Ästhetik – Ein Gedanke, der mich umtreibt

Auf der einen Seite geht es bei Donner & Pflicht um Moral und damit im klassischen Sinne um das gute Leben. Doch was ist eigentlich das das Gegenteil von „gut“?

Von diesem Gegenteil hängt ab, wie die Frage „Was soll ich tun?“ zu beantworten ist. Schließlich muss man gleichzeitig „Was soll ich nicht tun?“ beantworten.

Eine intuitive Antwort auf die Frage nach dem Gegenteil ist: schlecht.

Handlungen und Entscheidungen, die das eigene Leben zur Vervollkommnung bringen sind gut, während alle anderen Handlungen, welche die Vervollkommnung behindern und stören, schlecht sind.

Was ist, wenn das Gegenteil von „gut“ „hässlich“ ist?

Kann man ein Leben nach einer Lehre der Schönheit gestalten?

Wenn wir dies als mögliche Antwort zulassen, stehen uns interessante Gedanken offen. Um diese Offenheit auch vom Standpunkt der Vervollkommnung fassen zu können, müssen wir ein ästhetisches Leben als eine mögliche Ausprägung von Vervollkommnung zulassen können.

Siehe dazu Vervollkommne dich!:

Die vollkommene Form des Selbst ist die Form, bei welcher das zur höchstmöglichen Ausprägung gebracht ist, was im Selbst angelegt ist.

Und weiter:

Das ist eine Leerformel. Die Richtung ist nicht vorgegeben, weil nicht näher bestimmt ist, was überhaupt in Anlage zu finden ist. Das heißt, man kann aus dieser Formulierung nicht ableiten, was vollkommenes Selbst sein soll.

Schönheit kann eine Antwort auf die Frage „Was ist dieses vollkommene Selbst eigentlich?“ sein. Das ist absolut widerspruchsfrei im Konzept der Vervollkommnung zu denken. Und so könnte das Gegenteil von „gut“ tatsächlich „hässlich“ sein.

Eine mögliche Ausprägung wäre sogar das Bodybuilding als reine Fokussierung auf eine Ästhetik. Von diesem Standpunkt aus ist übrigens es eine Verwässerung dieser Art der Vervollkommnung, wenn Bodybuilding als Sport verstanden werden will oder gar auch Gesundheit als einen ihrer Eckpfeiler wissen will.

Vorwürfe in Richtung des massiven Missbrauch von Dopingmitteln und dem damit verbundenen Opfer wären damit vom Tisch.

Hier schließt sich die Frage an, ob man nun ein Spezialist oder Generalist sein sollte. Als Generalist muss man aufgrund begrenzter Ressourcen selbstverständlich Abstriche in einigen Bereichen machen.

Wenn Vervollkommnung Ästhetik bedeutet, kann das sogar etwas Negatives sein, wenn man sich in jedem Bereich maximal vervollkommnen könnte. Schwächen und Unvollkommenheiten können paradoxerweise zu einer vollkommenen Ästhetik dazugehören. Sie machen den Charakter einiger Dinge aus.

So kann ein Yogi, der seinen Körper durch seine Form der Askese auszehrt, etwas sehr Ästhetisches sein.

Yogi

Photo Credit: R. Mitra via Compfight cc

Am Ende lautet die offene Frage:

„Kann das gute Leben sogar Kunstwerk sein?“

Bambino und die Frauen

Bei der erneuten Lektüre des Buchs Bambino von William Quindt bin ich auf einen interessanten Text über Frauen und Männer gestoßen (Seite 51). Freda wird vor Bambino von einer älteren, erfahrenen Frau gewarnt.

Zunächst beschreibt sie, wie es normalerweise in der Welt aussieht:

Er nimmt die Frauen nicht ernst, er hat keine Achtung vor ihnen, das ist es. Sieh mal, die anderen Jünglinge, die sind jedesmal [sic] regelrecht von neuem verknallt, wie sich das eben auch gehört, stelzen herum wie die Pfauen, geben schaurig schön an – über die kann man nur lachen, denn schließlich werden sie mehr an der Nase herumgeführt, als sie selbst Unheil anrichten können. Du meine Güte, es gibt doch nirgendwo in der Welt so etwas von herzbrechend süßer Dämlichkeit, wie ein verliebter Mann das ist! –

Sie beschreibt ein Machtverhältnis, was zu Gunsten der Frauen ausfällt. Ich halte dieses Motiv für aktuell. Der Mann, der sich zum Idioten macht, ist ein beliebtes Klischee in den Liebeskomödien. Dieses Motiv wird also immer noch verwendet.

Sie fährt fort mit:

Der Bambino aber, der ist anders. Der kennt die Frauen, kennt sie besser, als sie sich selber kennen, hat keine Achtung vor ihnen und macht sich keine Illusionen – und so was gehört sich nicht! Er glaubt ihnen nichts, verlacht ihr Getue – ach, Kind, ich habe es ein paarmal mit angesehen, die Galle ist mir ins Blut getreten.

Bambino dagegen macht bei diesem Spiel nicht mit. Er kann es nicht, denn er versteht, dass es bloß ein Spiel ist. Es geht um Authentizität. Nur solange man ehrlich dämlich (s.o.) ist, ist man herzbrechend süß.

Ein Mann ist dazu da, daß er von den Frauen dumm gemacht wird, das ist die Weltordnung, und die ist gut. Aber wenn sich da einer mit frechem Lachen hinstellt und beweist der schönsten Frau, daß sie ein dummes Gänschen ist, und bricht sie und nimmt sie und wirft sie weg – Freda, solche Männer sind gefährlich, dagegen müssen wir Frauen geschlossen Front machen, boykottiert müssen diese Männer werden, so was darf nicht einreißen.

Der erste Satz ist der Markanteste. Ein Mann soll der Frau unterlegen sein. Er soll “dumm gemacht” werden.

Quindt beschreibt das Verhältnis von Mann und Frau als ein Machtverhältnis. Weil eine Machtasymmetrie nicht mit einer Beziehung auf gleicher Höhe einhergehen kann, ist so eine Beziehung auf Augenhöhe ausgeschlossen.

Das Besondere an diesem Text ist, dass er so offen mit dieser Asymmetrie umgeht. Es springt uns ins Gesicht, dass eine Beziehung unter Gleichwertigen gar nicht erst gewollt wird.

Interessant daran ist, dass dies ein Mann geschrieben hat, der die Perspektive einer Frau darstellt. Das ist an dieser Stelle natürlich nur eine Unterstellung. Schließlich ist diese Stelle Teil eines Romans ohne jeden empirischen oder theoretischen Beleg.

Wenn man dies allerdings vor dem Hintergrund des Trends um “Pickup” liest, ist es plausibel, dass viele Männer mit eben diesem Minderwertigkeitskomplex durch die Welt gehen.

Es ist kaum bestreitbar, dass Pickup der Versuch ist, ein (anderes) Machtverhältnis herzustellen. Männer fühlen sich in Flirtsituationen nicht kompetent und der Frau oft unterlegen in. Das ist etwas, dass ich selbst oft beobachten kann.

Was kann ich daraus lernen?

Flirten ist Krieg. Sollte es auch so sein?

Angst, Belohnung und Hingabe

Es gibt zwei grundsätzliche Emotionen, die unsere Motivation aus machen.

  1. Angst
  2. Vorfreude

Um zu werden, der du bist, ist es wichtig zu verstehen, wie Gefühle deine Motivation bestimmen. Menschen denken gewöhnlich, dass sie sich in irgendeiner Art gut fühlen, wenn sie das Richtige tun.

Wir fühlen uns nicht immer schlecht, wenn wir das Falsche tun. Ist es dann plausibel, dass wir uns immer gut fühlen, wenn wir das Richtige tun? Um diese Frage zu klären, würde es uns helfen, wenn wir Beispiele finden, in denen wir das Richtige tun und uns schlecht fühlen.

Diese Beispiele sind überall zu finden.

  • Es fühlt sich schlecht an, wenn wir uns früh aus dem warmen Bett quälen, um unsere tägliche Meditation zu absolvieren.
  • Es fühlt sich schlecht an, wenn wir Menschen zuhören, die uns schrecklich nerven und unsere Hilfe brauchen.
  • Es fühlt sich schlecht an, wenn wir uns beim Training quälen und Schmerzen aussetzen, wenn wir auf dem Weg körperlicher Vervollkommnung sind.

Die Definition von Tugend ist:

Tugenden sind diejenigen Charaktereigenschaften, die es einem Selbst wahrscheinlicher machen Widerstände zu überwinden. Widerstände sind diejenigen Sachverhalte in der Welt, welche die Vervollkommnung des Selbst einschränken oder verhindern.

Tugend hat immer etwas mit Widerständen zu tun. Von diesem Standpunkt aus ist es wahrscheinlicher, dass wir uns in irgendeiner Form schlecht fühlen, wenn wir das Richtige tun.

Das heißt selbstverständlich nicht, dass sich alles schlecht anfühlt.

  • Wenn ich mich aus dem Bett gequält habe, freue ich mich auf die Meditation und noch viel mehr freue ich mich darauf großen Menschen auf meinem Mp3-Player hören, während ich mich im Handstand übe.
  • Wenn du dich völlig deiner Malerei hingibst und dabei in einen Zustand des Flow gerätst, fühlt sich das berauschend an.
  • Wenn man sich nach einem langen und harten Tag ein warmes Bad macht, um sich zu erholen, fühlt sich das mit Sicherheit sehr schön an.

Trotzdem müssen wir irgendwie damit umgehen, dass wir Dinge tun sollen, die ein Leid für uns darstellen. Weil wir Menschen sind, sind Emotionen immer präsent.

Vorfreude ist das positive Gefühl, dass wir haben, wenn wir Konsequenzen unserer Handlungen erwarten.

Beispiel: Du findest den Abwasch vielleicht lästig, aber die Küche danach hübsch und sauber zu sehen, ist das Resultat der Mühe.

Angst ist das negative Gefühl, dass wir haben, wenn wir Konsequenzen unserer Handlungen erwarten.

Beispiel: Wenn ich jemanden anlüge, befürchte ich, dass ich bei meiner Lüge ertappt werde.1

Beide Emotionen können uns motivieren, die negative Empfindung auszugleichen, die wir dabei haben können, wenn wir etwas Richtiges tun, was uns aber gleichzeitig Leid bereitet.

Wir können uns vor dem Schlafen duschen, weil wir uns auf das saubere Gefühl in frischer Bettwäsche freuen. Wir können dies aber auch tun, weil wir Angst und Ekel vor dem klebrigen Gefühl von bereits verschwitzter Haut auf Haut haben.

Die negativen Gefühle motivieren uns meist stärker und direkter.

Wir laufen energischer vor einem riesigen, bissigen Hund davon als dem Eiswagen hinterher.

Hingabe ist die Haltung Arbeit für ein Ziel aufzuwenden, ob man sich nun danach fühlt oder nicht.2

Auf der einen Seite ist es sehr nützlich durch Reflexion zu verstehen, welche Motivationen wir in Form von Emotionen auf unserem Lebensweg begegnen.

Wenn du dich der Aufgabe hingibst, der zu werden, der du bist, gehst du deinen Weg, egal ob du Furcht oder Freude empfindest.

Das Ergebnis dieser Reflexion ist, dass im Verstehen auf der einen Seite ein nützliches Werkzeug zu sehen ist, wie sich unsere Gefühle auf die Vervollkommnung auswirken. Auf der anderen Seite bedeutet wirkliche Hingabe, unabhängig von diesen Gefühlen darauf hinzuarbeiten, zu werden, der man ist.


  1. Ein unschöner und unromantischer Grund die Wahrheit zu sagen. Nicht zuletzt halte ich diese Motivation auch für einen Ausdruck von moralischer Schwäche. So ist das Beispiel aber näher an dem, was bei den meisten Menschen erlebe. 

  2. https://www.youtube.com/watch?v=70T_WkVb4XA 

Vehikel körperlicher Vervollkommnung

Philosophie kann dir nicht die Inhalte der Vervollkommnung vorgeben.

Ich werde nicht selten mit Fragen zu Details konfrontiert und in den vielen Fällen betrifft dies die körperliche Vervollkommnung. “Was soll ich tun um meinen Körper zu vervollkommnen?” lautet die Frage und ich antworte dann sehr allgemein, dass es keine Rolle spielt, was man macht. Es ist wichtig, dass man es macht und noch viel wichtiger es bewusst als seinen Weg der Vervollkommnung erkennt.

Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, müsste ich gleichzeitig entscheiden, ob ein Bodybuilder vollkommener ist als ein Marathonläufer. Beide sind jeweils Spezialisten eines kleinen Ausschnitt der körperlichen Möglichkeit. Ich müsste gleichzeitig entscheiden, ob ein Generalist vollkommener wäre als ein Spezialist.

Diese Fragen lenken vom eigentlichen Wesen der Vervollkommnung ab. Diese Fragen können nicht auf der Ebene der Philosophie beantwortet werden. Sie müssen vielmehr auf Ebene deiner persönlicher Dogmen entschieden werden. Nur du selbst kannst entscheiden, was nun für dich Vervollkommnung bedeutet.

Ich habe mich für den Weg eines Generalisten entschieden. Ich sprinte, trainiere mit der Hantel, mache turnerisches Training und Ausdauertraining. Es ist das, was ich in mir selbst angelegt sehe.

Du kannst die Frage nach deinem Vehikel für körperliche Vervollkommnung dadurch beantworten, in dem du dich fragst, was in dir selbst angelegt ist und wie du dies zur Ausprägung bringen willst.

Wenn du dich für etwas entschieden hast, geht es nicht darum, dass du ein guter Läufer, Boxer oder Bodybuilder wirst. Vervollkommnung ist ein Prozessbegriff. Wenn du dich auf den Weg begibst und daran arbeitest besser zu werden und dies in einem Bewusst-Sein tust, bist du dort.

Vielleicht gibt es Menschen, die auf ihrem Weg ein Stück weiter gegangen sind. Die Mühe eines Anfängers ist moralisch genauso viel Wert wie die Mühe eines Experten. Beide bemühen sich um das Gleiche.

Vervollkommnung ist ein abstraktes Prinzip, dass durch Vehikel in dieser Welt, in deiner Welt, eine Realisierung findet. Du musst dich nur für eines entscheiden. Das Schöne und gleichzeitig Verunsichernde daran ist, dass es dein Vehikel ist, das erst du durch diese Entscheidung zu einem solchen wird.

Der morgendliche Handstand

In meiner aktuellen Bewegungspraxis übe ich den Handstand. Dabei höre ich Podcasts, von denen ich mir viel verspreche. Ich versuche Menschen zuzuhören, die meiner Meinung nach groß sind.

Was meine ich mit groß? Und was sind große Menschen?

Wer sich hier in diesem Blog ein bisschen einliest, wird bereits eine gute Vorstellung von dem haben, was ich einen großen Menschen nenne.

Große Menschen sind groß, weil sie sich auf ihren eigenen Lebensweg begeben haben. Woher weiß man, dass sie sich auf ihren Lebensweg befinden und auch auf ihm gehen? In den meisten Fällen können sie das direkt sagen. Man kann nicht, ohne es zu wissen, auf seinem Lebensweg sein. Bewusst-sein darüber, dass man sich auf diesem Lebensweg befindet, ist notwendige Voraussetzung, dass man sich auf ihm befindet.

Das Seltsame am eigenen Lebensweg ist, dass er sich in dem Augenblick formt, in welchem man in dem bewusst-sein „das ist mein Lebensweg“ einen Schritt tut. Er formt sich als Akt des Gehens und wird dadurch erschaffen, doch er erscheint uns selbst, als würden wir ihn entdecken.

Große Menschen verstehen diese Paradoxie nicht nur. Sie entfalten diese und lösen diesen vermeintlichen Widerspruch auf. Für sie ist Entdeckung und Schöpfung eins.

Eben nach solchen Menschen suche ich für meine Podcasts. Menschen, die ihren eigenen Lebensweg erschaffen und dies auch bewusst machen.

Podcasts scheinen nun ein sehr profanes Mittel, doch wir sollten uns an dieser Stelle nicht von diesem Mangel an Romantik ablenken lassen. Ich bin, wie man so schön sagt, bibliophil und liebe die Vorstellung in einer alten Bibliothek Literatur großer Menschen zu lesen. Doch diese Verhaftung an alter Technik um alte Inhalte zu vermitteln lenkt ab. Es geht schließlich um die Inhalte.

Der Handstand gehört jetzt zu meinen Zugtieren körperlicher Vervollkommnung und doch bietet er so viel mehr. Nicht unbedingt er selbst, doch vielmehr die Praxis des Übens, liefert mir mehr als nur einen Handstand.

Es ist die Stille Zeit am frühen Morgen, die ich in Ruhe für mich habe, die mich auf den Tag einstimmt. Wenn ich besonderen Menschen zuhöre, werde ich inspiriert. Es ist eine stille Praxis, alleine in einem Fußballkäfig, wie man ihn überall findet. Sie lädt mich mit einer ruhigen Kraft auf. Selbst die Müdigkeit meiner Schultern am Ende der Übungszeit scheint mich aufzuwecken.

Ich habe also etwas für meiner körperliche Vervollkommnung getan. Gleichzeitig habe ich etwas für meine geistige Vervollkommnung getan, denn schließlich könnte ich es nicht einmal vermeiden, dass ich von diesen großen Menschen lerne.

Die seelische Vervollkommnung ergibt sich aus der Praxis. Man kann seelische Vervollkommnung nicht intellektuell erreichen. Man kann nicht eine Reihe von Büchern lesen und sich dann seelisch vervollkommnen. Erst in der Ausübung der Tugenden wird man auch seelisch der, der man ist.

So ist der Handstand am Morgen ein einfaches Vehikel für mich. Er ist völlig frei von Barrieren, denn ein ein kleiner Fleck Erde findet sich immer. Und trotzdem ist er ein mächtiges Vehikel für die Vervollkommnung: Die Handstandpraxis bietet mir die Möglichkeit auf allen drei Ebenen zu werden, der ich bin.

Bewusstsein oder Unbewusstsein durch Entscheidungen

Es gibt zwei Typen von Entscheidungen.

  1. Entscheidungen des ersten Typs erhöhen dein Bewusstsein.
  2. Entscheidungen des zweiten Typs verringern dein Bewusstsein.

Zunächst gilt es natürlich zu erklären, was ich überhaupt mit Bewusstsein meine:

Was ist Bewusstsein?

Das ist nicht nur philosophisch eine heikle und schwierige Frage. Weil Bewusstsein ein geistiges Phänomen ist und keines, dass sich auf physischer Ebene realisiert, kann es keine Naturwissenschaftliche Erklärung oder Definition geben. Bewusstsein ist allerdings auch kein soziales Phänomen.1

Ich habe nicht den Anspruch dieses schwierige Kapitel in irgendeiner Form zum Abschluss zu bringen. Ich denke nicht, dass ich das kann. Ich glaube nicht einmal an die Möglichkeit. Dennoch brauchen eine Definition – wenigstens als Arbeitshypothese.

Daher will ich Bewusstsein an das Konzept der Verantwortung binden. Bewusstsein ist die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen. Für diese Entscheidungen ist man dann verantwortlich.

Wir haben es hier also mit einem durch Entscheidungen positiv rückgekoppeltes Bewusstsein zu tun. Es kann sich selbst erweitern, in dem es sich selbst in eine Position rückt, in welcher seine Fähigkeiten Entscheidungen zu treffen erhöht sind.

Solche Entscheidungen kann man so ähnlich verstehen, als würde man das Lernen lernen. Je mehr man lernt, desto mehr kann man lernen.

Use it or lose it. So sagen es die Angelsachsen. Wer also immer weniger Entscheidungen trifft, der verlernt es Entscheidungen zu treffen.

Bewusst-sein ist nicht unbedingt leicht oder angenehm. Eigentlich ist es überhaupt nicht leicht und angenehm. Bewusst sein heißt Entscheidungen zu treffen. Das heißt, dass man geistige Energie investieren muss. Diese ist begrenzt und deswegen können wir erschöpfen.

Bewusst-sein bedeutet auch sich mit unangenehmen Dingen zu beschäftigen.

Befinden wir uns in einer für uns schädlichen Beziehung zu einem anderen Menschen, können wir diese Schädlichkeit ausblenden.

Beispiel:

Ein Mann, der versucht einer bestimmten Vorstellung von gutem Leben zu entsprechen, könnte beispielsweise Verdrängen, dass seine Partnerin sich beständig selbst schädigt. Anstatt sich mit ihr darüber auseinanderzusetzen, sie zu ermahnen, ihr zu helfen oder sich von ihr zu trennen, nimmt er ihre Selbstschädigung hin und blendet sie aus.

Was sind die Kosten davon mit einem Menschen eine so enge Bindung zu haben, der sich selbst aber schädigt?

  • Normalerweise produziert eine solche Person eine ungewöhnlich große Menge an negativen Emotionen und Situationen.
  • Wenn wir über lange Zeit mit Verhaltensweisen anderer Menschen konfrontiert werden, übernehmen wir diese wenigstens teilweise – in diesem Fall selbstschädigendes Verhalten.
  • Wenn man selbstschädigendes Verhalten ignoriert, stumpft man sich dagegen ab. Man verliert an Sensibilität. Man gewöhnt sich an Nichtwahrnehmung.

Diese Liste ist nicht auf Vollständigkeit angelegt. An dieser Stelle ist es für uns wichtiger, dass wir uns auf die Wirkung auf das Bewusstsein des Mannes konzentrieren.

Er kann dieses Verhalten nur über eine gewisse Dauer aktiv ignorieren. Irgendwann wird er dessen müde und muss auf passive Ignoranz wechseln.

  • Er kann anfangen dieses Verhalten zu billigen. Entweder weil er dieses Verhalten selbst übernimmt oder weil er denkt, dass es ihm sogar zuträglich ist.
  • Er kann dieses Verhalten umwerten z.B. indem er annimmt, dass dieses Verhalten funktional für seine Partnerin ist.
  • Er kann das Verhalten verdrängen. Damit hat er es aus seinem Bewusstsein gelöst und kann nicht mehr darauf zugreifen.

Das ist selbstverständlich kein linearer oder gar konstanter Prozess. Vielleicht wacht er zwischendurch auf und ist von sich selbst überrascht oder ermahnt seine Partnerin. Periodisch erwacht er so zu seinem alten Bewusstsein. Das sind seine Gelegenheiten Entscheidungen neu zu treffen. Verpasst er die Gelegenheit wird er in den Schlaf zurücksinken.

Ein anderes Beispiel ist unser Aufbau von Gewohnheiten und Ritualen. Gewohnheiten und Rituale sind Delegationen von Verhalten an das Unbewusstsein, damit wir unser Bewusstsein entlasten können.

Wir können beim Autofahren, beispielsweise, nicht permanent bewusst kuppeln und schalten. Angesichts der Komplexität des Straßenverkehrs würden wir kaum mehr als den Weg zur Arbeit und zurück schaffen, ohne auszubrennen.

Genauso ist es völlig unnötig, dass wir uns beständig und bewusst dafür entscheiden uns morgens die Zähne zu putzen. Anstatt unsere geistige Energie in diese Handlung zu investieren, indem wir jeden Morgen eine Entscheidung treffen, tun wir dies aus Gewohnheit.

Ein Problem für unsere Vervollkommnung wird es, wenn wir die neu gewonnene Kapazität nicht nutzen. Wenn wir unser Leben durch eine Reihe von Gewohnheiten und Ritualen so strukturieren, dass wir fast keine Entscheidung mehr treffen müssen, führen wir unser Leben natürlich nicht mehr bewusst.

Wenn man ein bewusstes Leben führen will, dienen Gewohnheiten und Rituale nicht zur geistigen Entlastung, sondern vielmehr zu Umlenkung unserer geistiger Energie.

An dieser Stelle wird klar, dass ein bewusstes Leben anstrengend ist. Verdrängung und Gewohnheiten können die Gefahr bergen, dass wir dieser Anstrengung ausweichen und uns damit das bewusste Leben vermauern.

Hier liegt übrigens ein besonderer Wert von Meditation. Man könnte Meditation als den Versuch bezeichnen das Bewusstsein in völliger Reinform präsent werden zu lassen. Wir denken nicht, wir fühlen nicht und wir handeln nicht. Wir lassen den Atem einfach geschehen und gehen in reiner Beobachtung auf. Sogar uns selbst beobachten wir nur und sind es nicht. Wir sind an dieser Stelle bewusst und nichts weiter.


  1. Auch dies ist zunächst eine Setzung. Es ist nicht selbstverständlich, dass Bewusstsein kein soziales Phänomen ist. Man könnte es auch als ein Regelungsmechanismus verstehen. Es ist eine Unterstellung, damit soziale Institutionen, wie Moral oder Verantwortung funktionieren. Ohne Bewusstsein keine Verantwortung. Verbrechen kann man schließlich nur als solche Anerkennen, wenn man dem Verbrecher Bewusstsein unterstellt. Ohne Bewusstsein, kann es keine Verantwortung geben. Ohne Verantwortung kann man Menschen nicht als Verbrecher bestrafen. 

Tun ist Ultima Ratio des guten Lebens

Gettings Things Done ist eine Methode seine Aufgaben, seien sie privat oder beruflich, zu organisieren. Alles, was ungeordnet ins Leben flattert, kann so in Ordnung gebracht werden und wird in Aufgaben, Projekte oder Notizen umgewandelt. Wenn du dich dafür interessiert, ist das Buch Getting Things Done von David Allan ein absolutes Muss. Es ist gut geschrieben und einer der Klassiker der Selbstorganisation.

Ich benutze es und bin überzeugt davon, dass so ein großer Teil des Chaos meines Lebens geordnet wird. Was ist das Wichtigste daran? Der Titel suggeriert ein klein wenig, dass die Dinge erledigt sind. Schließlich bedeutet der Titel Getting Things Done und nicht Do things.

Tun ist allerdings das Wichtigste. Donner und Pflicht ist ein Projekt, dass sich vor allem mit dem theoretischen Unterbau des guten Lebens beschäftigt und demnächst Methoden dafür abdecken wird. Eine dieser Methoden ist beispielsweise die Dankbarkeitsübung.

Die Entscheidung ist Dreh’- und Angelpunkt von Donner und Pflicht. Woran erkennt man eine Entscheidung? Man erkennt sie ausschließlich an ihren Konsequenzen.

  • Wenn ich mich zwischen blauen und schwarzen Stiften entscheide, nehme ich mir einen von beiden.
  • Wenn ich mich entscheide, dass lügen falsch ist, lüge ich nicht mehr.

Du wirst vielleicht einwenden, dass das Urteil, dass lügen falsch ist, nicht gleichbedeutend mit der tatsächlichen Unterlassung ist. Wie viele Menschen gibt es, die sagen und glauben, lügen sei falsch, und trotzdem lügen? Sie finden Ausreden wie “Ich wollte dir nicht weh tun.” und “Das war bloß eine Notlüge.”

Das sind eindeutige Zeichen dafür, dass diese Menschen sich nicht tatsächlich entschieden haben. Es ist das Nichthandeln nach ihren Überzeugungen. Wir sehen einen Widerspruch in Wort und Tat oder auch zwischen Gedanken und Handlung.

Sie haben sich nicht wirklich entschieden, weil sie nicht in der Lage sind ein definitives Urteil zu treffen. Ein solches Urteil würde sowohl die langfristigen als auch die kurzfristigen Bedürfnisse deckungsgleich werden lassen.

Ein Mensch, der lügt und lügen als falsch bezeichnet, ist genau in diesem Widerspruch zwischen kurzfristigem und langfristigem Bedürfnis. Normaler Weise steht die Vermeidung von unmittelbarem Leid als Motivation im Vordergrund.

Hier ist der klassische Konflikt mit unserem Über-Ich verborgen.

Es ist das Handeln, dass wirklichen Aufschluss über die Entscheidungen und damit auch über das moralische Innenleben eines Menschen Aufschluss gibt. Das ist auf der einen Seite eine Methode um andere Menschen einschätzen zu können.

Auf der anderen Seite ist es eine Methode uns selbst kennenzulernen. Selbsterkenntnis ist eine wichtige Voraussetzung für Selbstvervollkommnung. Erwischt du dich dabei Dinge zu tun, die eigentlich nicht deinen Überzeugungen entsprechen? Dann ist es Zeit dich zu entscheiden:

Willst du dich selbst kennenlernen und diesen Widerspruch auflösen oder wirst du dir fremd sein und diesen Widerspruch akzeptieren oder gar verdrängen?

Dieser Beitrag ist inspiriert durch folgendes Video:

http://kottke.org/14/07/the-forest-man-of-india

Dieser Mann hat eine echte Entscheidung getroffen. Er hat über Jahrzehnte einen Wald geschaffen und ihn verteidigt. Philosophie, wirkliche Philosophie der Praxis, ist gelebte Philosophie.

Ein Philosophiestudent, der im Seminar noch für die Tierrechte und gegen den Fleischkonsum argumentiert hat, sich dann aber in der Mensa ein Schnitzel reinzieht, hat schlicht und ergreifend als Philosoph versagt. (Das basiert auf einer wahren Begebenheit)

Ich sage dies im echten Leben gerne und immer wieder: Philosophie ist nicht das Gelaber in der Uni, der Wiese oder der Kneipe.

Ein gutes Leben will gelebt werden. An deinem Handeln allein erkennst du, ob du ein gutes Leben führst. Vom bloßen Theoretisieren passiert nichts. Wenn du einen Effekt in der Welt hervorrufen willst, dann sind es deine Taten, die zeigen, ob du dich selbst verändert hast um Wirkung in der Welt erzielen zu können.

Geoff Thompson bei London Real

Ich habe lange Zeit nicht geschrieben oder genauer gesagt: Nicht veröffentlicht. Ich denke, es ist an der Zeit zu neuer Produktivität zu finden. Zur Einstimmung habe ich hier ein Video von Geoff Thompson.

Ich empfehle diesem Menschen sehr genau zuzuhören und offen zu sein. Seit Aristoteles haben wir ein sehr eingeschränktes Verhältnis zur Rationalität, was uns viele Möglichkeiten zu wachsen und uns zu vervollkommnen nimmt.

Die Dankbarkeitsübung

In Donner & Pflicht geht es vor allen Dingen um Entscheidungen. Hier in diesem Blog habe ich bisher immer über relativ harte Themen geschrieben. Harte Themen sind diejenigen, die eine Entscheidung gegen ein akutes Glücksgefühl und für eine Vervollkommnung behandeln. In diesem Beitrag über Vervollkommnung habe ich zwar geschrieben, dass Glück auch ein wichtiger Faktor in der Vervollkommnung ist, aber bisher ist das nicht zum Tragen gekommen.

Nun will ich hier ein Mittel zur Vervollkommnung zur Verfügung stellen, dass viele in einem andere Kontext kennen. Es geht um eine Achtsamkeitsübung um den Tag abzuschließen.

Die Übung

Der Abend bestimmt, mit welchem Gefühl wir aus dem Tag herausgehen. Bei dieser Übung entscheidet man sich für das Gefühl der Dankbarkeit. Nicht weiter überraschend ist ihr Name “Dankbarkeitsübung”

Vorbreitung

Schließ’ die Augen und konzentriere dich auf deinen Atem. Nimm’ tiefe Züge und konzentriere dich dabei besonders auf ein langes und entspanntes Ausatmen.

Basisübung

Begib’ dich in eine ruhige, aber aufrechte Haltung. Es spielt dabei keine Rolle, ob du stehst oder sitzt. Richte deine Aufmerksamkeit auf die positiven Momente deines Tages. Lass’ sie vor deiner inneren Bühne noch einmal geschehen. Das muss keine visuelle Vorstellung sein, obwohl ich denke, dass das für die meisten der einfachste Zugang ist.

Versuch’ die Vorstellung so intensiv wie möglich zu gestalten. Visuelle Vorstellung ist nicht das Einzige. Geruch und Akkustik haben einen tieferen und nachhaltigeren Zugang zu unserem Unbewusstsein. Dort spielen sich die Gefühle ab. Nutze als all deine Sinne um dir die Situationen zu vergegenwärtigen. Erinnere dich an das gute Gefühl, was du in diesem Momenten hattest. Danke für diese Situation.

Danach hört die Übung auf.

Erweitert

Denke dann an die negativen Momente deines Tages. Nimm’ jede Situation, die dir einfällt noch einmal gesondert vor und lasse sie vor der inneren Bühne noch einmal geschehen. Versuche nicht die Vorstellung zu intensivieren. Es geschieht, was geschehen muss. Sehr wichtig bei diesem Teil ist, dass du weiter sehr ruhig atmest. Während der Vorstellung solltest du dich bemühen sogar noch langsamer und tiefer zu atmen als beim Basisteil.

Jede negative Situation ist eine Gelegenheit zu lernen. Es spielt jetzt keine Rolle, ob du verantwortlich warst oder nicht. Stell’ dir vielmehr die Frage, was du aus dieser Situation lernen kannst. Welche Lektion ziehst du daraus um dich selbst zu vervollkommnen?

Beispiel: Dein Chef hat dich wegen einer Angelegenheit zurechtgewiesen, in welcher du überhaupt nichts getan hast. Vielleicht hat ein Arbeitskollege irgendetwas verbockt und du musstest den Kopf hinhalten. Du hast dich ungerecht behandelt gefühlt.

Falsch: Wenn das nochmal passiert, dann verpfeife ich dieses faule Arschloch.

Richtig: Ich war völlig verkrampft, obwohl diese Angelegenheit sowieso demnächst aufklären wird. Ich werde das nächste Mal tief durchatmen und mich nicht unnötig belasten.

Abschluss der Übung

Öffne die Augen und nimm deine Umgebung wahr. Nimm dir einen Augenblick Zeit den aktuellen Zeitpunkt zu würdigen. Willkommen zurück.

Das Gefühl der Dankbarkeit

Manche können Dankbarkeit nicht auf Anhieb erzeugen. Auch dafür gibt es mindestens drei Hilfen.

  1. Erinnerung: Jeder von uns war schon einmal in seinem Leben dankbar. Erinnere dich an Situationen, in welchen du ein starkes Dankbarkeitsgefühl hattest. Erinnere dich am Anfang der Übung an dieses Gefühl und verbinde die positiven Situationen mit diesem Gefühl.
  2. Glaube: Manche von uns haben einen religiösen Glauben. Sie haben bei dieser Übung den Vorteil, dass sie ihren Dank an jemanden richten können.
  3. Pseudo-Gebet: Sprich die Dankbarkeit offen aus. Das ist eine Lösung für Menschen, die emotionale Probleme haben und sich bei so einer starken Introspektion unwohl fühlen. Selbstverständlich gilt es an diesen Problemen zu arbeiten, aber das Pseudo-Gebet kann als Notlösung helfen. Die Schwierigkeit hierbei ist, dass man einen sehr langen Trainingsprozess durchlaufen muss, bis es von einem bloßen Lippenbekenntnis zu einem echten Gefühl kommt.

Du bestimmst, wieviel du von dieser Übung hast. Wenn du oberflächlich bist und husch-husch handelst, dann bietet die Übung dir nicht sehr viel.

Training der Übung

  1. Mache das zu deinem Abendritual. Dafür bietet sich die internet-berühmte 30-Tage-Challenge an. Für 30 Tage führst du diese Übung jeden Abend gleichgültig der Umstände durch. Dann setzt du dich in Ruhe hin und schreibst auf, was die Effekte dieser Übung war. Lohnt sich diese Investition? Wenn ja, Glückwunsch! Du hast dein Leben für 30 Tage verbessert und das bleibt hoffentlich so.
  2. Gerade, wenn du das Methode “Pseudo-Gebet” wählst, ist es eine seltsame Übung. Das gilt besonders für diejenigen, die nicht gläubig sind. Am Anfang kann es sein, dass du gegen dein spontanes Gefühl handelst. Vielleicht ist es dir peinlich oder es kommt die albern vor. An diesem Punkt ist ein bisschen Tugend erforderlich um diese Hürden zu überwinden.

Zusammenfassung der Übung

  1. Schließe die Augen.
  2. Nimm’ eine ruhige, aber aufrechte Haltung ein.
  3. Kontrolliere deinen Atem. Nimm’ tiefe Züge und betone das Ausatmen.
  4. Lass’ die positiven Situationen des Tages vor deiner inneren Bühne noch einmal geschehen und sei dankbar für diese.
  5. Öffne die Augen und willkommen zurück.

Relevanz für die Vervollkommnung

Die mentale Energie ist keine unendliche Ressource. Ein Leben, in welchem man sich für die Vervollkommnung entschieden hat, ist anstrengend. Das ist ein Mittel um Energie zu tanken. Energie, die du dann wieder nutzen kannst dich zu vervollkommnen ohne dich auszubrennen.

Emotion und Ratio – Was ist die richtige Entscheidung?

Ich schreibe gerade an einem Beitrag darüber, dass Ehrlichkeit eine unerwünschte Tugend ist.

Donner & Pflicht ist ein Projekt, dass der Rationalität einen hohen Wert beimisst. Eigentlich muss man vielmehr sagen, dass Rationalität der Erstzugang ist und der Leitstern der Art der Erkenntnis ist.

Gibt es auch nichtrationale Erkenntnis? Spontan fallen mir zwei Möglichkeiten ein: Intuitive Erkenntnis und emotionale Erkenntnis.

Bei intuitiver Erkenntnis kann man sich leicht darüber streiten, ob sie notwendiger Weise nicht-rational ist. Intuition scheint sich schlicht daran zu entscheiden, ob der Erkenntnisprozess bewusst zugänglich ist oder nicht. Unbewusste Prozesse sind nicht notwendig irrational. Zumindest erschließt sich mir diese Notwendigkeit nicht intuitiv.

Emotionale Erkenntnis scheint dem Begriff nach nicht-rational zu sein. Emotion und Ratio sind im üblichen Sprachgebrauch einander gegenübergestellt.

Eine wichtige Frage für mich ist: Wenn Emotion ein wichtiger Teil unseres Selbst ist, wie kann ich trotz der sehr rationalen Herangehensweise von Donner & Pflicht Platz für Gefühle und Emotionen schaffen?

Das Problem stellt sich in mindestens folgenden Fragen beispielhaft dar:

  • Wann ist es vernünftig Gefühle zuzulassen?
  • Wie entscheide ich, in welchen Situation ich mich rational oder emotional entscheiden soll?
  • Kann ich trotz meiner subjektiven Haltung vernünftig entscheiden, ob nun Ration oder Emotion mein Handeln leiten sollen?