Moralische Subjekte und Objekte

Ganz allgemein bedeutet moralische Adresse zu sein, dass man in einem beliebigen normativen Aussagensystem berücksichtigt wird. Dies kann auf zwei Weisen geschehen.

Erstens kann man als moralisches Subjekt verstanden werden und zweitens als moralisches Objekt. Ein moralisches Subjekt ist eine Entität, dem Handlungen geboten sind und diesem Gebot entsprechen kann oder auch nicht. Alternative formuliert könnte man auch sagen, dass einem moralischem Subjekt Verantwortung zugerechnet wird. Nur wenn Verantwortung zugerechnet werden kann, macht es überhaupt Sinn etwas zu ge- oder verbieten.

Einem moralischem Objekt dagegen fällt zwar keine Verantwortung zu, wohl aber natürlich Berücksichtigung. Hier kann man die Unterscheidung zwischen Mittel und Zweck nutzen um aufzuschlüsseln.

Die eine Sorte moralischer Objekte sind Zweck von moralisch relevanten Handlungen. Ein einleuchtendes Beispiel hierfür sind Kinder, denen man aufgrund ihrer mangelnden Einsichtsfähigkeit Verantwortung abspricht, ihre Glückseligkeit aber als ein wichtiges Anliegen betrachtet.

Die andere Sorte moralischer Objekte sind lediglich Mittel von moralisch relevanten Handlungen. So sind Waffen selbst als leblose Gegenstände anscheinend kein moralischer Zweck, können sehr wohl aber in offensichtlicher Weise als Mittel für moralisch relevante Handlungen sein, zumeist natürlich im Zusammenhang mit verbotenen Handlungen. Nahrung ist ebenso kein Wert an sich, sondern erst in seiner Eigenschaft Leben zu erhalten relevant.

Die moralische Störung

Der Begriff “moralische Störung” ist aus Überlegungen am Begriff der psychischen Störrungen entstanden: Wenn wir in das große Einführungsbuch “Psychologie” von Zimbardo sehen, finden wir sieben mögliche Kriterien:

  1. Leidensdruck oder Behinderung.
  2. Fehlanpassung. Nichterreichen eigener Ziele.
  3. Irrationalität.
  4. Unberechenbarkeit.
  5. Außergewöhnlichkeit (im negativen Sinne).
  6. Unbehagen bei Beobachtern.
  7. Verletzung moralischer und gesellschaftlicher Norm.

Wenn wir diese sieben Kriterien gruppieren, kommen wir auf zwei Typen von Kriterien:

  1. Die möglicherweise kranke Person leidet selbst. (1 und 2)
  2. Die möglicherweise kranke Person verstößt gegen die Erwartung des sozialen Umfelds (3-7)

Ob die Erwartungen durch das soziale Umfeld gerechtfertigt sind oder nicht. Das gilt es noch zu prüfen. Vorweg: Die kantianische Gesetzestreue werde ich nicht vertreten.

Ein Leiden soll aber ebenso wenig aus Prinzip unmoralisch sein. Die Utilitaristen (vor allem die Psychologen) werden ihre Intuition verletzt sehen. Die Position, dass Glück gut und Leid schlecht ist, ist von selbst nicht gerechtfertigt. Das liegt an dem Unterschied der Begriffe Glück und das Gute. Darüber aber mehr in zwei Beiträgen zu Psychologie und ihren moralischen Wert und Utilitarismus.

Ich werde mich davor hüten zu bestimmen, was das Gute und seine Umkehrung ist. Obwohl ich selbstverständlich eine Bewertung in dieser Kategorie zur Verfügung habe. Nicht umsonst habe ich die Selbstaussetzung der Frauen in Schäme dich, Weib! so dargestellt, wie ich sie eben dargestellt habe.

Beide Typen psychischer Störungsbegriff stützen den Begriff der moralischen Störung.

Um endlich eine positive Antwort zu geben: Moralisch gestört ist jemand, der die moralischen Notwendigkeiten nicht versteht oder akzeptiert.

Notwendigkeiten sind Zusammenhänge, die Sachverhalte erzwingen. “So und nicht anders” Wenn ich den Apfel loslasse, fällt er nach unten. Das wäre so eine Notwendigkeit.

Notwendigkeiten sind moralisch, wenn moralische Sachverhalte erzwungen oder unmöglich gemacht werden.

Hier drei Beispiele um dieses Konzept zu erläutern:

  • Man kann sich bei niemandem völlig fallen lassen, wenn man ihm nicht jeder Zeit die Wahrheit sagt. Kleine Notlügen, kleine Geheimnisse, der letzte Rest falscher Privatssphäre. Die Angst vor Enttäuschung und Verletzung stirbt erst mit dem letzten Geheimnis.
  • Wenn man sich eine Nuttenportion Schminke ins Gesicht schmiert, kann man nicht als der erkannt werden, welcher man ist. (Interessante Redeweise: “Mein Körper ist…” Ist der Körper ein Gegenstand in der Welt oder bin ich das nicht auch?)
  • Ich kann nur insofern als Frau erkannt werden, wie ich mich als Frau zu erkennen gebe. Wenn ich einem Mann seine Domänen streiche und selber versuche dominant, handwerklich oder weinerlich in Krankheit zu sein, dann beschneide ich mich selbst in meiner Weiblichkeit.

Die obigen Beispiele beinhalten keine Bewertungen, auch wenn man intuitiv dazu neigt, es zu sehen. Das Gefühl sich völlig fallen zu lassen, wirklich oder als Frau erkannt zu werden, sind keine Werte an sich.

Die Beispiele zeigen Notwendigkeiten auf und

  • wenn mir jemand erzählt, er könne seinem Partner nicht vertrauen, aber erzählen darf ich es dem Partner auf keinen Fall
  • wenn mir jemand erzählt, dass Männer oberflächliche Schweine sind, aber angemalt ist wie ein Clown in der Manege
  • wenn mir jemand erzählt, dass starke Männer ausgestorben sind, mich aber angiftet, wenn ich anbiete den Kaffee zu übernehmen

dann denke ich: Du bist moralisch gestört.

Inkubationszeit

Eine kurze Info zu den nächsten Posts:

  • Ironischer Weise habe ich in einem Bodybuildingforum viel produktive Kritik (manchmal nicht so konstruktiv, wie ich es wollte, was ich nicht negativ meine, sondern als Ausdruck meiner Sturheit) erhalten. Diese Kritik werde ich als eine Reflexion über die ersten Posts dieses Projektes aufarbeiten. Dabei werde ich die Kritikpunkte auch einzeln aufgreifen und kommentieren.
  • Einige Posts sind in überformter Sprache geschrieben. Das wird auch so bleiben. Ursprünglich hatte ich gedacht, dass ich aus “Donner und Pflicht” eine Art Kunstfigur mache. Von dem Kurs werde ich abweichen, weil das unauthentisch ist. Wenn ich demnächst in überformter Sprache schreibe, dann in Form von Kurzgeschichten oder kurzen Aphorismen. Es macht mehr Sinn, wenn ich dieses Mittel auf den Punkt verwende und bei der Mehrheit der Posts so ähnlich schreibe, wie ich auch sprechen würde.
  • Ich schreibe selbstverständlich weiter und lagere das Geschriebene in meinem Zettelkasten. Das führt allerdings dazu, dass ich mehrere Optionen habe verschiedene Dinge zu veröffentlichen. Daraus folgt der erste “Call to Action” dieses Posts

Welches Thema könnte der nächste oder die nächsten Beiträge haben? Ich bin gespannt auf eure Vorschläge in den Kommentaren!

Smartphones zerstören Intimität

Smartphones verbreiten sich schlimmer als die Pest im Mittelalter. Sie sind neues Kulturgut, dem es sich lohnt auf den Zahn zu fühlen. Doch zunächst gilt es selbstverständlich die Begriffe zu klären:

Was ist Intimität?

Intimität ist eine Eigenschaft von Sozialität und entsteht unter der Voraussetzung, dass man dritte ausschließt.

  • Eine Beziehung ist immer dann intim, wenn die Möglichkeit anderer Partner ausgeschlossen ist.
  • Eine Unterhaltung ist immer dann intim, wenn die Teilhabe anderer ausgeschlossen wird.

Das ist ein Grund, weshalb es einigen Leuten unangehm ist, mit jemand Fremdem im Fahrstuhl zu fahren. Intimität wird durch Ausschluss aller anderen möglichen Akteure sehr groß, ist aber mit einem Fremden nicht erwünscht.

Zwei Eigenschaften von Smartphones:

  1.  Ein Smartphone ist grundsätzlich verfügbar. Es ist in der Hosentasche, liegt auf dem Tisch beim Essen oder liegt auf dem Nachtisch.
  2. Ein Smartphone verbindet ALLE modernen Mittel um Kommunikation unter Nichtanwesenden zu ermöglichen. So macht es den Nutzer für alle anderen mit im verbundenen Nutzer verfügbar.

Führen wir nun beides zusammen:

  1. Intimität entsteht durch den Ausschluss Dritter.
  2. Smartphones sind allgegenwärtige Mittel der Verfügbarmachung für Dritte.

Der Konflikt tritt nun deutlich zu Tage. Intimität und Anwesenheit von Smartphones schließen einander aus. Doch damit nicht genug. Smartphones wehren sich gegen ihren Ausschluss.

  • Durch die Facebook App wird das Smartphone zum Kanal der Versuche von Facebook die Aufmerksamkeit der Nutzer in sich zu verankern.
  • “What’s App” senkt die technische Hürde Nachrichten zu versenden durch Kostenlosigkeit.
  • Funktionen wie der Wecker machen es unfunktional, das Smartphone abzuschalten.
  • Die Möglichkeit das Smartphone für die Nacht auf lautlos zu stellen, dekonditioniert den Nutzer es abzuschalten.

Abschalten ist mit einigen kulturtechnischen Hürden verbunden. 

Das Smartphone belohnt Aufmerksamkeit durch Informationen, Spiele und das Gefühl nicht alleine zu sein. Selbst, wenn man versucht es zu ignorieren, muss man es gegen den Widerstand der vorangegangenen Konditionierung tun:

Ignorieren wird konsequent abtrainiert.

  • Sich mit einem Freund zu zweit zu treffen: Unmöglich. Der Gegenüber ist andere verfügbar.
  • Sich mit seinem Partner zu zweit zu treffen: Umöglich. Der Partner ist für andere verfügbar.
  • Einen Männer- oder Frauenabend verbringen: Unmöglich. Alle sind auch für die jeweiligen Partner verfügbar.

Smartphones ersticken Intimität im Keim.  Man kann sich in Ignoranz üben oder man kann sich gegen eine Verfügbarmachung entscheiden.

Ich sage: Wehrt euch!

Ausblick und -bruch

Nach diesen wenigen Schrieben scheint der Kurs gesetzt zu sein. Das Schiff weiß seinen Weg wie von alleine, während der Kapitän auf die See hört. Sie flüstert ihm zu, wohin ihn der Sinn zu treiben hat.

Wohin will der Donner und wohin strebt die Pflicht? Die Antwort ist nicht in jeder Zeit gleich. Doch heute scheint sie klar. Auf Kollisionskurs mit den Maximen der heutigen Kultur.

Den Selbstbetrug entlarven und mit Wahrheit zu züchtigen ist nur eine Seite der Medaille. Ich will nicht nur zerstören, aber heilen, das will ich erst recht nicht. Ich will Anleitung bieten. Nur in wilder See kann man lachen. Die Sucht nach dem Mittelmaß ist nur hohler Genuss. Erfüllung und Bestimmung sind erst im Auge des Sturms zu finden.

Ich biete Anleitung zur Suche nach seinem Selbst.

Kritik ist die eine Seite von Donner und Pflicht. Wenn wir genauer hinsehen, als wir es mit unserem ziemlich trüben Alltagsblick gewohnt sind, fällt uns Einiges auf:

Wir sind stumpf geworden, wenn es um fremdes Leiden geht. Auf der einen Seite wird in der Presse ein Wirbel gemacht, wenn irgendein Promi als Schwein, das er ist, seine Ehe bricht oder sich selbst zerstört. Auf der anderen Seite reagieren wir nur mit einem Achselzucken, wenn wir die Zahl der täglich Verhungernden hören.

Dieser Vergleich ist nun kein neuer Gedanke, sondern übliche Kritik. Wenigstens ist sie mir schon einige Male untergekommen. Ich will nun nicht bei diesem offensichtlichen Stumpfsinn stehen bleiben. Ich will mich fragen: Warum interessiert uns Germany’s next Topmodel mehr als Hungertod?

Mein erstes Urteil ist: Wir haben kein Selbst.

Was meine ich damit?

Wenn du jemanden beschreiben willst, was tust du da? Du zählst vielleicht einige seiner körperlichen Merkmale auf und ergänzt sie durch ein paar Charaktereigenschaften. Dazu kommt ein bisschen Biographie um dem Ganzen noch eine Ursache zugeben.

Wenn ich einer Beschreibung Aufmerksamkeit schenke, dann richte ich meinen Fokus nicht auf solche Belanglosigkeiten. Ich will herausfinden, ob sich dieses Wesen auch Person oder gar Mensch nennen darf. Mich interessiert nicht, welchen peinlichen Versuch mancher unternimmt etwas “Besonderes” zu sein, weil man diesen kulturellen Imperativ mit einem eigenen Wunsch verwechselt.

Ob jemand sich Mensch nennen darf, das interessiert mich. Mich interessiert, ob jemand ein Selbst besitzt.

Das sind nun einige große Begriffe und Vorhaben. Die nächsten Posts werden sich darum drehen die Konzepte zu klären. Sie liegen der Analyse unserer Kultur zu Grunde.

Wie oben angekündigt werde ich aber auch eine Anleitung geben, wie man sich ausklinkt. Wie man sein Selbst erfindet und seine eigene Interpretation davon entwickelt.

Ich werde Ausbruchspläne vorlegen. Ausbruch aus dem Zirkus.

Schäme dich, Weib!

“Alle Wesen bisher schufen etwas über sich hinaus: und ihr wollt die Ebbe dieser großen Flut sein und lieber noch zum Tiere zurückgehn, als den Menschen überwinden?” Friedrich Nietzsche

Was schaffst du über dich hinaus?

Jeden Tag grimmig entgegenblicken und sich fragen: “Was überwinde ich heute?” Diese Unschuld haben wir verloren. Wir fragen uns vielmehr, wie wir den anderen Gefallen können. Unsere Weiber bemalen sich wie Clowns, machen sich zum Gespött in der Manege und zittern vor dem Zirkusdirektor Heino Klumpen. Mager und schwach schleppen sie sich über den Sand der Manege. Grazil schweben sollen sie, doch hungrig können sie nur noch hinken. Ein Gelächter und eine schmerzliche Scham sind sie und werden als solches sogar erkannt! Und trotzdem: die Weiber auf der Tribüne verwechseln die Mitte mit Mittelpunkt und streben selbst noch an Hunger zu leiden!

Was wollen die Zirkusdirektoren? Sie wollen volle Zelte. Gleich ist es ihnen, ob man aus Bewunderung oder Belustigung in die Manege gafft. Jede Ausrede ist ihnen Recht, die sich das Publikum zurechtlegt. Im Zelt ist im Zelt.

Ich sehe wütend, wie das Zelt unaufhörlich wächst. Jeder neue Clown in der Manege, jedes zerbrochene Weib, das sich die rote Nase ins Gesicht setzt, weil es nicht mehr den Weg aus dem Zirkus findet, lässt den gerechten Zorn wachsen.

Sie müssen es nicht werden um es zu wollen. Sie müssen es nicht wissen um es zu tun. Das Weib ist sich selbst nicht der Wolf. Es ist sich selbst der Direktor, sich selbst die Manege, sich selbst das Publikum. Und wenn es dort angekommen ist, dann belohnen wir sie. Wir Direktoren, wir Gaffer, wir Schweine. “Fein, dass du dein Selbst aufgibst. Dich selbst verkleinerst und vermauerst. Fein, dass du zu uns kommst als Gelächter und peinliche Scham.

Wer sich selbst schwach macht. Wer sich selbst verkleinert. Der soll sich seiner Schwäche und Mangel an Lebenssinn nicht wundern.

Weib, du gehst zurück. Wo du Stärke stärke wünschst, wunderst du dich über deine Schwäche. Wo du dir Respekt wünschst, trägst du die Clownsfratze. Wo du dir ein Selbst wünschst, fühlst du Hunger.

Und dann fragst du dich, warum du nur Rückwärtsgänger in dein Bett lockst?

Schäme dich, Weib!

Wir

Ich bin zwei, denn ich bin ich und mein Zorn. Wer will es mir vergelten, dass ich zornig bin und nicht schmeichle? Es kann nur derjenige wollen, der sich seiner selbst nicht sicher ist. Der, welcher sich nicht kennt, der muss den Zorn anderer fürchten. Er muss meinen Zorn fürchten. Denn ich kenne mich und speie die Wahrheit als meinen Donner in Gesichter. Es sind Gesichter von sogenannten Menschen, die sich nicht kennen lernen wollen. Sie haben Angst vor der Konsequenz der Selbsterkenntnis:

Du hast dir selbst das härteste Bett zu sein, denn du kannst nur du selbst sein, wenn du das tust, was du für richtig hälst. Jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde deines Lebens. Das ist hart und die Widerstände sind groß. Der Drang zu fressen, zu huren und zu faulenzen ist mächtig. Nur derjenige, dessen Selbst mächtiger ist, als das Unbekannte in uns, der kann tun, was er für richtig hält. Nur er kann wahrhaftig er selbst sein.

Sei du derjenige. Sei du selbst. Mit allen Konsequenzen. Und glaube mir: Man selbst zu sein ist ein steiniger Weg, auf welchem das Glück nur zufällig verteilt worden ist.

Habe Mut zur Moral!

AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! – Immanuell Kant

Moralisierung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Schwäche. Schwäche ist das Unvermögen, sich seiner Moral gemäß ohne Leitung seiner Lüste zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Schwäche, wenn die Ursache nicht im Mangel des moralischen Erkenntnis, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich ihrer ohne Leitung seiner Lüste zu bedienen. Sapere aude! Habe den Mut, das zu tun, was du für richtig hälst!

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen erst dann moralisch handeln, wenn es ihnen auch genehm ist. Im nachhinein lässt sich dann immer noch damit brüsten, man habe sich den eigenen Überzeugungen verpflichtet gefühlt. Ein wichtiger Grundsatz, den Kant für moralisches Handeln aufgestellt hat: Moralisch ist Handeln erst dann, wenn es aus Pflicht geschieht. Das heißt:

  1. Helfe ich einer alten Dame auf, weil ich das gute Gefühl mag, jemandem geholfen zu haben, handle ich nicht moralisch. Es ist im obigen Satz bereits enthalten, dass ich wegen des guten Gefühls handle.
  2.  Helfe ich einer alten Dame auf, weil ich es für einen wichtigen Grundsatz halte, gebrechlichen Menschen zumutbare Unterstützung zu gewähren, handle ich moralisch. Ich halte das zumutbare Helfen für eine (moralische) Pflicht.

Was ändert es nun aus Pflicht oder aus Nettigkeit zu handeln?

Erweitern wir das Beispiel um eine kleine Vorgeschichte: Diese alte Dame hat dich bei der GEZ angeschwärzt. Sie sagt niemals “Danke”, wenn du ihr im Hausflur die Tür aufhälst und hat schon einige Male dein Fahrrad aus dem Hausflur auf den Gehweg geworfen, weil es für sie sich nicht so gehört.

Hilfst du ihr trotzdem?

Wenn du moralisch bist, ja. Du wirst ihr die Syphilis an den Hals und sonstwo wünschen und die Fäuste in der Tasche ballen, bis die Knöchel weiß werden. Aber du wirst ihr helfen.

Wenn du eine Fahne im Wind bist, dich deinen Lüsten und Launen auslieferst, dann wirst du sie wahrscheinlich auslachen und ihr sagen: “Das geschieht dir Recht.”

Pflichtgemäß zu handeln, moralisch zu handeln ist schwer. Erst durch Widerstände so zu handeln, kann erkannt werden: Bin ich ein moralischer Mensch?

Was sind die Voraussetzungen um ein moralischer Mensch zu sein? Wie wir hier sehen, ist Charakterstärke sehr wichtig. Man muss den Widerstand überwinden und seine Schadenfreude in Schach halten. Man muss das Handeln der anderen ausblenden und sich am Richtigen orientieren.

Schwach sein ist nicht menschlich. Schwach sein öffnet Tür und Tor für Amoralität. Bevor du schwach bist, sei lieber Arschloch. Dann bist du genauso scheiße, aber ehrlich.

Genesis

Von dieser Kanzel werde ich Donner und Pflicht speien. Und wer auch immer mich lesen will, muss darauf gefasst sein, dass ich niemanden schonen werde. Ich bin ein Menschenfreund, doch wer verdient diesen Titel heutzutage noch? Wer nutzt nicht jede Ausrede um sich für Schwäche und gegen Menschlichkeit zu entscheiden.

Hast du aber einen leidenden Freund, so sei seinem Leiden eine Ruhestätte, doch gleichsam ein hartes Bett, ein Feldbett: so wirst du ihm am besten nützen. – Friedrich Nietzsche

So will ich denn für euch dieses Bett  sein und euch ermahnen zu Härte zu euch selbst. Denn nichts ist schlimmer als sich Selbst zu verlieren, außer sich selbst gar noch nie gehabt zu haben.

Nicht alles, was ich schreibe, wird in dem Stil gehalten sein. Das wäre auch ein bisschen zu pathetisch. Deswegen nachfolgend in gängigerer Sprache, was hier gerade anfängt:

Ich studiere Philosophie und bin der Meinung, dass eine der wichtigen Aufgaben der Philosophie die Anleitung zum guten Leben ist. Was immer das gute Leben auch heißen mag. Normalerweise schreibe ich sehr nüchtern, weil ich überzeugter Anhänger der  Philosophie in analytischer Einstellung bin.

Hier dagegen nehme ich mir die Freiheit ein bisschen von der Kanzel zu reißen. Weil ich ein prinzipiell entspannter aber wütender Mensch bin, scheint mir das ein angemessener Stil zu sein. Auch werde ich viele Dinge aus meinem Alltag verarbeiten, denn dort kann ich nicht immer sagen, was ich will. Oft sind die Kosten durch soziale Sanktionen zu hoch.

Zusätzlich werde ich Zitate, Aphorismen und klassische philosophische Positionen als Anlass zum schreiben nehmen. Dieser Blog ist ein Work in Progress für die Vollendung eines Werkes, dass ich in der zehnten Klasse angefangen habe. Qua pubertär-gerechtem Zorn wollte ich eine Anleitung zum Unterrichtsvandalismus schreiben. Mit Namen “Manifest eine Klassenclowns” habe ich nichts weiter als meinen Zorn auf das selbstgewählte Menschenbild unserer heutigen Zeit in Worte gefasst.

Die Vollendung nachzuholen bin ich mir selbst schuldig.