Sinn und Welt

Präambel: Das ist ein Post eines Forum. In ihm formuliere ich die Antwort auf die Frage, ob alles nur Physik und bedeutungslos ist oder ob ich an einen sinnhaften Zugang zur Welt glaube. (Der Post wurde nachträglich zur Veröffentlichung etwas bereinigt)

Für mich macht es überhaupt keinen Unterschied, ob ich nun eine Seele habe oder alles nur neurologische Prozesse sind. Ich trenne nicht zwischen mir, meinem Körper, meinem Gehirn und meinem Geist. Geistigkeit ist ein anderer Zugang als der Wissenschaftliche. Das rechtfertigt erstmal keinen von beiden gegenüber dem anderen.

Ich bin deiner Meinung, dass alles, womit ich arbeiten kann, schlussendlich in mir selbst ist. Daraus schließe ich aber nicht auf das Sein. Ich trenne zwischen meinem Eindruck und dem, was ich irgendwie Realität nenne. Diese Trennung beruht auf einem Pragmatismus. Wenn alles nur in mir selbst wäre, wäre Irrtum ausgeschlossen. Weil ich mich aber schon geirrt habe, gehe ich von meiner Irrtumsmöglichkeit aus, die sich am besten durch ein bestimmtes Verhältnis von Innen (=ich) und Außen (=Welt) erklären lässt. In gewisser Weise bin ich daraus folgernd getrennt von der Welt.

So muss ich in dieser Trennung irgendwohin navigieren. Meine Triebe tun ihr ihriges um meine Handlungen zu steuern. Irgendwann muss ich auf’s Klo und der Drang zu Schlafen wird übermächtig. Nun muss man sich aber entscheiden. Entweder ist einem das genug. Dann läuft alles nur auf Glück und Strom im Glückszentrum hinaus. Wenn ich aber nicht an meinem Selbst arbeite, sehe ich mich in Konflikt mit einem Haufen anderer Werte. Ich will mich vor dem Hintergrund meiner eigenen Ansprüche von Geistlosigkeit unterscheiden. Das heißt zum Beispiel ganz konkret, dass ich kein Facebookuser bin, weil genau das erklärtes Geschäftsziel von FB ist. Ich könnte natürlich einen wie auch immer gearteten maßvollen Umgang pflegen. Ich fühle aber mein Leben mit Dingen, die mich meinen Zwecken näher bringen. Für Facebook gibt es einfach andere und viel lohnendere Alternativen.

Du siehst, dass ich schon von Zweck und Ziel spreche. Ob man sich ein solches setzt oder nicht ist Entscheidungssache. Die Konsequenzen sind aber teilweise notwendig. Wenn ich Menschen so behandle, dass sie moralische Subjekte und nicht bloß Objekte sind, muss ich ihnen zwangsläufig Verantwortung zuweisen. Dann kann ich nicht sagen “du kannst nichts dafür”, wenn die Person einfach nicht die Kraft vernünftig zu essen oder der Zigarette zu widerstehen oder sonstwas. Sobald ich jemandem psychologische (neurologische) Ursachen unterstelle, kann ich diese Person nicht mehr als moralisches Subjekt und verantwortlich behandeln. Beides zusammen geht nicht.

Deswegen sage ich Leuten, die mir sagen “aber das ist so schwer”, dass das ok ist. Das ist eben das Feedback, aber das ändert nichts an der Richtigkeit der Sache. Wenn man das nicht kann, dann muss man eben Scheitern akzeptieren und damit leben, dass man Sachen tut, die man nicht für richtig hält, weil man schwach ist. Ich habe mich dagegen entschieden aus Schwäche zu handeln. Schwäche ist an sich schlecht und deswegen akzeptiere ich nicht, dass sie vorliegt, in dem Sinne, dass ich mich damit abfinde. Wenn ich eine Schwäche identifiziere, dann arbeite ich daran. Je nachdem welche Priorität das hat mehr oder weniger intensiv.

Als Gegenmodell habe ich immer die unzufriedenen Frauen vor Augen, die mir vorheulen, dass sie zu dick, zu dünn, zu unfit oder sonstwas sind, aber mir dann im gleichen Atemzug sagen, dass sie nicht auf Keckse, ihre sozialisierten Schönheitsideale oder ihre durchsoffenen Wochenende verzichten können. Ich will in keiner Welt aus Zombies leben. Deswegen behandle ich entsprechende Personen nicht als vollwertige Menschen, sie haben eben ihr Defizit im Wert, den ich moralische Störung nenne.

Wenn man meine Biographie auseinander nimmt, findet man mit Sicherheit Ursachen für mein Denken. Mein weist meinen Eltern bestimmte Rollen zu und irgendwelchen körperlichen Defiziten auch. Ich benutze aber das, was ich Bewusstsein nenne, um mir meine Zwecke selbst zu setzen. Das ist mein Zugang zu meinem Leben, der sich natürlich von dem eines Biographen unterscheidet. So siehst du: Ich komme aus einer anderen Richtung in ziemliche Nähe deines Standpunktes. Bedeutung, Sinn und Einheit sind Sachverhalte, die für mich nicht nur wichtig sind. Sie sind notwendig aus meiner Entscheidung mein Leben in der mir eigenen Art zu führen erwachsen und damit kann ich nicht anders als sie als Teil meiner Realität zu sehen.

So funktioniert mein Zugang zur Philosophie. Ich setze nicht die Axiome irgendwelcher Werte- und Bedeutungssysteme fest. Ich identifiziere begriffliche Notwendigkeiten und Unmöglichkeiten. Hier sind dann die Entscheidungspunkte. Will ich das eine, muss ich sowohl seine Zwänge als auch das Ausgeschlossene annehmen. Wenn man das nicht macht, ist man in sich widersprüchlich. Das wiederum ist für mich eine ganz klare Entscheidung. Widersprüche sind immer scheiße. Sie fühlen sich an, als sei man nicht vollständig und vielmehr abgetrennt von dem, was man sein Selbst nennt.

Vervollkommne dich!

Die klassische und oft belächelte Frage nach dem Sinn des Lebens ist trotz ihres schlechten Rufs eine zentrale Frage in unser aller Leben. Wenn Moral die Antwort auf die Frage “Was soll ich tun?” liefern soll, dann erhält man durch die Frage nach dem Lebenssinn ein grundsätzliches Ziel, an welchem man seine Handlungen orientieren kann. Diesem Zweck sollten die Handlungen dann dienen, wenn man diesen Sinn gefunden hat. Ob und welchen man finden kann, will ich mit den nächsten Zeilen herausfinden.

Hier schließt sich dann die Begriffsfindung an. Was soll dieser Sinn überhaupt sein? Nachfolgend will den letzten Zweck, der allen Handlungen schlussendlich eine Richtung geben soll, Sinn des Lebens oder synonym Lebenssinn verstehen.

Das Leben ist begrenzt durch den Tod. Diesem kann man nun Bedeutung beimessen oder nicht. Wenn man in seinem Leben mehr Dinge machen will, als seine aktuellen Bedürfnisse zu stillen, dann muss man diesem Sachverhalt Bedeutung für sein Handeln beimessen. Wenn man es nicht tut, ist man schneller tot, als man die Zwecke realisiert, die man sich gesetzt hat.

Ich sehe nun grundsätzlich zwei Dinge, die als Kriterium für eine Setzung eines letzten Zwecks in Frage kommen:

  1. Das Glücksparadigma: Alles, was das Glück erhöht, ist gut.
  2. Das Vervollkommnungsparadigma: Alles, was mich zu einem besseren Selbst macht, ist gut.

Ich spreche mich stark für Zweiteres aus, denn der erste Punkt ist sehr angreifbar, weil er in Konflikt mit anderen Werten kommt:

Wenn ich mich als Mensch beweisen will, muss ich ich zeigen, dass ich kein Tier bin. Dass sollte man immer dann tun, wenn man sich der Rechte eines Menschen versichern will. Für Rechte muss man sich qualifizieren, man muss die Kriterien ihrer Zuweisung erfüllen. Entscheidet man sich nun für das Glücksparadigma, macht man genau das, was das Konzept des Tieres erfüllt. Man reduziert sich auf seine Instinkte und es zählen einzig Fressen, Saufen, Schlafen und Ficken. Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, entscheidet hier auch, ob man sich der Rechte als Mensch qualifiziert.

Selbstverständlich kann man sublimieren und sein Glücksempfinden über soziale Anerkennung usw. erhalten. Doch gegen diesen indirekten Weg spricht, dass er nicht nur unökonomisch, sondern auch inkonsequent ist. Wenn alles gut ist, was Glücksempfindungen hervorruft, dann sind Dinge, die die Zugänglichkeit zu diesen Empfindungen einschränken, schlecht. Es ist mit Sicherheit leichter einen Hamburger zu essen als sich als besonders fürsorgliche Krankenschwester hervorzutun. Außerdem ist die Lebensmitteltechnologie zuverlässiger als die Dankbarkeitsäußerungen der Patienten. Die sind manchmal auch einfach undankbar, während man die Standardisierungsbemühungen der Fastfoodketten als erfolgreich bezeichnen kann.

Führt man die Orientierung dieses Paradigmas auf die Spitze, sind sogar die Grundbedürfnisse zu stillen ein Weg zweiter Klasse sein Leben zu bestreiten. Schon einige Jahrzehnte zuvor hat man in Experimenten mit Ratten die Glückszentren elektronisch stimuliert. Es ist unser Gehirn, das wir als Mittel verwenden können Glück zu empfinden.

Entscheidet man sich konsequent für das Glücksparadigma, ist es die moralischste Lösung sich einen Chip ins Hirn zu pflanzen und auf den Schalter “Glück” zu drücken. Von hier aus ist es nur noch eine formale Frage, ob man sein Glück maximieren sollte und sterben oder ob man das Glück maximal verlängern sollte, so dass ein Glücksintegral über das Leben maximiert wird.

Das Glücksparadigma scheidet unter den obigen Voraussetzungen aus. Wenden wir uns nun dem Vervollkommnungsparadigma zu:

Der Begriff Vervollkommnung meint im moralischen Sinne grundsätzlich Selbstvervollkommnung. Dieses Selbst soll der vollkommenen Form angenähert werden. Die vollkommene Form des Selbst ist die Form, bei welcher das zur höchstmöglichen Ausprägung gebracht ist, was im Selbst angelegt ist.

Das ist eine Leerformel. Die Richtung ist nicht vorgegeben, weil nicht näher bestimmt ist, was überhaupt in Anlage zu finden ist. Das heißt, man kann aus dieser Formulierung nicht ableiten, was vollkommenes Selbst sein soll.

In der Anleitung zum Blog will ich eben gerade dies nicht bieten. Deswegen sollte spätestens an dieser Stelle klar sein, dass es nicht um den Sinn des Lebens geht, sondern welchen Sinn man sich selbst gibt, in dem man seinem Leben einen Zweck gibt. Einige Dinge schließen sich qua notwendigem Widerspruch aus, aber jeder muss selbst entscheiden, was die grundlegenden Werte sind. Man kann sich auch gegen seine Menschlichkeit entscheiden. Man muss eben bereit sein auch die Rechte eines Menschen aufzugeben. Beides zusammen geht nicht. Das zu verstehen, ist der Prozess der Heilung von einer moralischen Störung.

Tiere, die sich trotzdem für dieses Thema interessieren, sind selbstverständlich weiter eingeladen. Ich hoffe euch davon zu überzeugen, dass es im Leben nicht darum gehen sollte, lediglich die glücklichste Version seiner Selbst zu werden. Ich denke, dass man das nicht bis in die letzte Konsequenz hinein verfolgen kann.

Denjenigen, die sich für das Vervollkommnungsparadigma entschieden haben: Keine Sorge. Es gibt genug Gründe dafür, dass man glücklich sein soll, weil glücklich sein in vielen Fällen zu einem vollkommenerem Selbst führt. Es ist nur so, dass man nicht immer das Essen kann, wozu einen die Nahrungsmittelindustrie manipulieren will und man kann nicht immer einen leichten Weg wählen.

In den nächsten Posts will ich dieses Thema weiter ausarbeiten. Damit ist eine weitere Ankündigung verknüpft. Der Blog hat sich in der kurzen Zeit ein wenig weiterentwickelt. Zunächst wollte ich auch meinen ästhetischen Neigungen, was Sprache angeht, entsprechen. Entgegen der Kritik diesbezüglich wird es mit Sicherheit Posts geben, in welchen ich von überformter Sprache gebraucht mache. Ein Beispiel dafür ist “Schäme dich, Weib!“. Das Vorhaben, aus Donner & Pflicht das Sprachrohr einer fiktiven Person zu machen, stelle ich aber ein. Es wird meine Kanzel sein. Auch wenn demnächst der Fokus auf der Selbstvervollkommnung als Lebensparadigma liegen wird, überlege ich, ob ich mich als Person vorstelle. Sicher bin ich mir dabei noch nicht und es kann vielleicht für immer ausbleiben.

Nach wie vor sehe ich den Zweck dieses Blogs am Ende eine Anleitung zum guten Leben zu erhalten. Vormals ging es nur um moralische Fragen. Es ging um das “was” des Sollens. Es ist wahrscheinlich, dass ich einige Ideen zur Umsetzung der Zwecke hier zur Verfügung stellen werde. In meinem echten Leben erlebe ich es oft, dass Menschen zwar überzeugt von der Richtigkeit einer Sache sind, aber an der Auswahl der Mittel scheitern. Dem will ich Rechnung tragen.

Ich bin mir nicht sicher, wann ich diesen Post veröffentlichen werde, aber der Entwurf für einen Ratschlag zum Vermeiden kleiner Übergriffe im Alltag als Kommunikationstechnik liegt in meinem Archiv. Eine gute Freundin hat mich zu diesem Post inspiriert. Das wäre ein Beispiel für die “Wie”-Seite der Moral. Also wird dies nicht nur eine Präsentation verschiedener Zwecke sein. Es werden sich auch einige Mittel hier versammelt finden lassen.

Als nächstes werde ich dafür argumentieren, dass Vervollkommnung keine Suche nach einem Mittelmaß sein kann. Bis dahin.

Filmtipp für philosophisch Interessierte

Ein kleiner Serientipp für zwischendurch: The Walking Dead. Die Kulisse ist nicht sonderlich spektukulär. Die Zombieapokalypse ist hereingebrochen und die Menschen kämpfen in kleinen Gruppen um ihr Überleben.
Das Besondere an dieser Serie ist, dass in so einer Umgebung die Beziehungen, die Entscheidungen und das Handeln sich an sehr grundsätzlichen Fragen orientieren. Alte, nur als Konventionen gelernte, moralische Entscheidungen sind hinfällig. Es muss neu verhandelt werden, ob und wann ein Mensch getötet werden darf. Wann fängt Notwehr an? Sind Zombies bloß kranke Menschen und weist man ihnen deswegen ein Fürsorgebedürfnis zu? Oder sind sie bereits entmenschlicht und deswegen bloß gefährliche Objekte, deren Bedürfnisse nicht berücksichtigt werden. Wie ist das Verhältnis von Mann und Frau. Männer können offenbar in einer solchen Situation mehr für das Überleben der Gruppe tun. Immerhin sind sie im Allgemeinen stärker und in so einer Situation kommt es oft auf Körperkraft an. Steht ihnen deswegen mehr Entscheidungsgewalt zu? Sind sie wichtiger als Frauen? Oder gar mehr Wert?
Diese Serie bietet sehr plastischen Anlass über den hobbesianischen Urzustand zu diskutieren, über das Verhältnis von Sein und Sollen und über Vieles mehr. Eine philosophische Perspektive  Als Leser von Donner & Pflicht hoffe ich doch, dass du Freude daran hast eine solche einzunehmen.

Was muss Erkenntnis sein?

Im vergangenen Post über Objektivität, Wahrheit und Liebe habe ich das Konzept der Erkenntnis benutzt. Dieses werde ich hier ein wenig weiter entfalten. Ich beginne mit einem Zitat von Niklas Luhmann. Er hat mit systemtheoretischen Begriffen eine zentrale Notwendigkeit zusammengefasst. Sie ist so grundsätzlich, dass ich mich wirklich wundere, dass sie so selten Berücksichtigung findet. Viele Debatten werden so geführt, als stünden Dinge zu Debatte, die man entweder akzeptiert muss oder nicht von Erkenntnis reden kann.

“Erkenntnis ist nicht nur möglich, *obwohl*, sondern *weil* es keine Beziehungen, keine operativen Beziehungen zur Umwelt gibt.” Niklas Luhmann

Wenn wir von Erkenntnis sprechen, dann setzen wir ein erkennendes Subjekt und ein zu erkennendes Objekt voraus. Erkenntnis kann nur dann vollzogen werden, wenn es eine Trennung von Subjekt und Objekt gibt. Diese Trennung hat sehr zentrale und einleuchtende Konsequenzen:

Irrtum ist immer möglich, weil das Subjekt nicht aus seinem aktualen Verhältnis zu seinem Objekt heraustreten kann um es von einer zweiten Perspektive heraus betrachten.

Man kann sich dieses Problem sehr anschaulich vor Augen führen. Die Prozesse des Erkennens stehen uns beim Wahrnehmen nämlich nicht selbst zur Verfügung. Wir haben nur die Produkte zur Anschauung. Das macht es im wahrsten Sinne des Wortes besonders anschaulich. Dazu will ich hier ein kleines Modell zur Wahrnehmung verwenden:

  1. Der Reiz trifft auf die Sinnesorgane
  2. Die Sinnesorgane wandeln den Reiz in ein Nervensignal um
  3. Die entsprechenden Areale des Gehirns verarbeiten das Signal zu einer Hypothese.

Selbst wenn uns erklärt wird, wie eine solche Sinnestäuschung funktioniert und wir uns mit aller Gewalt auf unser Wissen um diese Sinnestäuschung konzentrieren, können wir ihnen nicht entkommen:

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=bLDweJWGkZk]

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=Ttd0YjXF0no]

An welchem Punkt findet die Täuschung statt? Der Reiz trifft weiter auf die Sinnesorgane. Die Sinnesorgane wurden auch nicht verändert und wandeln entsprechend ihrer Funktion den Reiz in ein Nervensignal um. Die Sinnestäuschung scheint an der dritten Stelle des Modells zu geschehen. Der Begriff Sinnestäuschung ist daher nicht ganz präzise. Es werden ja nicht die Sinnesorgane selbst getäuscht. Vielmehr wird eine Erwartungsstruktur im Gehirn ausgenutzt.

Nicht anders sind wir getäuscht, wenn wir eine Packung Milch als voll wähnen, obwohl sie leer ist. Die Hypothese über die Welt da draußen, passt nicht. Weil wir in uns selbst sind, kommen wir nicht an dieses Verhältnis heran.

Was können wir aus diesem Problem der Erkenntnis lernen?

Wir sollten akzeptieren, dass Irrtum immer möglich ist. Erkenntnis liegt nur vor, wenn Subjekt und Objekt in einem voneinander getrennten Verhältnis vorliegen. Sind beide voneinander getrennt, ist Irrtum möglich, sind beide nicht voneinander getrennt, können wir nicht von Erkenntnis sprechen.

Es gibt zwei Methoden, die Erkenntnis zu verbessern. Man lernt nur aus seiner Position als Subjekt heraus oder man lernt am Modell der Erkenntnis selbst, aus dem Verhältnis von Subjekt und Objekt, heraus.

Es kann sich nun die Intuition herausbilden, dass man die erste Variante der zweiten unterordnen sollte. Ich habe schließlich einige hundert Worte dazu verwendet eine Fehlerhaftigkeit dieses Prozesses herauszuarbeiten. Wir sollten allerdings bedenken, dass wir lernen müssen in dieser Position zu arbeiten und zu funktionieren, gerade weil wir aus unser Subjektposition nicht herauskommen.

Ein sehr einfaches Beispiel dafür ist, dass man sich nicht sofort aller seiner Erkenntnisse sicher ist. Es können nur Hypothesen sein. Annahmen, mit denen es rational ist zu arbeiten, weil sie uns als beste Möglichkeit erscheinen. Wenn wir uns im Streit mit jemandem befinden, sollten wir nachfragen, ob wir den gegenüber richtig verstanden haben, bevor wir ihn mit dem Kerzenständer niederstrecken. Prüfe deine Hypothesen, denn nichts anderes sind deine Erkenntnisse. Übung macht den Meister, denn man kann nicht ständig den Fokus auf die Irrtumsmöglichkeit richten. Irgendwann muss man nämlich aufhören und mit seinen Hypothesen etwas anfangen und handeln.

Die zweite Variante haben wir hier gerade vollzogen. Wir haben uns ein Modell der Erkenntnis erarbeitet und einige ihrer Eigenschaften herausgearbeitet. Wir sind uns der Natur der Erkenntnis besser bewusst, könnte man sagen. Mit dem Wissen um diese Natur gewappnet können wir uns nun in die Erkenntnisprozesse stürzen. Wir haben daraus gelernt und wissen jetzt, dass es Momente gibt, in welchen wir unserer Erkenntnis trauen, obwohl wir es vielleicht nicht so schnell tun sollten.

Von einer Reflexionsebene darüber sollte man sich Gedanken über das rechte Maß machen: Wann sollten wir handeln und nicht bloß erkennen und wann rastet unser Gegenüber aus, weil wir nach jedem Satz bellen: “Wie hast du das gemeint?”

Zum Nachlesen:

  • http://de.wikipedia.org/wiki/Ames-Raum
  • http://en.wikipedia.org/wiki/Adelbert_Ames,_Jr.

Objektivität, Wahrheit und Liebe

Das ist eine der wichtigsten Fragen der Philosophie. Sie kommt in den verschiedensten Fassungen vor:

  • Ist Wahrheit erreichbar?
  • Muss ich an allem Zweifeln?
  • Was kann ich wissen?

In der universitären Philosophie werden diese Fragen getrennt behandelt. Die für dieses Projekt wichtige Frage lautet “Was soll ich tun?” und nicht “Was soll man tun?”. Ich will mich dieser vielfältig verkleideten Frage mit den Mitteln nähern, die jedem zur Verfügung stehen. Viele dieser Begriffe sind philosophische Fachbegriffe und historisch aufgeladen. Darauf werde ich zunächst keine Rücksicht nehmen und zu einem späteren Zeitpunkt auf die akademische Philosophie zurückkommen. Hier soll es um eine verwendbare und nützliche Behandlung des Begriffs “Objektivität” in dem Sinne gehen, als dass ich ihn frei und hier offen entfalte.

Zunächst kann man eines mit großer Sicherheit sagen: Die Eigenschaft Objektivität ist gerade nicht Subjektivität. Wenn wir uns im Bereich der Erkenntnistheorie wähnen, dann können wir Subjektivität als die Eigenschaft eines Urteils bezeichnen, vom Subjekt abhängig zu sein. Ein Geschmacksurteil kann man ziemlich klar als subjektiv bezeichnen, denn ohne das Subjekt kann es so ein Urteil nicht geben. Entsprechend kann man den Begriff “Objektivität” ableiten. Dann ist Objektivität Eigenschaft eines Urteils, von einem Objekt abhängig zu sein. Wenn es kein weißes Pferd vor dem Fenster gibt, dann kann es auch über dieses kein Urteil geben.

Bisher ist hier noch nicht viel Spannendes passiert. Beide Begriffe bezeichnen eine Abhängigkeit von Urteilseigenschaften. Wenn man sich mit dem Konzept der Objektivität beschäftigt, geht das Interesse in der Regel weiter als die bloße Begriffsarbeit. Oft fragt man, ob es Objektivität überhaupt gebe. Was als ontologische Frage (Was ist Sein?) daherkommt, zielt eigentlich auf eine Frage nach der Verfügbarkeit ab:

Kann man Objektivität erreichen?

Stellt man die Frage jetzt in einem philosophischen Sinne genauer, lautet sie: Ist Objektivität eine Urteilseigenschaft, die in unserer Welt vorkommt. Ist Objektivität für uns verfügbar? Hier tut sich eine interessante Verschränkung von Ontologie und Erkenntnistheorie auf. Objektivität kann es nur geben, wenn es eine mögliche Eigenschaft von Urteilen ist.

Um diese Frage zu beantworten will ich mich von der Seite des zu Grunde liegenden Modells der Erkenntnis nähern. Das Konzept der Erkenntnis setzt voraus, dass es eine Trennung einer Innen- und Außenwelt gibt. Erkenntnis ist das Mittel, durch welches das Subjekt in die Welt hinausgreift. Weil Erkenntnis ein bestimmtes Verhältnis von Erkenntnissubjekt und Erkenntnisobjekt voraussetzt, müssen beide voneinander abgrenzbar sein. Die Begriffe “Innen” und “Außen” spiegeln dabei die Frage “Was soll ich tun?” wider. Innen ist alles, was durch mich als erkennendes Subjekt zusammengefasst ist, Außen ist alles, was nicht ich bin.

Man kann es schon an diesem Punkt sehen: Die Voraussetzungen dafür, dass Urteile auch unabhängig von Subjekten sein können, fehlen nicht nur. Solange man von Erkenntnis spricht und Urteile als Ergebnis von Erkenntnisprozessen gesehen werden können, sind Urteile notwendiger Weise subjektiv.

Häufig erlebe ich es, dass solche Fragen oft mit Anlegenheiten der Sicherheit vermengt sind. Wenn doch alles subjektiv ist, dann gibt es kein wahr und kein falsch.

Soweit sind wir an diesem Punkt noch nicht. Subjektivität und Objektivität schließen sich, soweit wir hier angelangt sind, nicht gegenseitig aus. Solange sich Erkenntnis auf ein Objekt richtet, und das muss sie notwendiger Weise, ist sie auch immer objektiv. Dass Objektivität auch erstmal nichts mit dem Begriffspaar Wahrheit und Falschheit zu tun hat, folgt später.

Der Komperativ “objektiver” heißt also “mehr am Objekt orientiert”. Wenn man Objektivität nicht als binär angelegte Eigenschaft versteht, zerlegt man den Begriff in Teileigenschaften, die mehr oder weniger für eine Objektivität sprechen.

Versteht man Objektivität als eine binäre Eigenschaft, könnte man lediglich sagen, dass sie entweder vorliegt oder nicht. Da Erkenntnis notwendiger Weise immer am Objekt orientiert ist, das Objekt ist nämlich Gegenstand der Erkenntis, wäre binäre Objektivität eine triviale Eigenschaft der Erkenntnis in diesem Modell. Sie liegt notwendiger Weise vor und Nichtobjektivität wäre notwendiger Weise unmöglich. Objektive Erkenntnis wäre also ein Pleonasmus.

Wenden wir uns also Objektivität als nicht-binäre Eigenschaft zu. Welche Urteile sind objektiver als andere? Eine Möglichkeit sind Erkenntnismethoden, die aufgrund von Objekten verändert werden. Dann sind die Erkenntnismethoden nicht nur aktuell vom Subjekt abhängig, sondern haben eine Geschichte der Objektivität.

Dazu folgendes Beispiel:

Früher glaubte man daran, dass die Sonne sich um die Erde dreht. Viele Berechnungen von Planetenkonstellationen und Ähnlichem waren kompliziert und man musste die Modelle sehr strapazieren um dieses Urteil weiter aufrecht zu erhalten.

Mit dem heliozentrischen Weltbild konnte man dann viele Widersprüche auflösen und viele Modellprobleme beseitigen.

Das neue Weltbild ist durch Orientierung der Mittel an eines Objekt entstanden. Anstatt weiter daran festzuhalten, dass sich die Sonne um die Erde dreht, weil es den Glaubenssätzen der Erkenntnissubjekte entspricht, hat man die Annahmen am Objekt neu orientiert.

Man darf hier nicht den Fehler machen und denken, dass man jetzt der Wahrheit näher ist. Man ist hier ganz und gar pragmatisch vorgegangen. Das neue Modell funktioniert besser. Dass funktionalere Modelle wahrer sind, ist erst noch zu rechtfertigen.

In jedem Fall haben wir hier ein Beispiel von objektiveren Erkenntnisprozessen und -ergebnissen gesehen.

Doch zurück zum Verhältnis von Objektivität und Wahrheit. Die Meisten beurteilen dieses Verhältnis unter dem Vorurteil, dass Objektivität zu mehr Wahrheit führt. Ein Problem ist hier, dass Wahrheit keine graduelle Eigenschaft wie Objektivität ist. Wahrheit ist binär. Eine Aussage ist wahr oder nicht-wahr. Ein mehr oder weniger macht keinen Sinn. Es ist ein Kategorienfehler Objektivität und Wahrheit so in Verbindung zu bringen.

Was ist nun der Schluss des Ganzen? Ausgehend von dem sich scheinbar ausschließenden Begriffspaar “Subjektivität” und “Objektivität” haben wir erkannt, dass Objektivität genauso wie Subjektivität notwendig vorliegen. Objektivität kann mal mehr oder mal weniger vorliegen. Ein Mittel Objektivität anzuhäufen ist Subjektivität mit einer Geschichte der Objektivität anzureichern. Das heißt, dass man durch Versuch und Irrtum testen kann, ob Urteile Zwecke erfüllen. Widersprüchlichkeit, Handlungsfähigkeit, Handhabbarkeit. Diese Werte haben alle nichts mit Wahrheit zu tun. “Wahrheit” und “Objektivität” gehören in zwei verschiedene Kategorien von Begriffen.

Ist Objektivität nützlich? Oder anders formuliert: Wozu überhaupt Objektivität?

Objektivität scheint man durch die Orientierung der Erkenntnis am Objekt zu erreichen. Diese Orientierung erreicht man durch die Realisierung von pragmatischen Werten. Anders ausgedrückt: Kann ich mit meinem Urteilen mehr anfangen? Das muss nicht die Handlungsfähigkeit sein. Es kann auch im Sinne einer Effizienz gemeint sein. Das heliozentrische Weltbild macht es mir deutlich leichter Planetenbahnen zu berechnen. In Überprüfung, ob die Planeten auch da sind, wo ich sie vorhersage, bin ich genauso akurat wie mit dem alten Modell. Ob ich damit näher an einer Wahrheit dran bin, kann ich nicht sagen. Ich kann nur sagen, dass es so einfach geht und dass das Modell mehr Sinn macht.

Weil Objektivität mit der Nützlichkeit von Urteilen für Zwecke korreliert, kann man sie als Zeichen für Nützlichkeit ansehen.

Objektivität dient also als Marker für die Nützlichkeit von Erkenntnis. Wenn man die Nützlichkeit von Erkenntnis als einen Wert betrachtet, dann hat ebenso Objektivität einen Wert. Je mehr man die Objektivität anstrebt, desto scheint man seinen Erkenntnissen Nutzen zu verschaffen. Weil Objektivität aber nicht mit Wahrheit zu tun hat, ist ihr Wert für viele zweifelhaft. Wir richten unsere Erkenntnisbemühungen auf Wahrheit. Eigentlich wollen wir, dass wir richtig liegen mit unseren Erkenntnisbemühungen.

Aus den Überlegungen kann man mitnehmen, dass unsere Bemühungen nach Wahrheit kindliche Rechthaberei sind. Kindlich, weil sie meist unüberlegt und unvernünftig sind. Rechthaberisch, weil Wahrheit unserer arroganten Egomanie, dass unsere Sicht besser ist als andere: Wahrheit hat nicht unbedingt einen Wert.

In einer Liebesbeziehungen treffen oft verschiedene Ansichten aufeinander und beide sind selbstverständlich von der Wahrheit und Richtigkeit überzeugt. Männer sind meiner Erfahrung nach besonders starke (starre) Vertreter dieser Ansicht. Wenn ich als Mann versuche meine Partnerin zu verstehen, kann ich natürlich versuchen meine Erkenntnisbemühungen auf die Wahrheit zu richten. Das führt dann oft zu Aussagen, die von der Frau als Unterstellungen wahrgenommen werden. Umgekehrt gilt das genauso. Frauen halten den Wert der Wahrheit nicht als Banner der Rationalität vor sich. Frauen scheinen auf ihre Sensibilität zu vertrauen und sind aus einer anderen Perspektive genauso von der Wahrheit ihrer Überzeugungen eingenommen.

Wenn beide Parteien ihre Erkenntnisbemühungen eher darauf richten würden, was hinsichtlich des Objektes ihrer Erkenntnis- (und Liebes)bemühungen wichtig ist, wären beide anschlussfähiger und sich der Unsicherheit ihrer Positionen bewusster.

Anstatt, dass die Frau sagt: “Du bist ein unsensibler Sack.” (Das ist theoretisch wahrheitsfähig) kann sie auch äußern “Ich erlebe es in letzer Zeit häufig, dass du dich so verhältst, dass es mir schlecht geht. Das wäre jetzt ein so ein Fall davon.”

Die Frau gibt damit Anlass ihr Modell genauer unter die Lupe zu nehmen. Sie können als gemeinsames Erkenntnissubjekt erforschen, ob diese Fälle tatsächlich zu einem sparsamen und nützlichen Modell vom unsensiblen Sack führen. Der Mann könnte genauso gerechtfertigt in seinen Handlungen sein, so dass er nicht unsensibel war, sondern dass er die sinnvollste Handlungsmöglichkeit gewählt hat. Dass es ihr dabei schlecht geht, war dann das kleinere Übel.

Wenn man in solchen Fällen an Wahrheit orientiert, ist das sehr starr und hart. Entweder ist es so oder nicht. Objektivität dagegen ermöglicht mehr Beweglichkeit. So ist der Fokus direkt auf den Gründen für diese Behauptung. Man kann diesen auch bei Wahrheitorientierung auf die Schliche kommen. Doch sind dazu mehr Schritte, mehr Fragen und mehr Überwindung nötig. Man beraubt sich der Nützlichkeit. Genaugenommen ist Objektivität objektiver als Wahrheit.

Sind Behinderte Menschen wie du und ich?

Eine Frage, die in meinem echten Leben für einige Bewegung gesorgt hat. Das kann vielleicht daran liegen, dass ich bereit bin mich überhaupt einer solchen Frage zu stellen und nicht intuitiv jeden, der die Verneinung überhaupt als Möglichkeit in Betracht zieht, mit meinem sozial konditionierten Gutmenschentum konfrontiere.

Offenbar zeichnet einen Menschen eine Behinderung in einer besonderen Weise aus. Sonst wäre die Erwähnung genauso wenig relevant wie die Kennzeichnung von Menschen anhand ihrer Haarfarbe. Dass ein Mensch eine Behinderung hat, ist verbunden mit einer bestimmten rechtlichen Situation und einer besonderen sozialen Regelung im Umgang mit diesen.

In Bethel/Bielefeld wird oft darauf beharrt, dass man den Begriff “Menschen mit Behinderung” benutzt und “Behinderte” nicht. So ähnlich wie bei Feministen, die radikale Genderung von Texten verlangen und gegen das generische Maskulinum in den Krieg ziehen, steckt dahinter, dass die Begriffe die Realität formen. Das will ich erstmal als gegeben hinnehmen, denn der Punkt, auf den es mir hier ankommt, ist ein anderer:

Die Begründung bei dieser Sprachnorm ist, dass der Begriff “Behinderter” entmenschlichend ist und dass sei unmenschlich.

Das halte ich für grundsätzlich falsch, weil die Voraussetzungen für eine solche Debatte falsch angefasst werden. Menschen stehen gewisse Rechte zu. Diese sollen Behinderte wahrnehmen dürfen. Wenn diese dazu nicht in der Lage sind, dann ist der Rest der Gesellschaft da um ihnen dies zu ermöglichen.

Der eigentliche Grund hinter dieser Begriffsnorm scheint also zu sein, dass man einer intuitiven Entrechtung und Abgrenzung von Behinderten vermeiden will. Sie sollen alle Möglichkeiten zur Verfügung haben wie Nichtbehinderte. Da frage ich mich, wo liegt da der Begriff der Behinderung? Der Begriff selbst beinhaltet doch, dass gerade diese Möglichkeiten eingeschränkt sind. Der Querschnittgelähmte kann nicht laufen und der Begriff geistige Behinderung meint nichts anderes, dass der Betroffene dumm ist.

Mit dem Status “Mensch” gehen natürlich nicht nur Rechte sondern auch Pflichten einher. Diese Pflichten müssen natürlich auch eingehalten werden und wenn derjenige diese nicht einhalten kann, sorgt die Gesellschaft dafür. Behinderte nehmen ihre Schulpflicht in Sonderschulen wahr. Doch manche sind geistig so eingeschränkt, dass die Schulaktivitäten nichts anderes als Beschäftigungsmaßnahmen sind. Als ich einen schwer- und mehrfachbehinderten Autisten für einige Zeit in der Schule betreute (Integration der Fachbegriff; ich hieß Integrationshelfer), bestand ein Teil des schulischen (!) Programms darin, dass wir kegelten. Da mein Schützling jedoch kognitiv nicht in der Lage war einen korrekten Zusammenhang zwischen Kugel und Kegel herzustellen oder wenigstens zu gleichgültig, “half” ich ihm dabei. In solchen Fällen wurde folgender Maßen vorgegangen:

Der Behinderte wurde auf einen Stuhl vor die Bahn gesetzt. Dann bekam er eine Schiene auf die Schulter, die auf die Kegelbahn ausgerichtet war. Oben drauf konnte man eine Kugel platzieren, die man von einem Podest herunterschubsen konnte, so dass sie die Schiene herunterrollte. Mein Schützling saß also da, bekam die Schiene aufgesetzt und hatte eine Kegelkugel vor dem Gesicht. Nach kurzer Zeit wurde sie ihm lästig und er schubste sie. Dann haben wir zusammen herumgesessen und darauf gewartet, dass wir wieder dran waren, während ich andere, agilere, Behinderte davon abgehalten habe, meinen Schützling zu ärgern oder ihm Kegelkugeln ins Gesicht zu werfen.

Immerhin hat er sein Recht auf Schulpflicht wahrgenommen, oder? Das war nur ein Beispiel der Lebenszeitverschwendung von ihm (ich wurde immerhin bezahlt). Wenn ich ihn in der Freizeitbetreuung hatte, gingen wir oft auf Spielplätze, wo er schaukelte oder Blätter eines Gebüschs pflückte und zerriss  Es war ihm eine Freude und der genoss es, dass ich ihm einmal in der Stunde etwas Aufmerksamkeit schenkte, obwohl es ihm in vielen Fällen auch egal war.

Ich will das nicht einmal als rhetorische Frage formulieren, weil es einfach zu absurd ist. Behinderte sind keine vollwertigen Menschen. Das heißt nicht, dass man ihnen ihr Leidens- und Glücksempfinden abspricht. Aber sie werden in Formen gepresst, deren Sinn man nicht einmal für Nichtbehinderte so unproblematisch sind (Schulkritik, Kapitalismuskritik usw.). Unter dem Begriff “Teilhabe” werden Wesen ohne intuitiv menschliches Antlitz und ohne Handlungsfähigkeit in Räume geschoben, wo andere Behinderte Tätigkeiten erlernen, für die Maschinen speziell nach ihren Bedürfnissen hergestellt werden. anstatt die Fördergelder für eine Person zu verwenden, die sie an der frischen Luft spazieren fährt oder Musik vorspielt.

Ein Mensch zu sein scheint ein erhabener Status zu sein. Einem Behinderten einen Teil seiner Menschlichkeit abzusprechen wird zur Herabsetzung. Ich sehe darin nur die Arroganz des Menschen, der sich selbst für etwas Besonderes hält. Ich habe gesehen, wie “Menschen” für den Begriff “Mensch mit Behinderung” mit äußerster Aggressivität gestritten haben, während sie sich gleichzeitig gefragt haben, wie ich meinen Schützling, welcher hochaggressiv und gewalttätig war, so ruhig behandeln konnte. Warum ich nie sauer auf ihn war. Die Antwort ist simpel wie unmenschlich. Ich habe in ihm keinen vollwertigen Menschen gesehen. Dieser wäre verantwortlich für sein Handeln gewesen. Mein Schützling war für mich nicht vollwertig. Seine Aggressionen waren Ausdruck seiner Unfähigkeit sich mitzuteilen und seiner Dumpfheit, weil sein Autismus, seine Epilepsie und seine geistige Behinderung seinen Geist eingeschrumpft haben. Ich war sein Betreuer und meine Aufgabe war es, ihn und andere vor Schaden zu bewahren und sein Glück und seine Fähigkeiten zu befördern. Diese Pflicht habe wahrgenommen und nach bestem Gewissen erfüllt. Ihn als vollwertigen Menschen zu behandeln, wäre mir im Traum nicht eingefallen, denn das wäre grausam gewesen. Die Entscheidung, die ich treffen musste, war also:

Ist vollwertige Menschlichkeit Voraussetzung dafür, dass ich das Glück eine Lebewesens befördere? Für mich nicht. Für mich ist das Arroganz, die ich nicht in meinem Leben haben will.

Wieviel Selbstbestimmung willst du?

Selbstbestimmung, was soll das sein? Wie üblich ist der systematische Ansatz der Vielversprechendste.

Zunächst muss da ein Selbst sein. Das ist schon eine gewichtige Voraussetzung und ein Thema für sich, dass noch geklärt werden wird.

Über Kinder wird im Allgemeinen bestimmt, weil ihnen die Kompetenz für Selbstbestimmung fehlt. Sie können nicht entscheiden und die Wahrscheinlichkeit, dass sie richtige Entscheidungen treffen, wird im allgemeinen gering eingeschätzt, sonst würde man schließlich mehr Vertrauen in Kinder setzen und ihne nicht so viele Pflichten auferlegen:

  • Komm pünktlich zum Abendessen nach Hause
  • Putz dir die Zähne

Regeln werden grundsätzlich als wichtig für die Entwicklung von Kindern eingeschätzt. Wenn das Kind nicht nach links und rechts guckt, ist es nämlich bald Tod, was zwar auch Veränderung bedeutet, nicht aber Entwicklung.

Kindern fehlt also die Fähigkeit sinnvollen Gebrauch von Selbstbestimmung zu machen. Diesen Sinn scheint im Ergebnis und in der Einsicht zu liegen. In manchen Fällen wird die Einsicht paradoxer Weise über das Erreichen eines erwünschten Ergebnisses definiert.

“Wenn der Kevin es wirklich verstehen würde, was er sich da antut, würde er nicht rauchen.” – Mutter von Kevin

Nun, das Gleiche kann man bei jedem anderen Raucher anwenden. Warum sprechen wir den Kindern diese Einsicht ab, während wir sie sogenannten Erwachsenen zugestehen. Gemäß der obigen Ansicht, müssten wir die Selbstbestimmung des Erwachsenen ebenso einschränken, denn danach erfüllt er nicht die Voraussetzungen um sinnvollen Gebrauch von Selbstbestimmung zu machen.

Wir müssen uns an dieser Stelle entscheiden, ob wir das Sinnvolle an der Selbstbestimmung an Einsicht oder am Ergebnis festmachen.

Ein gewichtiger Grund spricht gegen das Ergebnis. Es steht uns nicht zur Verfügung. Wir können noch das beste Ergebnis wollen, wir können uns nicht sicher sein, ob wir das erreichen, weil in sehr vielen Fällen der Erfolg nicht nur von uns selbst abhängt. Der Begriff Selbstbestimmung betrifft aber gerade nur das Selbst. Wenn wir also das sinnvolle Selbstbestimmung am Ergebnis festmachen wollen, dehnen wir die Relevanz des Begriffs über das Selbst hinaus. Das kann man machen, aber dann ist man bei einem Begriff, der mehr die Fähigkeit Ziele zu erreichen meint. Sinnvolle Selbstbestimmung als erfolgreiche (was immer auch Erfolg sein mag) Selbstbestimmung zu verstehen hat nichts mehr mit Moral zu tun.

Schließlich will ich ja nicht beurteilen, ob jemand zu dem Ergebnis kommt, das ich für gut befinde. Ich will wissen, ob jemand die Mittel zur Verfügung hat, zu Ergebnissen zu kommen, die er selbst für gut hält.

Hier ist man an dem Punkt angelangt, an welchem Selbstbestimmung immer da sinnvoll ist, wenn derjenige, der davon Gebrauch macht, versteht welche Wirkung sein Handeln haben wird. Selbstbestimmung ist also ein Begriff des Verstehens und damit der Erkenntnistheorie.

Das ist eine Verbindung von moralischem Handeln (Was soll ich tun?) mit normativer Erkenntnistheorie (Was soll ich tun, um zu wissen zu gelangen).

Wenn es bei Selbstbestimmung um Einsicht geht, dann muss man Folgendes akzeptieren:

Wenn ich sinnvollen Gebrauch von Selbstbestimmung machen will, muss ich einsichtig sein. Je einsichtiger ich bin, desto sinnvoller ist der Gebrauch der Selbstbestimmung.

Es kann im moralischen Sinne nur um sinnvolle Selbstbestimmung gehen, wenn man akzeptiert, dass Selbstbestimmung kein Zweck an sich ist. Damit gerät man man in die Nähe von Kant und seinem Vernunftsparadigma.

Aus der Notwendigkeit zur Einsicht folgt nun etwas, was dem allgemeinen Lifestyle widerspricht:

Man darf sich selbst nicht belügen. Wenn man von sinnvoller Selbstbestimmung Gebrauch machen will, darf man die Augen nicht vor der Wahrheit verschließen. Das fühlt sich nicht immer, sogar meist, nicht schön an. In vielen Fällen ist es hart und zerrt am Gemüt. Das Beispiel folgt.

Viele Frauen lassen sich vom Wahnsinn des allgegenwärtigen Imperativs “Sei dünn” fesseln. Alleine das untergräbt die Selbstbestimmung, in dem Sinne, als dass sie ihren die Quelle dieses Wunsches im eigenen Willen verorten und nicht in der Interaktion des Willens attraktiv zu sein mit den Medien.

Machen diese Frauen sinnvollen Gebrauch von ihrer Selbstbestimmung, wenn sie diesem Imperativ folgen? Sind sie einsichtig? Meines Erlebens nach fast nie. Viele können den Unterschied zwischen dem Entstehen eines Wunsches und dem Haben eines Wunsches verstehen. Diese Unfähigkeit äußert sich dann im Verleugnen, dass dieser Wunsch ein Zeichen von Fremdbestimmung ist. (“Aber ich finde das doch schön!”)

Wenn man Frauen darauf hinweist, welche Konsequenz das Handeln gemäß dieses Wunsches hat. Dass sie ihre Selbstbestimmung untergraben, sie massive Abstriche in ihrer Gesundheit machen (Schwindel, schwacher Kreislauf, absurde körperliche Schwäche, Anfälligkeit für Infektionen: Die Liste ist lang und mittlerweile als Status quo akzeptiert), sich selbst kasteien und sich damit dem Bild des schwachen, masochistischen Geschlechts nähern, das nehmen sie in Kauf.

Ich sehe da folgende Alternativen:

  1. Ich behandle diese Menschen, nicht mehr als vollwertig und entsprechend werte ich sie in ihrer Menschlichkeit ab.
  2. Ich behandle diese Menschen, als vollwertig. Als Menschen, die nicht selbstbestimmt sind, die sich selbst schädigen und geschädigt und unterdrückt werden wollen.

Die ersten Möglichkeit halte ich ich für humaner als die Zweite. Menschlichkeit ist keine Voraussetzung für Beförderung der Glückseligkeit. Sonst würde iche einen Hund nicht streicheln.

Die Zweite führt ohnehin in eine Paradoxie. Denn vollwertige Menschen zeichnet gerade Selbstbestimmung aus.

Das Fazit: Diese Frauen sind keine vollwertigen Menschen.

Anführer sein oder sein sollen

Dieser Beitrag ist sowohl für diejenigen wichtig, die in ihrem sozialen Umfeld normalerweise führende Rollen einnehmen, als auch für diejenigen, die sich der Sicherheit der Führung gütlich tun.

Soziale Rollen geben uns soziale Normen vor, die ebenfalls soziale Notwendigkeiten sein können. Diese sind natürlich nicht immer deckungsgleich mit moralischen Normen. Wie sie in Widerspruch zueinander stehen können, soll hier erstmal nicht Thema sein. Vielmehr arbeite ich zunächst einige Sachverhalte zur sozialen Hierarchie heraus, mit welcher wir solange konfrontiert sind, wie wir sozial leben.

Dass sich einige Menschen als Oberhaupt von Gruppen anderer Menschen etablieren, ist allgegenwärtig. Die Gründe dafür sind vielfältig, doch eines ist gemeinsam: Dem Oberhaupt kommt eine gewisse Autorität zu. Die Gruppenmitglieder richten sich an dieser aus. Damit ist nicht gesagt, dass sie ihm hörig sind oder sein sollen. Diese Ausrichtung ist freiwillig, solange dieses Oberhaupt keine Macht ausübt.

Macht bedeutet jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstand durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht. (Weber, Wirtschaft & Gesellschaft, 38, Kapitel 1, §16)

Zwei Dinge sind hier wichtig:

  1. Macht haben und Machtausüben sind zwei verschiedene Dinge. Oberhäupter haben normaler Weise Macht. Doch die Macht kann, ähnlich dem Blinddarm, funktionslos an der Beziehung hängen, solange sich beide dessen bewusst sind, dass ihr erfolgreicher Gebrauch die Selbstbestimmung des gegenübers notwendiger Weise untergräbt.
  2. Es kommt auf den Willen an. Weber differenziert hier nicht zwischen Lust und vernünftigem Willen, so wie Kant es tut. In diesem Falle ist diese Unterscheidung nicht wichtig, denn egal ob die Richtung des Handelnden lust- oder willensbestimmt ist, ihre Richtung zu verändern bedeutet in jedem Fall Unterwanderung der Selbstbestimmung.

Nicht als Macht werte ich diejenigen Handlungen, die am Willen und/oder an der Lust selbst greifen. Überzeugt der eine, den anderen durch eine Argumentation, kriegt er auch das, was er will, jedoch nicht gegen den Willen des Gegenübers. Der Wille des Überzeugten hat seine Richtung geändert.

Der wichtige Unterschied von machtbedingter und überzeugungsbedingter Willenserfüllung ist, dass die Selbstbestimmung im ersten Fall untergraben wurde und im Zweiten nicht.

Dieser Punkt ist immer genau dann wichtig, wenn man den Gegenüber moralisch ernst nehmen will. Das ist insbesondere in einer Freundschaft wichtig. Einerseits ist es unmöglich sich auf gleicher Autoritäteneben zu bewegen. Der eine kann besser im gemeinsamen Hobby sein, während der andere sich vielleicht sicherer in sozialen Umgebungen wie Partys fühlt.

Derjenige der gerade diese Autorität inne hat, sollte sich dieser Verantwortung bewusst sein, denn aus dieser Position heraus kann man den anderen auch überrumpeln. Paradebeispiel ist es, wenn man zum Alkohol trinken überredet wird. Eigentlich will man nicht, aber man ist psychisch nicht robust genug sich zu widersetzen.

Führung zu haben bedeutet Sicherheit zu fühlen. Sicherheit hat man dann, wenn dieses Führen in Berücksichtigung der moralischen Konsequenzen des Handelns mitführt. Nur dann kann man sich in anderen Bereichen und auch im miteinander auf Augenhöhe begegnen.

In manchen sozialen Verhältnissen kann das Oberhaupt auch ein Totales sein. Eine alleinerziehende Mutter beispielsweise ist so ein totales Oberhaupt. Ihre Kinder sind ihrer Führung in jedem Bereich des Lebens unterstellt. In dieser Sonderrolle ist es einerseits entlastend für die Mutter, dass Kindern keine vollständige Selbstbestimmung zugerechnet wird. Schließlich müssen sie noch Willen entwickeln.

Andererseits obliegt es der Mutter aber diese Entwicklung nach bestem Vermögen zu fördern ohne sich selbst aufzugeben. Das erhöht den Druck auf die Mutter durch eine enorme Verantwortung.

Glücklicherweise hat es Mutter Natur so eingerichtet, dass der Mutter in Form von Mutterliebe entsprechende Pufferungsmechanismen zur Verfügung stehen. Moralische Erziehung ist hart sowohl für die Mutter als auch für ihr Kind. Schließlich ist Stärke notwendige Voraussetzung für Moral und diese Stärke zu erlangen braucht Training. Das heißt, dass diese Mutter das Kind mit Entscheidungen konfrontieren muss, die hart für das Kind sind. Das Kind muss diese alleine treffen und sich im Moment der Entscheidung auch alleine fühlen. Der Grad zwischen Forderung und Überforderung ist schmal und als Mutter ist der Wunsch natürlich groß es dem Kind so gut gehen zu lassen wie nur möglich. Auch die Mutter muss gegen ihr Gefühl das Richtige tun.

Ist die moralische Erziehung geglückt, wird das Kind zurückblicken und feststellen: Es war nicht immer schön, aber es hat mich zu einem besseren Menschen gemacht.

Alte Stammeskulturen, Glaubensgemeinschaften und Ähnliches haben die gleiche Struktur. Nicht umsonst wird der Pastor auch mit “Vater” angesprochen. Ich frage mich: Wer kann geistiges Oberhaupt einer Gruppe von Menschen sein ohne Mutterliebe, ohne tiefen Glauben an einen Gott oder eine mystische Verbundenheit zur Natur?

Früher hatten wir so eine Sicherheit und sind auch lange Zeit in einer solchen Sicherheit evolviert. Nun werden wir nach 18 Jahren MTV und elterlicher Vernachlässigung in die Welt gestoßen. Wer wundert sich, dass wir uns in Alkohol, Routine aus Arbeit und Fernsehen, Rumhuren verlieren? Freiheit ist Unsicherheit und diese will ertragen gelernt sein. Die Gelegenheiten Moral zu vergessen sind vielfältig. Und keiner wird mehr zum Schamanen ausgebildet (und keiner will die Qual ertragen, die nötig ist, um sich dafür zu qualifizieren) werden. Die Sünden eines Priesters wiegen schwer, denn Dreck ist auf einer weißen Weste leicht zu erkennen.

Die LowInformation Diät

In folgendem Beitrag schreibt Karol K. über die LowInformation Diät zur Steigerung der Produktivität. Wir leben in einer Welt, in welcher es unmöglich ist aktuell in einem umfassenden Sinne zu sein. Viele Leute versuchen mitzuhalten. Die Low-Information Diät ist ein Mittel gegen diese nutzlose Überforderung dazu. Je weniger Information man in sein Leben lassen muss, desto besser. Relevanz ist das Leitmotiv.

Hier die Regeln:

  1. Konsumiere keine Informationen, die dich nicht betreffen. Frage dich bei dem, was du guckst, wie groß der kurzfristig messbare Einfluss der Informationsquelle für dich ist.
  2. Konsumiere keine Informationen von allgemeinen Newsseiten. Einfach kein Gehalt für spezielle Bedürfnisse nach Information.
  3. Konsumiere nichts Negatives. Sie hat keinen Wert. Drei Morde in einem anderen Land sind zwar traurig, verändern dein Leben aber in keinster Weise und das Wissen darum füllt dein Leben nur mit Ablenkung durch Negatives.
  4. Konsumiere so wenig Informationen wie möglich. Informationen gibt es genug. Beschränke dich auf die nötigen Informationen, sonst nimmt die Recherche kein Ende.
  5. Richte einen Lerntag ein. An diesem Tag nimmt man sich qualitative Informationsquellen vornimmt.
  6. Errichte Informationsbarrieren Das betrifft vor allem Ablenkungen. Das kann ein Facebook-Blocker sein (Facebook ist für eine bestimmte Zeit blockiert). Es geht darum alle Ablenkungen zu beseitigen.

Das grundlegende Prinzip der LowInformation Diät ist die Kontrolle über Informationsflüsse ins Leben zu gewinnen. Üblicher Weise sind diese in einem hohen Maße unkontrolliert.

Beispiele:

  • Werbung überall. Man kann die Augen und Ohren nicht verschließen, weil man sonst überfahren wird.
  • SocialMedia wird zügellos genutzt. Facebook ist immer dabei und SocialMedia wird so zum Procrastinationswerkzeug.
  • Telefon, Handy und Checkeritis  machen uns ständig verfügbar durch Ablenkungen, weil andere auf unsere Beschäftigung im Allgemeinen keine Rücksicht nehmen.

Es geht darum die Informationsflüsse so zu manipulieren und zu gestalten, dass sie

  1. Möglichst relevante Informationen liefern
  2. In Summe keinen Überfluss an Informationen produzieren (Überforderung)
  3. Die Information zum richtigen Zeitpunkt liefern

Durch die absurd erhöhte Anzahl an Informationszuflüssen unserer Leben sind wir nicht nur überfordert, wir sind auch immer weniger in der Lage uns auf eine Sache wirklich zu fokussieren.

Für diejenigen, die ihren Fokus im Leben und die Überforderung loswerden wollen, gibt es einfach Möglichkeiten der Veränderungen:

  • Mach’ eine Liste von Dingen, die deine Aufmerksamkeit auch nur für kurze Zeit binden und welche Vorteile du dadurch erhälst.
  • Frage dich: Was bringt dich das deinen Zielen im Leben näher oder lenkt es dich von dem ab, was du wirklich willst.
  • Wie groß ist deine Kapazität? Für was hast du wirklich Zeit?

Warum fällt Facebook bei mir durch?

  • Facebook bindet  durch sein Konzept in hohem Maße meine Aufmerksamkeit. Es ist dafür designed. Es spricht unsere Neugier nach sozialen Sacheverhalten an. Es suggeriert einem Sozialität, auch wenn wir nicht einmal mit jemandem chatten.
  • Facebook ist Surrogat. Anstatt mich mit Menschen zu treffen, gebe ich mich mit digitaler Kommunikation zufrieden.
  • Facebook bietet keinen Service an, der mir etwas wert ist und den ich nicht auch so in Anspruch nehmen kann. (Alternativen: Email für die Kommunikation, was Klick pro Klick sogar weniger umständlich ist)
  • Facebooks Geschäftspraktik ist mir höchst zuwider.

Facebook bietet mir also keinerlei Vorteile, nur Nachteile und ist mit einer Lebenskultur verbunden, die mir zuwider ist.  Deswegen ist Facebook aus meinem Leben entfernt.

Überprüfe deine Informationskanäle. Errichte mindestens eine Barriere und vernichte mindestens einen Kanal. Ob du ein Abonnement kündigst, dich mir bei meiner Facebookflucht anschließt oder nicht mehr beim Essen an dein Handy gehst, bisher haben immer noch alle Menschen, die diese Schritte vornehmen, sich befreit gefühlt.

 

 

 

 

 

Diät oder Umstellung?

Dass wir im Allgemeinen fressen und nicht essen, ist ein ziemlich unstrittiger Punkt. Die USA macht es vor und der Rest macht es nach. Wir werden immer fetter. Die Folge sind Krankheit und Schwäche.

Doch das ist kein Produktionsproblem. Es ist ein Konsumproblem. Niemand zwingt uns den Fraß von McDonalds in die Münder. Wir gehen selbst dahin und stopfen es in uns hinein.

Jedem ist klar, wie man diesem Problem begegnen kann: Suche deine Nahrung bewusst und bedacht aus. Orientiere dich mehr am Gesunden und weniger an den aktuellen Gelüsten.

Dieses Problembewusstsein gegenüber Konsum sollte nicht beim Thema Ernährung enden. Wir leben in einer Kultur, in welcher wir von allen Seiten angeschrien werden. Im Fernsehen kreischt die Werbung. Sobald wir das Internet betreten, zieht ein Link nach der anderen unseren Fokus auf sich. Facebook ist extra dafür geschaffen unsere Aufmerksamkeit zu binden. Und oft wird das ganze unter dem Label “Informationsgesellschaft” abgelegt.

Doch wo wir im Bereich der Ernährung eine Fresskultur entwickelt haben, haben wir im Bereich Information praktizieren wir “force feeding”. Man kann sich nicht Augen und Ohren zu halten und sich gleichzeitig noch seinen Zwecken gemäß in der Welt bewegen. Das nutzen wir aus um unsere Zeit zu stehlen.

Sieht man die Information als Nahrung wird schnell klar, dass wir es genauso mit Unverträglichkeiten, Überkonsum, Krankheit und Ähnlichen Begriffen zu tun haben. Doch bevor wir unsere Informationsnahrung nach gesunden Zwecken auswählen können, ist es notwendig sich so weit es geht vom force feeding zu befreien.

Die Facebookuser kennen das Problem fast am Besten. Wir merken währenddessen, dass wir unsere Zeit vertrödeln. Wir ärgern uns, dass Facebook unsere Zeit stiehlt und doch lassen wir es zu. Nun gibt es natürlich die üblichen Vorhaben: “Ich gehe nur noch einmal und Abends auf Facebook, wenn ich mein Tagewerk vollbracht habe.” Das Scheitern ist vorprogrammiert. Doch warum?

Facebook ist speziell dafür ausgelegt unsere Aufmerksamkeit zu binden. Es bietet immer einen nächsten Klick zur nächsten “interessanten” Information. Wir sind einsam geworden, essen alleine, lernen alleine, leben alleine. Facebook bietet wenigstens die Illusion von Sozialität. Feiglinge können die Hürde des Angesichts umgehen und endlich jemanden kontaktieren ohne ihn direkt sehen zu müssen. Wir können unsere Neugier befriedigen und unbeobachtet andere Menschen ausspähen. In unserem Sprachgebrauch gewinnt “Stalking” eine neue Bedeutungsfacette. Wer stalkt nicht auf Facebook sein Date, den neuen Freund der Freundin oder die süße Schnecke aus dem Fitnessstudio?

Würdest du mir raten mein Vorhaben einer gesunden und vollwertigen Ernährung dadurch zu unterstützen, in dem ich mir ein Stück Schokotorte in Reichweite halte?

Genauso wenig rate ich dir beim Versuch dein Leben nicht zu verschwenden Facebook nur einen Klick entfernt zu halten.

Jeder von uns hat seine eigene Schwelle. Einige können damit leben, dass sie die Schokotorte im Kühlschrank haben, andere können das nicht.

Ich schlage folgendes einfaches Experiment vor: Schaffst du es drei Wochen ohne Facebook zu leben. Nicht ein einziges Mal drauf zu gehen und auch nicht beim Freund oder der Freundin mal einen Blick darauf zu haschen? Ich sage nicht, dass du keinen Kontakt zu den Menschen halten darfst. Schicke ihnen deine Emailadresse oder deine Handynummer, wenn du wirklich Kontakt mit ihnen halten willst.

In den drei Wochen belohnst du dich für deinen Verzicht damit dein Leben mit mehr Leben zu füllen. Unternimm’ etwas, lerne mehr, geh’ an der frischen Luft spazieren, triff’ dich mit Freunden.

Das Experiment bedeutet also: Nutze dein Leben und verschwende es nicht. Fällt es dir schwer dein Leben nicht zu verschwenden? Dann solltest du dir vielleicht Gedanken um deine Art des Lebens machen.

Wer an diesem Experiment scheitert, muss keine Angst vor dem Tod oder dem Altern haben. Wozu auch? Zeit hast du scheinbar im verschwenderischen Überfluss.

Dieser Beitrag ist stark inspiriert von folgendem Vortrag: Information is food von JP Rangaswami.