren, können wir ihnen nicht entkommen:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=bLDweJWGkZk]

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Ttd0YjXF0no]

An welchem Punkt findet die Täuschung statt? Der Reiz trifft weiter auf die Sinnesorgane. Die Sinnesorgane wurden auch nicht verändert und wandeln entsprechend ihrer Funktion den Reiz in ein Nervensignal um. Die Sinnestäuschung scheint an der dritten Stelle des Modells zu geschehen. Der Begriff Sinnestäuschung ist daher nicht ganz präzise. Es werden ja nicht die Sinnesorgane selbst getäuscht. Vielmehr wird eine Erwartungsstruktur im Gehirn ausgenutzt.

Nicht anders sind wir getäuscht, wenn wir eine Packung Milch als voll wähnen, obwohl sie leer ist. Die Hypothese über die Welt da draußen, passt nicht. Weil wir in uns selbst sind, kommen wir nicht an dieses Verhältnis heran.

Was können wir aus diesem Problem der Erkenntnis lernen?

Wir sollten akzeptieren, dass Irrtum immer möglich ist. Erkenntnis liegt nur vor, wenn Subjekt und Objekt in einem voneinander getrennten Verhältnis vorliegen. Sind beide voneinander getrennt, ist Irrtum möglich, sind beide nicht voneinander getrennt, können wir nicht von Erkenntnis sprechen.

Es gibt zwei Methoden, die Erkenntnis zu verbessern. Man lernt nur aus seiner Position als Subjekt heraus oder man lernt am Modell der Erkenntnis selbst, aus dem Verhältnis von Subjekt und Objekt, heraus.

Es kann sich nun die Intuition herausbilden, dass man die erste Variante der zweiten unterordnen sollte. Ich habe schließlich einige hundert Worte dazu verwendet eine Fehlerhaftigkeit dieses Prozesses herauszuarbeiten. Wir sollten allerdings bedenken, dass wir lernen müssen in dieser Position zu arbeiten und zu funktionieren, gerade weil wir aus unser Subjektposition nicht herauskommen.

Ein sehr einfaches Beispiel dafür ist, dass man sich nicht sofort aller seiner Erkenntnisse sicher ist. Es können nur Hypothesen sein. Annahmen, mit denen es rational ist zu arbeiten, weil sie uns als beste Möglichkeit erscheinen. Wenn wir uns im Streit mit jemandem befinden, sollten wir nachfragen, ob wir den gegenüber richtig verstanden haben, bevor wir ihn mit dem Kerzenständer niederstrecken. Prüfe deine Hypothesen, denn nichts anderes sind deine Erkenntnisse. Übung macht den Meister, denn man kann nicht ständig den Fokus auf die Irrtumsmöglichkeit richten. Irgendwann muss man nämlich aufhören und mit seinen Hypothesen etwas anfangen und handeln.

Die zweite Variante haben wir hier gerade vollzogen. Wir haben uns ein Modell der Erkenntnis erarbeitet und einige ihrer Eigenschaften herausgearbeitet. Wir sind uns der Natur der Erkenntnis besser bewusst, könnte man sagen. Mit dem Wissen um diese Natur gewappnet können wir uns nun in die Erkenntnisprozesse stürzen. Wir haben daraus gelernt und wissen jetzt, dass es Momente gibt, in welchen wir unserer Erkenntnis trauen, obwohl wir es vielleicht nicht so schnell tun sollten.

Von einer Reflexionsebene darüber sollte man sich Gedanken über das rechte Maß machen: Wann sollten wir handeln und nicht bloß erkennen und wann rastet unser Gegenüber aus, weil wir nach jedem Satz bellen: “Wie hast du das gemeint?”

Zum Nachlesen:

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Ames-Raum
  • http://en.wikipedia.org/wiki/Adelbert_Ames,_Jr.